Weischnoria mit regem Zulauf
Willkommen in Weischnoria: Der von russischen und weißrussischen Militärs zu Manöverzwecken erfundene Fantasiestaat hat binnen kurzer Zeit viele Fans gefunden. Tausende Weißrussen reichten bereits bis vergangene Woche online Anträge für die weischnorische Staatsangehörigkeit ein, im Internet entstanden Seiten von weischnorischen Regierungsstellen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Auch eine eigene Seite auf Wikipedia hatte das Fantasieland schon. Diese wurde allerdings wieder geschlossen und auf den Wikipedia-Eintrag des Militärmanövers umgeleitet. In der großen Zuwendung zu Weischnoria dürfte sich auch Kritik an den realen Lebensbedingungen in Weißrussland widerspiegeln.
3.000 Anträge auf Staatsbürgerschaft
Im Großmanöver „Sapad 2017“ spielt Weischnoria die Rolle des Feindes. Dem Manöverszenario zufolge handelt es sich um eine abtrünnige Kleinrepublik im Westen Weißrusslands, die von benachbarten europäischen Staaten unterstützt wird. Dem weißrussischen Langzeitpräsidenten Alexander Lukaschenko steht Weischnoria ablehnend gegenüber.
Manchen Weißrussen erscheint das sympathisch. Auf dem von Fans eröffneten neuen Twitter-Konto des weischnorischen Außenministeriums hieß es: „Weischnoria ist ein diplomatisches Land ohne Lukaschenko, ohne russische Truppen, und es ist befreundet mit dem Westen.“ Mehr als 3.000 nicht ganz ernst gemeinte Anträge auf Einbürgerung gingen ein. Auch ein Pass und Bankboten wurden entworfen, eine Flagge sowieso.
„Traum von normalem Land“
Der weißrussische Politikanalyst Pawel Usow erklärte den Zulauf für Weischnoria mit dem Wunsch vieler Weißrussen, sich der autoritären Herrschaft Lukaschenkos zu entziehen. „Weischnoria ist für Weißrussen der Traum von einem normalen Land“, schrieb er.
Das Großmanöver „Sapad 2017“ startete Mitte September. Unter osteuropäischen NATO-Mitgliedern sorgte das Manöver für Unruhe, sie werfen Russland aggressives Auftreten vor.
Links: