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Direkter Kontakt zu Mafia-Boss?

Die Staatsanwaltschaft von Florenz hat erneut Ermittlungen gegen den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wegen einer mutmaßlichen Verstrickung in tödliche Anschläge aufgenommen, die die Mafia in den 90ern verübt hat. Auch gegen seinen Vertrauensmann, den mittlerweile inhaftierten Ex-Senator Marcello Dell’Utri, wird ermittelt.

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Ermittlungen gegen Berlusconi wegen dieses Vorwurfs waren bereits eingeleitet, aber 2011 eingestellt worden. Dell’Utri sitzt bereits eine siebenjährige Haftstrafe wegen Mafia-Verwicklungen ab. Beiden wird vorgeworfen, direkten Kontakt zum Mafia-Boss Giuseppe Graviano gepflegt zu haben, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft. Das berichtet die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ (Onlineausgabe).

Dahingehende Vorwürfe wurden schon öfters geäußert. Im Jahr 2009 sagte der abtrünnige Mafioso Gaspare Spatuzza erstmals vor einem Gericht aus, dass der damalige Regierungschef und sein Vertrauensmann direkte Kontakte zu Graviano gepflegt haben sollen.

Silvio Berlusconi

APA/AFP/John Thys

Gegen Berlusconi, der vor zwei Wochen in Brüssel sprach, werden neue Vorwürfe erhoben

Attentate sollen Berlusconi geholfen haben

Schon damals wurde der Verdacht geäußert, dass hinter Bombenanschlägen in den Jahren 1992 und 1993 in Rom, Florenz und Mailand ein politisches Motiv stecken könnte. Durch die Anschläge wollte die Mafia Italien destabilisieren und den Boden für einen neuen Politiker schaffen, sagte Spatuzza damals. Das soll sich auf die 1993 von Berlusconi gegründete, rechtskonservative Partei Forza Italia beziehen.

Laut „Repubblica“ gibt es Tonbandaufnahmen, die diese Theorie stützen könnten. „Berlusconi hat mich um diesen Gefallen gebeten“ soll Graviano, der eine lebenslange Haftstrafe absitzt, gesagt haben. Sowohl Berlusconis als auch Dell’Utris Anwalt bestreiten jedoch, dass das auf diesen Aufnahmen zu hören ist.

Italienischer Ex-Senator Marcello Dell’Utri

APA/AFP/Marcello Paternostro

Dell’Utri wurde zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt

Zahlreiche Tote bei Anschlägen

Bei zwei Anschlägen in Sizilien im Jahr 1992 wurden die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino mit Sprengsätzen ermordet. Dabei starben auch zahlreiche weitere Menschen. Im Jahr darauf kam es auch zu Sprengstoffanschlägen auf dem italienischen Festland.

Im Sommer des Jahres 1993 explodierten in Rom, Florenz und Mailand mehrere Sprengsätze. Insgesamt kamen dabei zehn Menschen ums Leben. Die Attentate wurden als Rache für die Festnahme von Mafia-Boss Toto Riina und die härteren Anti-Mafia-Gesetze gesehen. Seither wurden einige hochrangige Mitglieder der Mafia zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, darunter auch Graviano.

Aufräumarbeiten nach Mafia-Anschalg in Florenz 1993

AP/Massimo Sambucetti

Im Jahr 1993 gab es auch, wie etwa in Florenz, auf dem italienischen Festland Sprengstoffanschläge

Anwalt spricht von Verleumdung vor Wahlen

Berlusconis Anwalt Niccolo Ghedini zeigte sich angesichts der neuen Verdächtigungen erbost und ortet umgekehrt Verleumdungen, die der Forza Italia schaden sollten. Am Sonntag finden in Sizilien Regionalwahlen statt, im Frühling des kommenden Jahres stehen Parlamentswahlen in Italien an. Laut aktuellen Umfragen ist die Berlusconi-Partei wieder auf Erfolgskurs.

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