Immer wieder Kampagnen für mehr Kinder
Das Problembewusstsein, dass zu wenige Kinder in die Welt gesetzt werden, scheint in Dänemark besonders ausgeprägt zu sein. Denn anders ist nicht zu erklären, dass in den vergangenen Jahren immer wieder Kampagnen für die vermehrte Fortpflanzung gestartet wurden - und teilweise mit Erfolg.
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So hatte 2015 das öffentlich-rechtliche Fernsehen recht unverblümt dazu aufgefordert, sich in Sachen Babys-Machen ins Zeug zu legen. Mit der Sendung „Knald for Danmark“ („Bumst für Dänemark“) wollte der Sender DR seinen Zuschauern und Zuschauerinnen im Herbst eine „qualifizierte Grundlage bieten, um zu entscheiden, ob Platz für mehr Kinder in Ihrem Leben ist“. Immerhin: Im Sommer 2016 kamen in Dänemark über 1.000 Kinder mehr zur Welt als im Jahr davor.
Fortpflanzungspakt in Kommune
Im Kampf gegen Geburtenrückgang und Abwanderung in die großen Städte hatte die kleine Kommune Thisted im dänischen Nordwestjütland schon Anfang 2015 einen bemerkenswerten Vorstoß gestartet: Bei einer Versammlung schlossen Behörden sowie Einwohnerinnen und Einwohner einen Pakt. Die Bevölkerung will sich in den nächsten Jahren möglichst vermehren, dafür bleibt die von der Schließung bedrohte Infrastruktur erhalten.
Verwaltungschef Lars Sloth sprach gegenüber dem britischen „Guardian“ von einem ungewöhnlichen Vorgehen. „Aber wir mussten etwas tun, um unsere Stadt zu retten und eine gewisse Anzahl an Kindern zu gewährleisten.“ Einstweilen blieben Schulen, Kindergärten und andere Freizeiteinrichtungen geöffnet.
Familienpolitisches Vorzeigeland
Statistisch 1,7 Kinder bekommt eine Frau in Dänemark, damit liegt das Land zwar etwas unter dem skandinavischen Schnitt, aber deutlich über dem in Mitteleuropa. Familienpolitisch gilt Dänemark als Vorzeigeland: So besteht etwa ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem sechsten Monat. 73 Prozent der Frauen sind berufstätig - in Österreich liegt der Wert unter 70 Prozent -, 48 Prozent der Erwerbstätigen sind Frauen. Kinderbetreuungsgeld gibt es für insgesamt ein Jahr, wobei sich Vater und Mutter die Betreuungszeit und das Geld teilen können, bis hin zur tageweisen Aufteilung.
Reiseveranstalter bezahlt Babyausrüstung
Schon zuvor hatte es etliche andere Kampagnen und Einzelinitiativen gegeben. Der Reiseveranstalter Spies schenkte Frauen, die nachweisen konnten, dass sie auf einer bei ihm gebuchten Reise ein Kind gezeugt hatten, im 2014 Babyartikel. Damit es leichter geht, wurde gleich ein Ovulationskalender angeboten. „46 Prozent der Dänen haben mehr Sex im Urlaub“, hieß es in einem eher schlüpfrigen Werbevideo für die Aktion „Do it for Denmark“.
Datingwebsite und „Sexpfarrer“
Ebenfalls 2014 startete der nicht übermäßig erfolgreiche Schauspieler Emmanuel Limal seine Datingwebsite Love & Kids, die sich auf fortpflanzungswillige Singles spezialisiert hat. 2012 bot ein Kindergarten auf der Insel Fyn jeden Donnerstagabend eine zweistündige Kinderbetreuung an, um den Eltern zu ermöglichen, ungestört für weiteren Nachwuchs zu sorgen. Und mit Poul Joachim Stender, der unter anderem das Buch „Im Bett mit Gott“ geschrieben hat, hat Dänemark auch einen Theologen, der sich den Bibelspruch „Seid fruchtbar und vermehret euch“ auf die Fahnen geheftet hat.
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