Gebäude und Umgebung geräumt
In Brüssel haben Sicherheitskräfte Dienstagabend einen Bombenanschlag im Hauptbahnhof vereitelt. Kurz nach einer kleineren Explosion schossen Soldaten dort einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter nieder, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Nachdem ein Bombenräumkommando die Umgebung gesichert hatte, wurde der Tod des Mannes festgestellt.
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Augenzeugen berichteten später von einem Knall. Viele Menschen seien daraufhin in Restaurants und andere Gebäude geflüchtet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe es „an oder bei dem Mann“ eine „kleinere Explosion“ gegeben. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Eric van der Sijpt, im Rahmen einer eilends einberufenen Pressekonferenz sagte, habe es mit Ausnahme des Verdächtigen keine weiteren Opfer gegeben.
Attentäter identifiziert
Nachdem lange unklar war, ob der angeschossene Mann noch lebe oder nicht, wurde sein Tod in der Nacht bestätigt. In der Früh teilte Belgiens Innenminister Jan Jambon schließlich mit, dass der Mann identifiziert sei. Es sei aber noch zu früh, den Namen des Täters bekanntzugeben, so Jambon. Das berichtete die belgische Zeitung „Le Soir“ (Onlineausgabe) unter Berufung auf den Radiosender Bel RTL. „Wir müssen nun auch schauen, wie sich der Mann radikalisieren konnte“, sagte Jambon.
Zeitung: Täter 37-Jähriger aus Molenbeek
Laut der belgischen Zeitung „De Tijd“ soll es sich bei dem Täter um einen 37-jährigen Mann aus der Brüsseler Gemeinde Molenbeek handeln. Aus Molenbeek kamen auch die Attentäter der Anschläge vom März 2016. Laut dem flämischen TV-Sender VRT soll der Mann eine mit Nägeln versehene Bombe bei sich gehabt haben, um durch die Explosion möglichst viele Menschen zu verletzen. Einem Angestellten der Bahn zufolge soll sich der Mann in Bezug auf den Dschihad geäußert und im Augenblick der Explosion „Allahu akbar“ (Gott ist unvergleichlich groß) gerufen haben, so „Le Soir“.
Sicherheitsmaßnahmen bleiben aufrecht
Innenminister Jambon kündigte auf Twitter an, dass die bestehenden Sicherheitsmaßnahme aufrecht bleiben. Den Namen des Attentäters wollte er nicht nennen, laut der Boulevardzeitung „La Derniere Heure“ soll er mit Vornamen Oussama heißen. „Te Tijd“ schrieb, der 37-Jährige sei wegen Sexualstraftaten gerichtsbekannt.

AP/Geert Vanden Wijngaert
Einsatzfahrzeuge der Polizei vor dem Hauptbahnhof in Brüssel
Der Mann sei bisher nicht in Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten aufgefallen, allerdings sei er wegen Drogenvergehen polizeibekannt, schrieb ein Journalist der Zeitung „La Libre“ auf Twitter. Eine Verbindung des Attentäters mit der Brüssler Gemeinde Molenbeek könne er nicht bestätigen, schrieb der Innenminister auf Twitter. „Doch wir kennen die Situation dort seit Jahren“, so Jambon, daher werde das auch nicht in zehn Monaten gelöst werden.

Grafik: OSM/APA/ORF.at
Zugsverkehr unterbrochen
Der Bahnhof wurde unmittelbar nach dem Anschlagsversuch gesperrt. Auch umliegende Gebäude wurden geräumt. Brüssels nahe gelegene Hauptsehenswürdigkeit, der Grand-Place mit dem historischen Rathaus, war entgegen ersten Berichten nicht von den Evakuierungsmaßnahmen betroffen. Die Bahngesellschaft SNCB teilte via Twitter mit, dass der Zugsverkehr auf Anweisung der Polizei unterbrochen worden sei. Neben dem Bahnhof Brüssel Central seien mit Brüssel Nord und Süd die zwei weiteren großen Bahnhöfe der belgischen Hauptstadt betroffen.

AP/Geert Vanden Wijngaert
Polizisten fordern eine Gruppe von Journalisten auf, die Gegend zu verlassen
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen
In Brüssel patrouillieren an zahlreichen Orten Soldaten, nachdem die Spur der Attentäter von Paris, die im November 2015 130 Menschen getötet hatten, in die belgische Hauptstadt geführt hatte. Im März 2016 verübten islamische Extremisten, die Verbindungen zu der Pariser Gruppe hatten, zwei Bombenanschläge in Brüssel. Dabei starben Dutzende Menschen. Am Donnerstag und Freitag findet in Brüssel der EU-Gipfel statt.
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