Bewegung kann Patienten helfen
Jedes Jahr sterben weltweit 8,8 Millionen Menschen an Krebs. Um die Überlebenschancen zu verbessern, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Weltkrebstag (4. Februar) neue Richtlinien herausgegeben. Die Internationale Vereinigung gegen Krebs (UICC) betont die „Macht der Bewegung“ und zeigt auf, dass etwa ein Drittel aller Krebsarten durch Änderungen des Lebensstils vermeidbar wären.
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In Österreich erkranken jährlich etwa 39.000 Menschen an Krebs, Männer etwas häufiger als Frauen. Für beide Geschlechter sind bösartige Tumore nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Ende 2014 lebten laut Statistik Austria 330.492 Menschen mit Krebsdiagnose in Österreich. Etwas mehr als die Hälfte aller neuen Fälle entfielen auf Darm-, Lungen-, Brust- oder Prostatakrebs.

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/Statistik Austria
Laut Sanchia Aranda, Präsident der UICC, ist regelmäßige körperliche Betätigung „eine der einfachsten und unterhaltsamsten Methoden, wie Menschen ihr Krebsrisiko reduzieren können“. Daneben gäbe es auch zunehmend Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität Krebspatienten beträchtlich helfe. Das betrifft, so die UICC, nicht nur Nebeneffekte der Behandlung wie Müdigkeit, Depression und Herzschäden, sondern auch das Risiko einer Verschlimmerung oder eines erneuten Auftretens.
WHO drängt auf bessere Information
Die WHO empfiehlt in ihren neuen Richtlinien drei Dinge: Behörden sollen über die Symptome verschiedener Krebsarten besser informieren. Ärzte und Krankenpflegekräfte sollen besser geschult werden, um akkurate Diagnosen sicherzustellen. Patienten sollen in aller Welt zügig die richtige Therapie bekommen, ohne sich in den finanziellen Ruin stürzen zu müssen.
„Wenn Krebs erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird und die Patienten nicht die richtige Behandlung finden, müssen sie unnötig leiden und sterben oft früher als nötig“, sagte Etienne Krug, WHO-Direktor der Abteilung für nicht übertragbare Erkrankungen, in Genf. Die neuen Maßnahmen sollten vor allem bei Brust-, Gebärmutter- und Darmkrebs frühere Diagnosen ermöglichen.
Frühdiagnosen senken Kosten
Frühdiagnosen machten auch finanziell Sinn, so die WHO: Die Behandlung sei dann deutlich billiger, viele Menschen könnten weiter arbeiten. Im Jahr 2010 hätten Krebserkrankungen weltweit Kosten von umgerechnet rund einer Billion Euro verursacht, durch Behandlungskosten und Produktivitätsausfälle.
Vergleicht man die Aufwendungen für die Krebsmedizin in den einzelnen europäischen Ländern mit den Überlebensraten der Patienten, gibt das einen Hinweis dafür, dass sich das auch sprichwörtlich auszahlt. Einen ursächlichen Beweis stellen solche Korrelationen nicht dar.
„Österreich gibt im Jahr pro Person rund 200 Euro für Krebs aus, Polen nur 50 Euro“, sagte Christoph Zielinski, Koordinator des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH. In Österreich lag 2013 laut dem OECD-Bericht „Health at a Glance 2016“ die Krebsmortalität bei etwa 240 Todesfällen pro 100.000 Einwohner, in Polen waren es rund 300 Todesfälle pro 100.000 Einwohner.
Zielinski betonte, dass Österreichs Politiker allen Grund hätten, weiterhin die effektivsten Mittel zur Diagnose und Therapie von Krebspatienten zu gewährleisten: „In Österreich leben rund 330.000 Menschen mit der Diagnose Krebs. Jeder Krebspatient hat einen Partner, das sind dann 660.000 Menschen. Und mit einem Kind sind es eine Million Personen. Eine Million Menschen können eine Wahl entscheiden.“ Man dürfe den „Ärmsten der Armen“, die zuvor ein Leben lang Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hätten, nicht die solidarische Hilfe versagen.
225 neue Medikamente kommen auf den Markt
Der Generalsekretär der Pharmig, Jan Oliver Huber, unterstrich den Einsatz der pharmazeutischen Industrie auf dem Gebiet der Onkologie. „In den Jahren 2016 bis 2020 werden voraussichtlich 225 neue Medikamente zugelassen werden. 2014 allein waren es acht neue Substanzen, 2015 dann 15. In Österreich entfallen 40 Prozent der klinischen Prüfungen neuer Medikamente auf die Onkologie.“

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/Statistik Austria
Bei der Entwicklung der Neuerkrankungen und den Innovationen in der Krebstherapie ist es klar, dass auch die Ausgaben für onkologische Arzneimittel in den vergangenen Jahren in Österreich gestiegen sind: 2005 betrugen sie 221 Millionen Euro, 2010 dann 411 Millionen Euro und 2014 schließlich 510 Millionen Euro. Die Kostenentwicklung insgesamt bei den Arzneimitteln (Krankenkassen) sei aber fast stabil.
Mit allen Rabatten der Pharmaindustrie komme man derzeit auf eine jährliche Ausgabensteigerung von zwei Prozent, sagte Huber. Dem gegenüber stünden drei Prozent mehr Einnahmen aus den Krankenversicherungsbeiträgen.
14 Mio. erkranken weltweit jährlich an Krebs
Mindestens 14 Millionen Menschen erkrankten weltweit jedes Jahr an Krebs. Bis 2030 steige die Zahl auf 21 Millionen, berichtete die WHO. Die Krankheit sei die Ursache bei jedem sechsten Tod auf der Welt. Zwei Drittel der Betroffenen lebten heute in Ländern mit geringen oder mittleren Einkommen. In weniger als einem Drittel der Länder könnten Patienten einfach einen Arzt aufsuchen und Behandlung bekommen.

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Risiko sinkt, dennoch mehr Neuerkrankungen
In Österreich stieg die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in den vergangenen 20 Jahren von 34.000 auf 39.000, obwohl zugleich das Erkrankungsrisiko deutlich gesunken ist. Diese Entwicklung sei unter anderem eine Folge der demografischen Alterung sowie der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung. Im höheren Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, zu. Durch verstärktes Screening und bessere Diagnosemethoden wird Krebs zudem öfter und früher erkannt.
Bei rund 20.500 Personen führte im Jahr 2014 Krebs zum Tod. Das relative Fünfjahresüberleben ist aber seit 1994 von 48 auf 61 Prozent gestiegen. „Das heißt, der Überlebensnachteil von Personen mit einer Krebserkrankung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung verringerte sich von 52 Prozent auf 39 Prozent“, berichtete Statistik Austria.

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Das relative Fünfjahresüberleben für alle Malignome lag bei Frauen bei 63 und bei Männern bei 59 Prozent. 20 Jahre zuvor rangierte es bei 53 Prozent bei Frauen und bei 43 Prozent bei Männern. Der stärkere Zugewinn der Männer wird auf den Rückgang der Häufigkeit von Lungenkrebs bei Männern und auf die frühere Diagnose von Prostatakrebs durch Screenings zurückgeführt.
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