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Neue Nummer zwei in Europa hinter VW

Mit der Übernahme von Opel durch den französischen Konzern PSA Peugeot Citroen entsteht ein neuer europäischer Riese auf dem Fahrzeugmarkt. Die Wette auf die bisher defizitäre deutsche Marke ist nicht ohne Risiko.

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Opel gehörte seit fast 90 Jahren dem US-Automobilkonzern General Motors (GM), in den letzten beiden Jahrzehnten schrieb der Konzern mit Sitz im deutschen Rüsselsheim Milliardenverluste. Trotzdem blättert Peugeot dafür 1,3 Mrd. Euro hin. Die Pläne sind ambitioniert, die Gründe hinter der Kaufentscheidung vielfältig.

Bloomberg verwies am Montag in einer Analyse zu dem Deal auf den europäischen Marktanteil von 16 Prozent, den der neue Autoriese künftig haben wird. PSA Peugeot Citroen überholt damit den französischen Konkurrenten Renault und wird in Europa die Nummer zwei hinter Volkswagen (VW). Eine deutlich größere Modellpalette bringe den Franzosen Synergieeffekte, nicht nur in der Entwicklung, auch in der Produktion. Die Fusion werde „den europäischen Automarkt verändern“, hieß es bei Bloomberg.

Konzernchef Tavares „glaubt an deutsche Marke“

Die deutsche „Welt“ schrieb Ende Februar, Peugeot-Vorstandschef Carlos Tavares „glaubt an die deutsche Marke“, er sei sogar in jungen Jahren selber Opel gefahren. Es zählten aber nicht nur „sentimentale Gründe“. PSA hätte gerne eine deutsche Marke im Portfolio - wegen des Rufs, der deutschen Autos immer noch vorauseilt.

"In einigen Märkten schätzen Kunden französische Automarken nicht so sehr, dafür aber deutsche“, zitierte ihn die „Welt“. „Wir wollen, dass Opel eine deutsche Marke bleibt, ein deutsches Unternehmen mit deutschen Ingenieuren und mit einem deutschen Führungsteam.“

Im selben Segment unterwegs

Er wolle Opel folglich auch „an der langen Leine lassen“. Ob das tatsächlich so bleiben wird, wird sich weisen. Offen ist auch, ob es zu gröberen Personaleinsparungen kommen wird. Bloomberg nannte ein solches Szenario wahrscheinlich, da der neue Konzern ähnliche Modelltypen an teuren Standorten in Deutschland, Frankreich und Großbritannien produzieren werde.

Ein Negativszenario, das immer wieder gezeichnet wird, ist, dass sich PSA und Opel gegenseitig „kannibalisieren“ könnten, denn beide Konzerne sind vor allem im Bereich der Mittelklassewagen unterwegs. Experten hätten Zweifel, ob für PSA mittelfristig die fast 20 europäischen Werke rentabel sind, die der Konzern zusammen mit Opel und Vauxhall haben wird.

GM-Autobank im Gesamtpaket enthalten

Peugeot zahlt für Opel und das britische Schwesterunternehmen Vauxhall Motors 1,3 Mrd. Euro, dazu kommen 900 Mio. Euro, die GM mit Hauptsitz in Detroit im US-Bundesstaat Michigan für das Europageschäft seiner Autobank GM Financial Company bekommt. Hier steigt Peugeot gemeinsam mit der französischen Bank BNP Paribas ein. Damit ergibt sich eine Gesamttransaktionssumme von 2,2 Mrd. Euro.

Von der Nähmaschine zur Finanzkrise

Opel war 88 Jahre lang im (Mehrheits-)Besitz von GM. Das deutsche Unternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet. Gründer Adam Opel produzierte erst Nähmaschinen, dann Fahrräder, der Einstieg in die Automobilherstellung erfolgte 1898 nach Opels Tod durch seine Witwe Sophie und ihre Söhne. In den folgenden 30 Jahren stieg Opel zum größten Fahrzeughersteller auf. GM stieg 1929 zunächst mit 80 Prozent bei Opel ein, 1931 gehörte das deutsche Unternehmen dann zur Gänze GM.

Heute produziert Opel in elf Werken in sieben europäischen Ländern, der Mitarbeiterstand beläuft sich auf 37.000, davon 20.000 in Deutschland. Nach der Finanzkrise 2008, bei der auch die Mutter GM in Schwierigkeiten geraten war, musste Opel massiv sparen, in Deutschland wurden Tausende Stellen gestrichen. Die Europasparte von GM machte seit dem Jahr 2000 Verluste in einer Höhe von etwa 15 Mrd. Dollar (etwa 14 Mrd. Euro).

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