Drei Todesopfer geborgen
In dem von einer Lawine erfassten Hotel im italienischen Gran-Sasso-Massiv in der Region Abruzzen schwindet Medienberichten zufolge die Hoffnung auf Überlebende. Medienberichten zufolge hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks rund 30 Personen in dem abgelegenen Hotel Rigopiano auf, als dieses offenbar bereits am Vortag von einer „riesigen Lawine“ verschüttet wurde.
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Die Rettungskräfte wurden den Angaben zufolge von einem der bisher zwei einzigen Überlebenden informiert. Erst in der Nacht auf Donnerstag erreichten erste Hilfsmannschaften den Unglücksort per Ski, stießen dort jedoch den Medienberichten zufolge aber bis jetzt auf keine Lebenszeichen. „Wir rufen, aber niemand antwortet“, sagten Helfer, denen zufolge es sich um eine „immense“ Lawine gehandelt habe. Diese habe nicht nur das Hotel, sondern auch einen großräumigen Bereich rund um das Resort verschüttet, was die Bergungsaktion erheblich erschwerte.

APA/AP/Italian Finance Police
Erste Bilder aus dem Inneren des Hotels
Medienberichten zufolge wurden bisher drei Todesopfer geborgen. Die Einsatzkräfte suchen mit Spezialhunden, Geophonen - mit denen Bodenschwingungen erfasst werden können - und Kameras nach den Vermissten. Die Staatsanwaltschaft von Pescara leitete unterdessen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein.
Gäste konnten wegen Schnees nicht abreisen
Der Großteil der Hotelgäste hielt sich offenbar während des Lawinenabgangs in der Hotellobby auf. Laut einem Freund eines Überlebenden wollten sie das Hotel verlassen. Ein an sich am Nachmittag erwarteter Schneepflug, der die Straße für die Abfahrt frei machen sollte, sei bis zum Abend erwartet worden. „Alle Gäste des Hotels hatten schon bezahlt und wollten abfahren, sobald Schneeräumfahrzeuge die Straße befreit hätten“, sagte der Freund laut ANSA. Das in den 1970er Jahren auf einer Höhe von 1.200 Metern im Gemeindegebiet von Farindola erbaute Viersternhotel war kürzlich renoviert worden. Es wurde häufig für Kongresse und Seminare genutzt.

APA/AP/Italian Firefighters
Rettungskräfte bahnen sich mühsam einen Weg zum Unglücksort
„Viele Tote“
Der Chef der italienischen Bergrettung (CNSAS) in der Region Abruzzen, Antonio Crocetta, äußerte bereits Donnerstagfrüh die Befürchtung, dass „viele Tote“ zu befürchten seien. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen vermisst oder tot sind“, sagte der Präsident der Provinz Pescara, Antonio di Marco. Klar sei jedoch, dass das Hotel direkt von der Lawine getroffen worden sei. Die Wucht der Schneemassen sei so heftig gewesen, dass Teile des Gebäudes mehrere Meter weit mitgerissen wurden.
Zufahrtswege blockiert
Die Zufahrtswege zum Hotel seien angesichts von bis zu zwei Meter Neuschnee blockiert, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA weiter. Die Rettungsmannschaften konnten sich laut den Angaben auf den letzten neun Kilometern nur mit Skiern dem Unglücksort nähern. Erst im Laufe des Vormittag seien Helikopter zum Einsatz gekommen.
Videoaufnahmen, darunter auch von der Polizei via Twitter publizierte Luftaufnahmen, zeigen das Ausmaß der Zerstörung. Die beiden Geretteten - einer wurde schwer verletzt ins Spital geflogen - überlebten offenbar nur durch Zufall. „Ich habe überlebt, weil ich etwas aus dem Auto holen wollte“, wurde der zweite Überlebende von ANSA zitiert. Er selbst sei auch verschüttet worden, habe sich aber aus eigenen Kräften befreien können. Seine Frau und zwei Kinder im Alter von acht und sechs Jahren seien noch in dem Hotel.
Hunderte Beben registriert
Nach bisherigen Einschätzungen wurde die Lawine durch einen der Erdstöße ausgelöst, die zuletzt Mittelitalien erschütterten. Neben vier Beben von einer Stärke von über fünf auf der Richterskala wurden laut „Repubblica“ seit Mittwoch rund 500 weitere, leichtere Beben registriert. Die Epizentren lagen in der Nähe der Ortschaft Amatrice, das bei einem schweren Beben im August fast völlig zerstört worden war.
In der Region kam es in den vergangenen Tagen zudem zu ungewohnt heftigen Schneefällen. Das italienische Heer und der Zivilschutz stehen seit Tagen im Dauereinsatz. Die von den Schneefällen betroffenen Gemeinden forderten Räumfahrzeuge an, um die Straßen wieder befahrbar zu machen. Die Lage blieb auch am Donnerstag angespannt. Gemeldet wurden weitere Lawinenabgänge. Betroffen war auch eine Straße, die zum verschütteten Hotel Rigopiano führt.

APA/AP/ANSA/Matteo Guidelli
Neuschnee erschwert die Bergungsarbeiten
Zehntausende in Übergangsunterkünften
Die Gegend war vor fünf Monaten von einer schweren Erdbebenserie heimgesucht worden, bei der im August 299 Menschen starben. Ganze Orte waren zerstört worden. Zehntausende Menschen wurden bei den Beben obdachlos und wohnen seither in Übergangsunterkünften. Von einem wirklichen Wiederaufbau kann immer noch kaum die Rede sein. Viele Überlebende beschweren sich, dass der Staat sie vergessen habe.
Symbolträchtig ist, dass am Mittwoch auch das Mahnmal der Erdbebenkatastrophe vom Sommer - der Kirchturm von Amatrice - den neuen Erdstößen nicht mehr standhielt. Der Turm, dessen Uhr um 3.36 Uhr - Zeitpunkt des verheerenden Bebens am 24. August - stehen geblieben war, stürzte am Mittwoch endgültig ein.
Tektonische Spannungen
Italien wird immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Der „Adriatische Sporn“ - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich dort an der Eurasischen Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet. Die enormen Energien können sich immer wieder in Beben entladen.
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