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„Ein echter Showman“

Mit „mein lieblingstier heißt winter“ konnte der 31-jährige Dramatiker Ferdinand Schmalz am Sonntag den 41. Bachmannpreis für sich entscheiden. Der Theaterwelt ist der Autor von Stücken wie „am beispiel der butter“, „dosenfleisch“, „der herzerlfresser“ und „der thermale widerstand“ schon länger ein Begriff - nun überzeugte er auch mit Prosa.

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In dem mit 25.000 Euro ausgezeichneten Siegertext geht es deftig zu: Tiefkühlwarenlieferant Schlicht erhält an einem heißen Sommertag von einem seiner Kunden, einem Doktor Schauer, bei der gewöhnlichen Lieferung einer Portion Rehragout ein ungewöhnliches Angebot: Er werde in Kürze eine Überdosis Schlaftabletten nehmen und in seine Tiefkühltruhe steigen.

„Tiefkühlunternehmerische Möglichkeiten“

Die spätere Überstellung seines eingefrorenen Leichnams zur Hubertuswarte, wo er danach in der Morgensonne langsam auftauen werde, möge Schlicht „mit seinen tiefkühlunternehmerischen Möglichkeiten“ gegen „eine nicht zu kleine Summe“ übernehmen. Als Schlicht seinen Auftrag schließlich ausführen will, macht er eine ungewöhnliche Entdeckung - der gesamte Text auf bachmannpreis.ORF.at.

Teilnehmer am Bachmannpreis

APA/Gert Eggenberger

Die Autoren der diesjährigen Tage der deutschen Literatur

Der durchgehend in Kleinbuchstaben verfasste und mit viel Emotion und Charme vorgetragene Text wird wohl Eingang in eine längere Prosaarbeit finden. Schmalz, der in Wien lebt, aber im steirischen Graz zur Welt kam und im „relativ theaterfernen“ Ennstal aufgewachsen ist, hat als Regieassistent gearbeitet und Theater-, Film- und Medienwissenschaften sowie Philosophie studiert. Er heimste bereits einige Preise und Stipendien ein. „Es war schön, einmal nicht die Theaterkonventionen einhalten zu müssen, wo es auch immer darum geht, einen Handlungs- und Spannungsbogen zu bauen und Figuren zu konstruieren“, erklärte er der APA, warum er dem Ruf nach Klagenfurt heuer endlich gefolgt ist.

Jury voll des Lobes

„Der Text ist tatsächlich makellos“, befand die Kritikerin Sandra Kegel, auf deren Einladung Schmalz am Wettlesen teilnahm. „Wenn die Figuren sprechen, geht mir das Herz auf“, lobte Kollegin Hildegard Keller die Dialoge der Männer. „Ein echter Showman“, fand Jurorin Meike Feßmann und ortete „performative Qualität“ in Text und Vortrag, an dem Schmalz, mit Krawatte und Hut ausgestattet, sichtbar auch selbst Vergnügen hatte. „Herr Schmalz ist eine Figur, und er kann glänzend Figuren erschaffen“, lobte ihre Kollegin Keller.

Tatsächlich heißt der neue Bachmann-Preisträger eigentlich Matthias Schweiger. „Schmalz war aber schon früher mein Spitzname im Freundeskreis“, hat er einmal die Genese seines Zweitnamens erläutert. „Irgendwann, als Texte entstanden sind, in denen es um deftige Metaphern gegangen ist, habe ich mir gedacht: Das wäre eigentlich auch ein guter Künstlername.“

„Jedermann“-Neudichtung in Arbeit

Nicht nur die Sinnlichkeit von Nahrungsmitteln, die auch in seinen Stücken häufig zu finden sind, sondern auch der Tod interessiere ihn als Autor ganz besonders, sagte Schmalz. Da trifft es sich besonders gut, dass er gerade dabei ist, seine vom Burgtheater beauftragte „Jedermann“-Neudichtung abzuschließen. Die Uraufführung ist für Februar 2018 geplant. Sein Burg-Debüt hat Schmalz vor Jahren als Statist gegeben - als Leiche in „König Lear“. Und der Regisseur des „Jedermann“ trägt einen Namen, der wohl künftig in den Ohren von Schmalz einen besonderen Klang haben wird: Stefan Bachmann.

Deutschlandfunk-Preis für John Wray

Schmalz konnte sich im Stechen gegen Wray durchsetzen. Der Austroamerikaner gewann aber mit seinem Text „Madrigal“ den mit 12.500 Euro dotierten Deutschlandfunk-Preis. Es handelt sich um seinen ersten literarischen Text auf Deutsch. Er spielt im US-Ort Little Rock, Arkansas, und beginnt mit einem Telefonat zwischen zwei Geschwistern: dem Schriftsteller Teddy und seiner „als Kaltanruferin für ein Inkassounternehmen“ arbeitenden Schwester Maddy, deren eigene Arbeit als Autorin nicht vorankommen will.

Juryvorsitzender Hubert Winkels über den 41. Bachmann-Wettbewerb #bachmannpreis

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Zwischendurch dialogisch, verändert der Text immer wieder Stimme und Perspektive und spiegelt auch ein Projekt Maddys für einen Roman, „den sie schreiben würde, wenn sie noch schreiben könnte“. „Beschreibung und Bericht, Traum und Alptraum, Zitat und Dialog - der Autor als Spieler“, urteilte Juror Stefan Gmünder.

Auch Nickel, Molinari und Peschka prämiert

Den KELAG-Preis trägt Eckhart Nickel nach Hause. Sechs von sieben Juroren stimmen für seinen Text über eine Giftküche am Biomarkt „Hysteria“. Ihm wurde von Keller auch das Lob für den „besten ersten Satz“ zuteil. Der 3sat-Preis geht an Gianna Molinari. Ihr Text über einen Flüchtling, der tot vom Himmel fällt, und einen Mann, der alle Informationen darüber sammelt, spaltete allerdings die Jury.

Das Publikum sprach sich für Karin Peschka aus. Sie las auf Einladung von Gmünder den Text „Wiener Kindl“, einen Text über ein Kind, das in einem ausgebombten Haus überlebt und von einem Rudel Hunde adoptiert wird. Die „Wolfskindgeschichte“ sorgte nicht nur beim Publikum, sondern auch bei der Jury für Wohlwollen. Peschka folgt nun Stefanie Sargnagel als Klagenfurter Stadtschreiberin.

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