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Betroffene fordern Mitspracherecht

In Buenos Aires suchen derzeit Vertreter von Regierungen, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen aus 193 Ländern nach Wegen und Mitteln, Kinder vom Zwang zur Arbeit zu befreien. Das erklärte Ziel könne „nicht deutlicher sein“, sagte Guy Ryder von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Auftakt der vierten Weltkinderkonferenz.

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Wie ILO-Präsident Ryder weiter ausführte, sei in den vergangenen 20 Jahren bereits viel erreicht worden, seit 1997 sei die Zahl arbeitender Kinder um rund 100 Millionen gesunken. Zuletzt habe das weltweite Engagement allerdings wieder deutlich nachgelassen, so Ryder. Man müsse das UNO-Vorhaben umsetzen, dass Kinderarbeit bis 2025 der Vergangenheit angehören soll.

„Wir wollen keine arbeitenden Kinder und keine moderne Sklaverei mehr haben“, so Ryder, der eingestand, dass es zur Umsetzung dieses Ziels einer internationalen Kraftanstrengung bedürfe. Jüngsten UNO-Zahlen zufolge wird mit geschätzten 152 Millionen Betroffenen weltweit noch immer jedes zehnte Kind zur Arbeit gezwungen.

Kritik an Organisatoren

Im Rahmen der Kampagne „Time to Talk“ (Zeit zu reden) kamen im Vorfeld der Konferenz auch 1.822 Betroffene zwischen fünf und 18 Jahren in Afrika, Asien, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Europa zu Wort. Die Erkenntnisse der hinter „Time to Talk“ stehenden internationalen Hilfsorganisationen sollen in die Beratungen in Buenos Aires einfließen.

Am „Time to Talk“-Projekt nahmen nach Angaben der NGO Kindernothilfe über 55 internationale zivilgesellschaftliche Partnern in 36 Ländern teil. Die befragten Kinder arbeiten mit und ohne Bezahlung, auf dem Land und in der Stadt, in Haushalten und in der Landwirtschaft. Sie haben teilweise kleine Geschäfte, arbeiten in Gold- und Steinminen, als Bauarbeiter, als Müllsammler, in Webereien und in der Textilindustrie, in der Hotellerie und in der Gastronomie, sie schneiden Haare, putzen Busse und Autos oder betteln und verdingen sich als Sexarbeiter. 76 Prozent der befragten Kinder gehen in die Schule oder an die Universität, 22 Prozent besuchen keine Schule.

„Geht an Realität vorbei“

So wie bei den Vorgängerkonferenzen in Oslo (1997), Den Haag (2010) und Brasilia (2013) wurden nun allerdings erneut „arbeitende Kinder und Jugendliche mit ihren Organisationen“ nicht als aktive Teilnehmer zugelassen, wie unter anderem die Kinderschutzorganisation Jugend eine Welt kritisierte. Dass alle unter 18-Jährigen „aus Sicherheitsgründen“ von der Weltkonferenz ausgeschlossen seien, wurde als „eklatanter Widerspruch zu Artikel 12 der UNO-Kinderrechtskonvention, der Kindern freie Meinungsäußerung zusichert“, gewertet.

Die im Rahmen der UNO-Agenda 2030 als Ziel 8.7 angeführte vollkommene Abschaffung der Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 geht laut Jugend eine Welt „an der Realität vieler Familien und Kinder vorbei“. Die Rede ist von einem „komplexen Problem“, zu dessen Ursachen Armut, fehlender Zugang zu Bildung und Ausbildung und mangelhafte soziale Sicherungssysteme zählen. Für eine langfristige Lösung muss laut der Hilfsorganisation allerdings nicht nur hier angesetzt werden, vielmehr sei jeder Einzelne aufgerufen, „beim Einkauf Produkten den Vorzug zu geben, die nachweislich fair bzw. ohne missbräuchliche Kinderarbeit hergestellt wurden“.

Respektvolle Behandlung gefordert

Laut Anne Jacob von der Kindernothilfe und dem Steuerungskomitee von „Time to Talk“ ist allein die bei der Weltkonferenz vorliegende Befragung Betroffener eine Premiere. „Arbeitende Kinder wurden bisher nie gefragt“, so Jacob, der zufolge „Time to Talk“ erstmals Kindern auf internationaler Ebene eine Stimme gebe.

Ausbeuterische, gefährliche und gesundheitsgefährdende Beschäftigungen werden dem „Time to Talk“-Projekt zufolge aufs Schärfste verurteilt. Gefordert wird zudem ein rigoroses Einschreiten von Gesetzgebung, Wirtschaft und Politik. Vielfach stand aber nicht die Abschaffung von Kinderarbeit im Raum - viele befragte Kinder gaben laut Nothilfe-Aussendung auch an, dass sie respektvoll behandelt und in lokale, nationale und globale politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden wollen. Unter den weiteren Forderungen finde sich auch ausreichend Zeit zum Lernen und für Freizeit.

Auch in der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) war von teils überraschenden Aussagen die Rede: So können von Kinderarbeit betroffene Kinder ihrer Situation oft sogar Positives abgewinnen und sind stolz auf die Arbeit, die sie leisten - vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.

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