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Schwierige Suche nach Verdächtigen

Wenige Tage nach den Terroranschlägen in Spanien nimmt die Polizei jetzt einen Imam ins Visier, der der Kopf der Terrorzelle sein soll. Auch nach dem Hauptverdächtigen wird weiter gefahndet. Die Suche nach den Verantwortlichen geht nur langsam voran.

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Der jetzt von der katalanischen Polizei gesuchte Imam, Abdelbaki Es Satty, predigte bis Juni in der Moschee der Ortschaft Ripoll und könnte für die Radikalisierung der Gruppe verantwortlich sein. Zumindest drei der Verdächtigen hatten in der Stadt, rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona, gewohnt.

Auch die Cousine des 22-jährigen Hauptverdächtigen Younes Abouyaaqoub sagte laut dem katalanischen Rundfunksender Televisio de Catalunya i Catalunya Radio, sie vermute - genauso wie viele Bewohner von Ripoll - dass der Imam etwas mit der zunehmenden Radikalisierung der jungen Männer zu tun gehabt habe.

Karte von Katalonien

Omniscale/OSM/APA/ORF.at

Imam könnte bei Explosion umgekommen sein

Die Polizei durchsuchte bereits Samstagfrüh das Haus des Imams. Die Sicherheitskräfte hätten nach DNA-Proben gesucht, berichtete die Zeitung „El Pais“. Es Satty verbüßte bis 2012 eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und soll laut der Zeitung Kontakte zu den Verantwortlichen der Zugsanschläge 2004 in Madrid gehabt haben. Ob der Geistliche überhaupt noch am Leben ist, ist aber unklar.

Die Polizei entdeckte Medienberichten zufolge die sterblichen Überreste von drei Personen in den Trümmern des Hauses in Alcanar, wo sich am Mittwoch eine Explosion ereignet hatte. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete.

„Nicht in unserem Namen“

In dem Haus könnte sich aber neben dem Imam damit auch der Hauptverdächtige befunden haben, der den Lieferwagen in Barcelona gesteuert haben soll. Am Samstag meldete sich die Mutter von Abouyaaqoub zu Wort. Sie forderte ihren Sohn auf, sich der Polizei zu stellen. „Er soll zur Polizei gehen und sich stellen. Mir ist es lieber, er kommt ins Gefängnis, als dass er stirbt“, sagte sie.

In Ripoll versammelten sich am Samstag vor dem Rathaus Angehörige und Bekannte der am Terroranschlag in Barcelona und der vereitelten Attacke in dem Küstenort Cambrils beteiligten mutmaßlichen Terroristen. Die rund 40 Anwesenden distanzierten sich von den Taten. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift „Nicht in unserem Namen“.

Weinende Angehöriger der mutmaßlichen Täter

APA/AP/Francisco Seco

Angehörige des Hauptverdächtigen distanzierten sich von den Taten

Auch in Barcelona gingen rund 200 Muslime unter dem Motto „Wir sind Muslime, keine Terroristen“ auf die Straße. Der spanische König Felipe VI. und seine Frau Letizia legten am Samstagabend am Ort des Terroranschlags von Barcelona Blumen nieder. „Wir haben keine Angst und werden niemals Angst haben“, sagte der Monarch.

Polizei „nah“ an Verdächtigem

Die Suche nach dem 22-jährigen Hauptverdächtigen gestaltet sich schwierig. Sollte er noch am Leben sein, könnte er etwa auch nach Frankreich geflohen sein. Ob er überhaupt am Steuer des Lieferwagens war, ist ebenfalls unsicher. Zunächst wurde ein 17-Jähriger als Haupttäter vermutet, laut Kataloniens Polizeichef Josep Lluis Trapero gibt es derzeit aber keine „ausreichenden Beweise“.

Am Sonntag vermeldete die katalanische Polizei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter erste Erfolge bei der Suche. „Wir sind sehr nah an einer Person dran, die mit beiden Attentaten in Verbindung steht“, erklärten die Sicherheitskräfte. Welche Rolle der Verdächtige gespielt habe, könne noch nicht gesagt werden. In einem anderen Polizei-Tweet hieß es, in der Stadt Girona nördlich von Barcelona befinde sich ein Polizeiaufgebot.

Wenig später bestätigte ein Polizeisprecher im örtlichen Rundfunk, dass im Moment nur nach einem verbliebenen Verdächtigen gefahndet wird. Es soll sich dabei um den 22-jährigen Abouyaaqoub handeln. Ursprünglich gingen die Ermittler von zwölf Verdächtigen aus.

14 Tote, über 50 Verletzte

Bei dem Anschlag in Barcelona am Donnerstag und in Cambrils in der Nacht auf Freitag wurden insgesamt 14 Menschen getötet und knapp 120 verletzt, darunter eine Österreicherin. 54 Verletzte - zwölf Patienten in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt - befanden sich am Samstag noch im Krankenhaus. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag laut ihrem Sprachrohr Amak für sich.

Die verantwortliche Terrorzelle erklärte Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido am Samstag vor Journalisten zunächst für „zerschlagen“. Dem widersprachen wenig später jedoch die katalanische Polizei und die Regionalregierung. Am Sonntag bestätigte jedoch auch der katalanische Innenminister Joaquim Forn, dass die Terrorzelle zerschlagen sei. Sie sei durch „die Festnahmen und die Tötung von Personen bei verschiedenen Aktionen“ neutralisiert worden.

Trauerfeier für Opfer in Sagrada Familia

In der Basilika Sagrada Familia in Barcelona, dem Wahrzeichen der Stadt, fand am Sonntag die Trauerfeier für die Opfer der Terroranschläge statt. An der Messe in dem weltberühmten, von Antoni Gaudi entworfenen Gotteshaus nahmen das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia, Ministerpräsident Mariano Rajoy, der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa und zahlreiche weitere Spitzenpolitiker wie der Präsident der Region Katalonien, Carles Puigdemont, und die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, teil. Die Feier „für den Frieden“ wurde vom Erzbischof von Barcelona, Juan Jose Omella, geleitet.

Hunderte Menschen gedachten der Opfer der Terroranschläge. Weihbischof Sebastia Taltavull sagte zum Auftakt: „Es waren Tage von Tränen und Menschlichkeit.“ Das spanische Volk habe keine Angst und wünsche sich nur, das Geschenk des Friedens zu genießen. Nach den Attacken wurden die Sicherheitsvorkehrungen an der Kirche verstärkt, hielten sich aber dennoch in Grenzen, wie Teilnehmer der Trauerfeier berichteten.

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