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Dieselbedarf macht Speiseöl begehrt

Schnitzel, Pommes frites, Chicken Nuggets - bei der Zubereitung vieler beliebter Gerichte ist Speisefett unabdingbar. Danach ist es für den Hausgebrauch nutzlos, ein Abfallprodukt, das möglichst fachgerecht entsorgt werden sollte. Doch was für die einen Ausschuss ist, bedeutet für andere bares Geld. Der Markt für Altspeiseöle in den USA erlebt mit steigendem Bedarf an Biodiesel eine Blütezeit - sowie die damit verbundene Kriminalität.

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Restaurants und Gemeinden, sowohl in den USA als auch in Europa, müssen Altöle umweltgerecht entsorgen. Die häufigste Lösung sind Verträge mit lizenzierten Entsorgungsfirmen, die das Fett an Raffinerien zur Weiterverarbeitung verkaufen. Das Altfett wartet meist in verschlossenen Containern oder Tonnen auf die Abholung.

Beträchtliche Gewinneinbußen

Immer öfter jedoch, so berichtet der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg, finden die Entsorger nur noch einen leeren Behälter vor. Diebe machen sich über das Öl her und saugen es unbemerkt ab. So zitiert Bloomberg etwa Sumit Majumdar, Chef von Buffalo Biodiesel, einem großen US-Entsorgungsunternehmen. In New York, Ohio und Pennsylvania hätten die Diebstähle zuletzt rasant zugenommen, so Majumdar. „Es gibt einen wirklichen Markt für gestohlenes Öl. Es funktioniert fast wie ein Leihhaus oder das Geschäft mit Altmetall.“

In den vergangenen sechs Monaten habe er rund 1.000 Schlösser auf den Kundenbehältern auswechseln müssen, sie alle waren aufgebrochen. Inzwischen habe er einen Privatdetektiv engagiert und eine Belohnung von 5.000 US-Dollar (rund 4.570 Euro) ausgelobt. Denn er verliere durch die Diebstähle mittels illegaler Absaugungen rund 20 Prozent seines Gewinns.

„Wie der Wilde Westen“

Der Unternehmer ist in den USA kein Einzelfall. 2015 wurde etwa in Plymouth, Minnesota, nach Überwachung diverser Lokale gewerbsmäßiger Diebstahl aufgedeckt. In Tennessee gab es laut Angaben mehr als 40 Diebstähle in jüngster Zeit. Einige Entsorgungsunternehmen sprechen gar von organisiertem Verbrechen und Straßengangs, die das Geschäft mit dem Fett entdeckt haben sollen.

„Dieses Fettgeschäft ist der Wilde Westen“, so Mike Kostelac, Chef von Ace Grease Service, das Speisefett in zwölf US-Bundesstaaten sammelt. Laut seiner Aussage verliert sein Unternehmen dadurch 40 Millionen US-Dollar im Jahr, zusätzlich zu den Kosten für zerstörte Ölcontainer. Seine Firma hat sich nun die Jagd nach den Dieben auf die Fahnen geheftet und zeigt etwa auch auf ihrer Homepage ein Video eines Öldiebstahls.

Bedarf an Biokraftstoffen stieg

Altes Speisefett wird seit Jahrzehnten wiederverwertet und findet Nutzen in der Verarbeitung vieler Produkte, vom Make-up bis zum Tierfutter. Zumeist wird aus verwendetem Öl aber Biodiesel hergestellt. Mit dessen steigendem Bedarf wächst auch der Fettschwarzmarkt in den USA.

Laut Monatsbericht der US-Energieagentur (EIA) belief sich die Biodieselproduktion im Februar 2017 auf 94 Millionen Gallonen (rund 356 Mio. Liter). 2015 waren es noch 73 Millionen. Dementsprechend hat sich auch der Preis für Altspeiseöl, eine der Hauptkomponenten, in den USA entwickelt: Seit dem Jahr 2000 stieg er um mehr als das Doppelte.

Wirtschaftsfaktor Diesel

Auch in Österreich floriert das Geschäft mit dem Altspeisefett - hier allerdings auf rein legalem Weg. Im Jahr 2015 waren laut Biokraftstoffbericht des Umweltministeriums neun Betriebe als Biodieselproduzenten registriert. Der Dieselverbrauch stieg innerhalb eines Jahres um 2,1 Prozent und laut Kraftstoffverordnung besteht die Verpflichtung, einen Anteil der Dieselkraftstoffe durch Biokraftstoffe zu ersetzen. Im Jahr 2015 wurden laut Biokraftstoffbericht des Umweltministeriums etwa 606.000 Tonnen Biodiesel in den Verkehr gebracht. Diese wurden zu etwa einem Drittel aus Altspeiseöl produziert.

Das Öl der Privathaushalte wird dazu ebenso verwendet wie jenes der Gemeinden und der Gastronomie. Allein in Wien werden jährlich etwa mehr als 320.000 Kilogramm an Altspeiseölen privat abgegeben. Alte Fette aus der Gastronomie werden auch in Österreich von spezialisierten Firmen eingesammelt.

Altfettstraftaten standortabhängig

Daraus produziert die Münzer Bioindustrie eigenen Angaben zufolge jährlich rund 200.000 Tonnen Biodiesel. Auch Bernd Jurenichs nach ihm benannte Entsorgungsfirma sammelt Altfett ein, von bis zu 300 Lokalen in Österreich. Nach sechs Jahren im Geschäft könne er in Österreich keinen signifikanten Anstieg des Fettgeschäfts feststellen. Dafür gebe es zu viel Konkurrenz.

Diebstähle von Altfett scheinen jedoch ein auf die USA begrenztes Phänomen zu sein, Kriminalfälle kennt der hiesige Markt kaum. Vorfälle wie jener eines Oberösterreichers, der 2010 mehrmals Altspeisefett entwendet und so rund 60.000 Euro eingestrichen haben soll, sind Einzelfälle. Dem Bundeskriminalamt ist auf Nachfrage kein einziger solcher Diebstahl bekannt. „Natürlich wird einmal etwas weggenommen“, so Jurenich, „aber nichts Gravierendes.“

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