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Lob von Gauck abwärts

Wenn die Hamburger Elbphilharmonie Mittwochabend unter der Last der Verantwortung, nun endlich eröffnet zu werden, zusammengebrochen wäre - Deutschland hätte mit einem Schlag den Großteil seiner Polit-, Wirtschafts- und Kulturprominenz verloren.

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Von Bundespräsident Joachim Gauck abwärts hatte sich alles, was Rang und Namen hat, an der Elbe für den großen Moment versammelt. Gauck erklärte beim offiziellen Festakt, der dem Eröffnungskonzert vorgeschaltet war, die Elbphilharmonie zum „Juwel der Kulturnation Deutschland“. Dabei ließ er auch die gestiegenen Kosten für das neue Hamburger Wahrzeichen nicht unerwähnt, die sich schließlich auf 789 Mio. Euro für die Bürgerschaft beliefen. Dividiert man diese Summe durch die Einwohnerzahl von Hamburg, kommt man pro Bürger auf die stolze Summe von 441 Euro.

Nun müsse man mit einem entsprechenden Programm eine Vielfalt an Menschen ins Haus bringen, die bis dato noch kein Konzert besuchten: „Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit, weil neue Konzertsäle die Steuerzahler viel Geld kosten, wie hier in Hamburg jeder weiß.“

Elphilharmonie eröffnet

Die Elphilharmonie ist mit einer gigantischen Gala und internationalen Stars eröffnet worden. Die 110 Meter hohe Philharmonie soll Musik- und Architekturfans aus aller Welt nach Hamburg locken.

Merkel: „Werden alle sehr stolz sein“

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete gegenüber dem NDR das neue Haus als fantastischen Konzertsaal: „Eines Tages werden wir alle sehr stolz sein, dass auch zu unseren Zeiten mal etwas gebaut wurde, wo Menschen vielleicht in 50 und 100 Jahren noch sagen: Guck mal, das war damals im Jahr 2017 am 11. Januar.“

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der Hamburger Bürgermeister Mayor Olaf Scholz und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel

APA/AFP/Tobias Schwarz

Bundespräsident Joachim Gauck, Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Kanzlerin Angela Merkel (v. l. n. r.)

Diesen Moment wollten sich neben praktisch der gesamten deutschen Bundesregierung, einem Gutteil der DAX-Chefs und einer Kohorte an Fernseh- und Filmprominenz auch zahlreiche Kulturtreibende aus Österreich und Italien nicht entgehen lassen. So reichte das Publikumsspektrum vom neuen Salzburger Festspielchef Markus Hinterhäuser über den Wiener Konzerthaus-Intendanten Matthias Naske bis zu Scala-Direktor Alexander Pereira.

Akustische Meisterleistung

Was die Musikexperten erlebten, war eine akustische Meisterleistung. Der erste Klang, der offiziell in der Elbphilharmonie anhob, war denkbar reduziert: Benjamin Brittens Soloklarinettenstück „Pan“ aus „Sechs Metamorphosen nach Ovid“ markierte den Auftakt einer musikalischen Reise des Residenzorchesters, des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters, unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock.

Blick in den Konzertsaal der Elbphilharmonie in Hamburg

Reuters/Christian Charisius

Musik und Akustik überzeugten: Am Ende gab es stehende Ovationen

Dieser hatte das Programm klug auf die Stärken des Klangkörpers abgestimmt, die vornehmlich im Zeitgenössischen liegen. Nach der krankheitsbedingten Absage von Jonas Kaufmann und Anja Harteros hielt neben Bryn Terfel vor allem Countertenor Philippe Jaroussky die Fahne der Stars hoch und stellte mit einigen Renaissance-Arien die akustischen Möglichkeiten des Ausnahmebaus unter Beweis, der auch Solisten, die in den oberen Rängen singen, raumfüllend verteilt.

Test bestanden

Die Leistung des renommierten japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota ist phänomenal. Der Saal, der zur Schallentkopplung auf Federn ruht, besticht durch eine Akustik, die einen gleichmäßigen Mischklang bietet und dabei frappanterweise zugleich ein sehr durchsichtiges Klanggewebe, das die einzelnen Instrumentengruppen klar unterscheidbar macht - und damit wenig Fehler verzeiht.

Mit dem Eröffnungskonzert hat die Elbphilharmonie endgültig ihren Lackmustest bestanden - in einem für Konzerthäuser letztlich entscheidenden Bereich. Der Grund, weshalb man sich etwa in München für den Neubau eines Konzerthauses entschieden hat, ist nicht zuletzt, dass der Gasteig mit seiner Akustik nie überzeugen konnte.

45 Eigentumswohnungen im Gebäude

Mit dem Mittwochabend kam ein Kulturprojekt zu einem glanzvollen Abschluss und zugleich Start, das die Hamburger nun beinahe zehn Jahre beschäftigt hatte. Der Grundstein für die Elbphilharmonie auf einem alten Kaispeicher aus den 1960ern wurde bereits am 2. April 2007 gelegt. Eigentlich sollte das gläserne Konzerthaus der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron bereits 2010 öffnen, verzögerte sich aber stetig. Das Gebäude umfasst neben dem großen Konzertsaal mit 2.100 Plätzen noch einen kleinen Konzertsaal mit 550 und ein Kaistudio mit 170 Plätzen, ein Hotel mit 244 Zimmern und 45 Eigentumswohnungen.

Die Kosten stiegen für die Steuerzahler von ursprünglich angedachten 77 auf 789 Millionen Euro. Zugleich nehmen die Hamburger ihren neuen Prestigebau an, hat doch seit der Eröffnung am 5. November bereits eine halbe Million Menschen die öffentliche Plaza in 37 Meter Höhe besucht. Mit Spontanbesuchen eines Konzerts wird es in nächster Zeit allerdings schwer - ist doch die bis Juli laufende Konzertsaison praktisch ausgebucht. Im Saal selbst endete der Eröffnungsabend jedenfalls mit stehenden Ovationen des Publikums.

Spott und Häme

Doch die Kritik bzw. Häme angesichts der hohen Kosten verstummt auch nach der spektakulären Eröffnung nicht, wie ein Blick in Soziale Netzwerke zeigt. Die einen bauen das Gebäude aus Schnee nach - kostet ja nichts. Andere widerum haben eine Initative gegründet und plakatieren derzeit in Hamburg Sprüche wie: „Zwei Konzertsäle für 789 Mio. Euro. #Yolo“. „Yolo“ steht für „You only live once“. Und die vielleicht wichtigste Frage für einen Großteil der Hamburger wurde auch bereits aufgeworfen: „Mal was Wichtiges zwischendurch: Weiß jemand, ob man im Sommer auf dem Dach der Elbphilharmonie grillen darf?“

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