Zuversicht in allen Lagern
Fast alle Parteien haben am Freitag einen Schlussstrich unter den langen und intensiven Wahlkampf gezogen. Bei den groß zelebrierten Abschlussveranstaltungen wurden Anhänger und Funktionäre noch ein letztes Mal auf die Wahl am Sonntag eingeschworen.
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Die Wahlkampfabschlüsse gingen allesamt in Wien über die Bühne. Die SPÖ feierte mit einer Großveranstaltung vor der Parteizentrale in der Innenstadt. Bundeskanzler Christian Kern gab sich betont zuversichtlich: „Wir werden das gewinnen, ihr werdet das sehen“, rief er den mehreren hundert Besuchern in und vor einem Festzelt zu. Wiewohl die SPÖ in praktisch allen Umfragen hinter der ÖVP liegt, hat man zuletzt wieder Hoffnung geschöpft: „Wir sind schon nahe dran“, so Bundesgeschäftsführerin Andrea Brunner.
Wahlkampf im Finale
Fast alle Parteien haben den Wahlkampf zur Nationalratswahl beendet. Bei den Schlusskundgebungen zeigten sich die Spitzenkandidaten betont optimistisch.
SPÖ warnt vor Schwarz-Blau
Ausdrücklich warnte der SPÖ-Chef vor einem „schwarz-blauen Experiment“. Dem stellte Kern einen Weg der sozialen Verantwortung gegenüber, für den seine Partei die einzige Alternative sei. Beklagt wurde von Kern eine beispiellose Hetzkampagne gegen die SPÖ. Von dieser werde man sich aber nicht stoppen lassen: „Wenn wir angerempelt werden, richten wir uns auf.“

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„Wir werden ein fantastisches Finish hinlegen“, so Bundeskanzler Christian Kern
Zu Wort kam auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der ebenfalls vor einer ÖVP-FPÖ-Regierung warnte. Er erinnerte an Einkommensverluste für Pensionisten und Sozialabbau. Dem wolle die SPÖ entgegentreten: „Wir wollen, dass diese Erfolgsstory fortgesetzt wird.“ Sowohl Kern als auch Häupl schossen sich auf ÖVP-Chef Sebastian Kurz ein und warfen ihm umfangreiche Sozialabbaupläne vor.
Wahlkampfabschluss der SPÖ
Am frühen Freitagabend feierte die SPÖ mit einer Veranstaltung im Wahlzelt vor der Bundesgeschäftsstelle in der Wiener Löwelstraße.
Zum Wahlkampfabschluss am Freitag war neben zahlreichen Funktionären auch ein Großteil der sozialdemokratischen Prominenz erschienen. Bei einem weiteren Auftritt auf dem Viktor-Adler-Markt am Samstag in Favoriten sagte Kern, die Chancen für die SPÖ seien „exzellent“.
Kurz verspricht Steuerentlastung
Bereits am Vormittag war ÖVP-Chef Sebastian Kurz mit einer Ansprache vor seinen Anhängern bei der Parteizentrale in der Wiener Lichtenfelsgasse ins Wahlkampffinale gestartet. Er habe die Partei übernommen, um eine breite Bewegung auf die Beine zu stellen und Veränderung herbeizuführen, so Kurz in seiner Rede. Die vergangenen Monate seien „intensiv, aber schön“ gewesen, so Kurz, der sich bei seinen Unterstützern, den Experten und den Kandidaten bedankte.

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ÖVP-Chef Sebastian Kurz bat seine Anhänger um „Unterstützung durch Ihre Stimme“
200.000 Personen hätten sich der Bewegung angeschlossen: „Ich bin dankbar, dass wir diese Stärke entwickeln konnten.“ In den vergangenen Monaten seien Ideen und Programme präsentiert worden. Daran habe es aber auch in der Vergangenheit nicht gemangelt, was gefehlt habe, sei „Kraft, Mut und Entschlossenheit“, meinte der ÖVP-Obmann. Er garantiere daher, dass er alles tun werde, um die Steuerlast zu senken, damit den kleinen und mittleren Einkommensbeziehern mehr zum Leben bleibt.
Wahlkampfabschluss der ÖVP
ÖVP-Chef Sebastian Kurz ging als Erster in die Schlussoffensive und ließ sich in der Wiener Lichtenfelsgasse von Anhängern feiern.
Auch versprach er, alles unternehmen zu wollen, um „Missbrauch und Zuwanderung“ ins Sozialsystem zu beenden - ebenso die illegale Migration. „Der 15. Oktober ist unsere Chance auf Veränderung“, betonte Kurz. Um eine echte Veränderung einleiten zu können, brauche es aber mehr als Unterstützung und Rückhalt, bat er um eine „Unterstützung durch Ihre Stimme“. Anschließend startete Kurz seine 36-Stunden-Tour. Am Freitag trat er noch in Wiener Neustadt auf - mehr dazu in noe.ORF.at. Am Samstag geht es noch nach Liezen.
Strache gegen „rot-schwarze Raubritterregierung“
Die FPÖ beging ihren Wahlkampfabschluss traditionell auf dem Viktor-Adler-Markt. Dabei warnte Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache vor einer Wiederauflage der rot-schwarzen Koalition und zählte die Verfehlungen der „rot-schwarzen Raubritterregierung“ auf. Der einzige Weg, diese Neuauflage zu verhindern, sei eine so starke FPÖ, dass man an ihr nicht mehr vorbeikomme. Es sei „einiges möglich“, meinte der FPÖ-Chef.

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„Ich werde euch dienen, wo auch immer ihr mich hinstellen werdet“, so FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache
„Es liegt ausschließlich an euch“, so Strache. Auf Umfragen und Experten gebe er hingegen nicht viel. Deshalb bitte er alle Österreicherinnen und Österreicher aus „vollem Herzen“, ihr demokratisches Wahlrecht zu nutzen. Denn es sei nicht in Stein gemeißelt, dass Rot und Schwarz regieren, und Zeit „für eine wirkliche und ehrliche“ Veränderung im Land. Herbe Kritik übte Strache an der Haltung von Kurz in der Flüchtlingskrise sowie an Kern in der Causa Silberstein.
Wahlkampfabschluss der FPÖ
Wie die Jahre zuvor schloss die FPÖ ihren Wahlkampf am Freitag auf dem Viktor-Adler-Markt in Wien ab.
„Ihr seid stark. Lasst euch nicht einreden, dass ihr schwach seid und eh nix ändern könnt“, meinte Strache zu seinem Publikum. Es sei „nicht gottgewollt“, dass SPÖ und ÖVP ewig weiterregieren. Den meisten Applaus erntete der FPÖ-Chef, als er die „islamistischen Parallel- und Gegengesellschaften“ geißelte und die „christliche Leitkultur“ in Österreich beschwor, die in Gefahr sei. Vor dem Parteiobmann hatte sein Vize und Ex-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer gesprochen. Dieser erneuerte seine Absicht, bei der nächsten Präsidentenwahl wieder anzutreten.
Lunacek mit Schützenhilfe von Glawischnig
Mit einem Überraschungsauftritt von Ex-Parteichefin Eva Glawischnig beendeten die Grünen im Wiener Marx-Palast ihren Wahlkampf. Sie erwarte ein „deutlich besseres“ Ergebnis als in den Umfragen: „Das Zweistellige können wir schon ankratzen.“ Für Glawischnig, die sich seit ihrem Rücktritt der Öffentlichkeit weitgehend ferngehalten hatte, gab es langen Applaus. Lob gab es für Lunacek: Diese habe ihren Job „hervorragend gemacht“.

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Die grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek und der deutsche Grünen-Vizechef Cem Özdemir
Die Bühne überließ Glawischnig allerdings Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek und dem deutschen Grünen-Vizechef Cem Özdemir. Lunacek betonte bei ihrem Auftritt das Alleinstellungsmerkmal ihrer Partei. Nur mit den Grünen gebe es „Lösungen und Sachlichkeit und eine Orientierung an Menschlichkeit und Menschenwürde“, während die anderen auf Spaltung, Sündenböcke, rassistischen Hass und auch Antisemitismus gesetzt hätten.
Wahlkampfabschluss der Grünen
Zur Unterstützung haben die Grünen zur ihrem Wahlkampfabschluss Cem Özdemir, Chef der deutschen Grünen, in den Wiener Marx-Palast eingeladen.
Für die Grünen stellte sie das Eintreten gegen den Klimawandel, für die Gleichstellung von Frauen und das Bekenntnis zu Europa in den Vordergrund. Auch sie äußerte die Überzeugung, dass man noch zulegen und „wirklich ein respektables, gutes Ergebnis“ einfahren werde. Özdemir, der sich von der Heftigkeit des Wahlkampfs überrascht zeigte, sagte, man müsse nicht „die Umfragen, sondern die Wahlen gewinnen“. Es seien die Grünen, die sich der Klimakrise und damit der „entscheidenden Menschheitsfrage“ widmeten.
„Wenn sich Chance ergibt“
Am Samstagnachmittag folgte auf dem Wiener Platz der Menschenrechte schließlich auch der offizielle Wahlkampfabschluss von NEOS. Parteichef Matthias Strolz zeigte sich vor einigen hundert Sympathisanten überzeugt, dass man „gestärkt aus der Wahl hervorgehen“ werde. Er sah eine „Richtungsentscheidung“ und prophezeite: „Der Kanzler scheint mit Kurz gesetzt.“

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Strolz bezeichnete die Wahl als „Richtungsentscheidung“ und warnte vor einer „Obanisierung Österreichs“
Mit Blick auf die offene Frage, mit wem der ÖVP-Chef eine Koalition eingehe, ließ Strolz keinen Zweifel daran, dass NEOS - „wenn sich die Chance und die Möglichkeit ergibt“ - in Regierungsverhandlungen gehen würde. Denn die Alternative wäre „kein schönes Bild“, nämlich eine freiheitliche Regierungsbeteiligung mit einem Vizekanzler und „Polizeiminister“ Heinz-Christian Strache und einem Außenminister Norbert Hofer.
Wahlkampfabschluss der NEOS
Strolz zeigte sich am Samstagnachmittag beim NEOS-Wahlkampfabschluss auf dem Wiener Platz der Menschenrechte betont optimistisch.
Er habe die große Sorge, dass dann die „Orbanisierung Österreichs“ drohe. Sollte es mit der Regierungspartei NEOS doch nicht klappen, werde man jedenfalls ein „kraftvoller Stachel in diesem verkrusteten System“ sein, so der gebürtige Vorarlberger. NEOS hätte im Wahlkampf „viel Zuspruch“ erhalten, so Strolz, der beim Wahlkampfabschluss zudem einen langfristigen Blick in die Zukunft wagte: Im Jahr 2030 wolle man eine Bewegung sein, die eine Million Menschen hinter sich versammelt. Das wäre doch ein „gutes Ziel“.
Pilz mit Kreisky-Vergleich
Als einer der ersten an der Wahl beteiligten Parteien beendete am Freitagvormittag die Liste Peter Pilz vor dem Parlament ihren Wahlkampf. „Es war ein wunderbarer Wahlkampf. Ich habe ihn wirklich genossen“, sagte Pilz von seinen Mitstreitern flankiert. „Ich habe ein gutes Gefühl“, zeigte sich der frühere Grüne optimistisch, dass er den Sprung in den Nationalrat schaffen wird.

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Peter Pilz möchte zeigen, „wie Politik anders geht“
Die Wahl am Sonntag sei ein Anfang „für eine große, politische Alternative“, denn die SPÖ werde es nicht tun, und „die Grünen können es nicht“. Er zog einen Vergleich zur Wahl im Jahr 1966, die in einer Alleinregierung der ÖVP mündete. Diese wurde vier Jahre später abgewählt und von einer Regierung unter SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky abgelöst. Erst nach dieser zweiten Wahl habe eine „Ära der Veränderung“ begonnen.
Wahlkampfabschluss der Liste Pilz
Der ehemalige Grün-Mandatar Pilz zeigte sich optimistisch für den Wahlausgang am Sonntag, den Wahlkampf habe er „wirklich genossen“.
So stellt sich Pilz auch den Werdegang seiner Liste vor. Es handle sich nämlich „um das tollste und beste Team, mit dem ich in 31 Jahren Parlament zusammengearbeitet habe“. Angesichts einer möglichen schwarz-blauen Regierung sagte der langjährige Parlamentarier, dass Kontrolle „noch wichtiger als bisher“ sein werde. Pilz betonte zudem, dass seine Liste mit nur einem Plakat und keinem einzigen Inserat den billigsten Wahlkampf aller Zeiten geführt habe.
„Wahlkabinen-Tour“ und Volkssprechtage
Flora Petrik, Listenzweite von KPÖ Plus, beendete ihre „Wahlkabinen-Tour“ hingegen am Freitag vor dem Parlament. Der Zuspruch in den letzten Wochen zeige, „wie viele Leute in ganz Österreich unseren sozialen Inhalten und unserem Programm recht geben“, so Petrik dabei. Im Gegensatz zu den anderen Parteien lud KPÖ Plus am Samstag zu einer „Auftaktpressekonferenz“ am Friedrich-Engels-Platz in Wien Brigittenau. „Für uns ist die Wahl nur eine Zwischenstation“, wie Parteichef Mirko Messner dort sagte.
Roland Düringers Liste Gilt macht in der letzten Woche keine Straßenaktionen, sondern wie gewohnt nur Onlinewahlkampf. Die Weißen beendeten den Wahlkampf mit Volkssprechtagen vor dem Parlament. Die Freie Liste Österreich (FLÖ) um die ehemaligen Blauen Barbara Rosenkranz und Karl Schnell wollten nach einer Österreich-Tour keine Abschlusskundgebung machen.
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