Anti-IS-Koalition bombardiert Konvoi syrischer Soldaten
Die Luftwaffe der von den USA angeführten internationalen Militärallianz hat gestern in Syrien einen Konvoi regierungstreuer Kräfte bombardiert. Die Spitze des Konvois sei getroffen worden, sagte ein Vertreter des US-Militärs in Washington.
Der Angriff habe sich nahe der Grenze zu Jordanien ereignet. Es sei „nicht sicher“, welche Kräfte sich in dem Konvoi befanden, aber es sei eindeutig gewesen, dass diese mit der syrischen Regierung zusammenarbeiteten. Das bedeute allerdings keinen Strategiewechsel in Syrien: Weiterhin sei das Ziel der internationalen Militärallianz die Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).
Das betonte auch US-Verteidigungsminister Jim Mattis: „Wir weiten unsere Rolle im syrischen Bürgerkrieg nicht aus, aber wir werden unsere Soldaten verteidigen“, sagte er in Washington. Die US-Armee werde sich gegen „aggressive Schritte“ verteidigen. Nach Angaben eines weiteren US-Vertreters, der anonym bleiben wollte, handelte es sich bei dem getroffenen Konvoi „wahrscheinlich“ um schiitische Milizen.
Scharfe Kritik von Syrien und Russland
Syrien kritisierte den Angriff scharf. Die „Aggression“ zeige, wie falsch die Behauptungen der „sogenannten internationalen Koalition“ seien, sie bekämpfe den Terrorismus, zitierte die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA eine nicht näher genannte Quelle aus dem Militär.
Der Angriff auf den Militärstützpunkt bestätige, dass es in der Region einen „zionistisch-amerikanischen Plan“ gebe. Mit Zionisten ist in der syrischen Propaganda Israel gemeint.
Das Bombardement sei „inakzeptabel“ und eine Verletzung der syrischen Souveränität, sagte der russische Vizeaußenminister Gennadi Gatilow laut Agenturberichten. Gatilow beklagte, dass Zivilisten zu Schaden gekommen seien.
Nur minimaler Fortschritt bei Gesprächen in Genf
Bei den Syrien-Friedensgesprächen in Genf zeichneten sich unterdessen nur minimale Fortschritte ab. Nach tagelangem Stillstand hätten die Unterhändler von Regierung und Opposition zugestimmt, ein Expertengremium zur Beratung von Verfassungsfragen einzusetzen, teilte das Büro des UNO-Sondergesandten Staffan de Mistura gestern Abend in Genf mit. Das Gremium solle „Rechts- und Verfassungsfragen mit Relevanz für die innersyrischen Gespräche“ diskutieren.
Acht kleinere Rebellengruppen erklärten allerdings ihren Rückzug aus dem Verhandlungskomitee, in dem zahlreiche Gruppierungen vertreten sind. Sie begründeten das mit ihrer Unzufriedenheit über die Entscheidungsprozesse in dem Komitee.