Wegen „Massakers in Aleppo“
Hunderte Menschen haben in der türkischen Hauptstadt Ankara gegen die Beteiligung Russlands und des Iran am „Massaker in Aleppo“ demonstriert. „Aleppo ist die Schande der Welt“, riefen die rund 800 Demonstranten, die sich am Donnerstag zunächst vor der iranischen Botschaft versammelten, bevor sie weiter zur diplomatischen Vertretung Moskaus zogen.
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„Massaker in Aleppo - Theater in der UNO“, hieß es auf Schildern der Menge, die Flaggen der syrischen Opposition schwenkte. Die Proteste wurden von Gruppen der türkischen Zivilgesellschaft sowie der islamischen Hilfsorganisation IHH organisiert.

APA/AFP/Adem Altan
Demonstranten in Ankara halten Plakate gegen den Iran und Russland
In den vergangenen Monaten hatte es in der Türkei wiederholt Proteste gegen die russische und iranische Militärpräsenz in Syrien gegeben. Erst am Mittwochabend hatten vor dem iranischen Generalkonsulat in Istanbul rund 1.000 Menschen gegen die Beteiligung iranischer Milizen an der Offensive gegen die Rebellen im Ostteil Aleppos demonstriert.
Sprechchöre in Wien
Angesichts der prekären Lage in Ostaleppo protestierten am Donnerstagnachmittag auch vor der russischen Botschaft in Wien etwa 500 Demonstranten gegen die militärische Unterstützung des Kremls für das syrische Regime. Es dominierten Sprechchöre und Plakate gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und gegen Baschar al-Assad, vereinzelte religiöse Slogans wurden von den Veranstaltern abgestoppt.

APA/Helmut Fohringer
Demonstranten vor der russischen Botschaft in Wien
„Wir wollen, dass die Russen stoppen, in Aleppo mit ihrer Luftwaffe schiitische Milizen dabei zu unterstützen, Zivilisten zu massakrieren“, sagte Demonstrationsorganisator Badran Farwarti vom Verein Die Freien SyrerInnen gegenüber der APA. Versuche, aus vier Bezirken Ostaleppos Zivilisten zu evakuieren, seien an schiitischen Milizen aus dem Irak und Revolutionsgarden aus dem Iran gescheitert, so Farwarti.
Am Freitag würden syrische Demonstranten, so kündigte Farwarti an, auch vor dem Parlament in Wien protestieren. „Wir wollen die österreichische Regierung direkt und die EU indirekt auffordern, etwas gegen dieses Massaker zu tun.“
Ankara will Beratung
Die syrischen Regierungstruppen haben in den vergangenen Tagen mit der Unterstützung der russischen Luftwaffe und schiitischer Milizen aus dem Iran und anderen Ländern die verbliebenen Viertel unter Kontrolle der Aufständischen in Aleppo erobert. Am Donnerstag begann nach wiederholter Verzögerung der Abzug der letzten Rebellenkämpfer und der eingeschlossenen Zivilisten. Die Evakuierung war auf türkische und russische Vermittlung vereinbart worden.
Die Türkei will am 27. Dezember mit Russland und dem Iran über den Konflikt in Syrien beraten. Ankara unterstützt in dem Konflikt die Rebellen, während Teheran und Moskau aufseiten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad kämpfen. Der türkische Außenamtssprecher Hüseyin Müftüoglu warf der syrischen Armee „Massaker und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor“. Assad sei in den vergangenen 14 Tagen für den Tod von fast 1.000 Zivilisten in Aleppo verantwortlich.
Hilfsorganisationen: „Moralischer Bankrott“
Im südtürkischen Gaziantep verurteilten 25 Hilfsorganisationen bei einer Veranstaltung in einer gemeinsamen Erklärung „den moralischen Bankrott der internationalen Gemeinschaft“, da „die Menschheit in Aleppo den letzten Atemzug“ aushauche. Es sei schockierend, wie sich die Welt an „etwas so Schreckliches wie einen Chemiewaffenangriff“ gewöhnt habe, kritisierten die Organisationen, die nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Syrern Hilfe leisten.
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