„Müssen bereit sein, uns zu verändern“
Der frühere portugiesische Regierungschef Antonio Guterres hat am Montag seinen Amtseid als neuer Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO) abgelegt. Der 67-jährige Guterres versprach bei einer Zeremonie in der UNO-Vollversammlung in New York, seine Aufgaben als neuer UNO-Chef mit „Loyalität, Besonnenheit und Gewissenhaftigkeit“ auszuführen. Die UNO müsse „bereit für einen Wandel“ sein, sagte er.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Die Vereinten Nationen müssen wendig, effizient und wirksam sein“, sagte er vor der Vollversammlung. Die 193 Staaten zählende Weltorganisation müsse mehr Verantwortung übernehmen, Bürokratie abbauen und den Menschen schneller Ergebnisse liefern. „Die Vereinten Nationen müssen bereit sein, sich zu verändern“, sagte Guterres.
Mehr präventive Diplomatie
Der ehemalige UNO-Flüchtlingskommissar sprach sich insbesondere für Reformen in den Bereichen Frieden, nachhaltige Entwicklung und Verwaltung aus. „Die Organisation ist der Grundpfeiler des Multilateralismus und hat jahrzehntelang zu einem relativen Frieden beigetragen, aber die Herausforderungen übersteigen inzwischen unsere Reaktionsfähigkeit“, sagte Guterres.

APA/AP/Seth Wenig
Herzliche Übergabe
Angesichts zahlreicher Konflikte wie des Kriegs in Syrien müsse die internationale Gemeinschaft „stärker auf Vermittlung, Schlichtung und präventive Diplomatie setzen“. Guterres forderte auch eine bessere Koordinierung der verschiedenen Unterorganisationen, die für den Anti-Terror-Kampf zuständig sind.
„Effizientere“ Blauhelme gefordert
Guterres kritisierte auch die UNO-Friedensmissionen. Die Blauhelme würden häufig entsandt, um „einen Frieden zu sichern, den es nicht gibt“. Die Strategie und die Einsätze für Frieden und Sicherheit bedürften einer umfassenden Reform. Insgesamt müsse die UNO „wendiger und effizienter“ werden. Sie müsse „stärker auf die Menschen und weniger auf die Bürokratie“ setzen.
In seiner Rede spielte Guterres auch auf Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten und auf den Vormarsch von Populisten in aller Welt an. „Angst beeinflusst die Entscheidungen vieler Menschen in der Welt“, sagte er. Viele Bürger hätten kein Vertrauen mehr in ihre Regierungen und in internationale Institutionen. Es sei an der Zeit, „die Beziehungen zu erneuern“. Die UNO-Diplomaten zollten Guterres nach der Rede langen Beifall.

APA/AP/Seth Wenig
Guterres übernimmt seinen neuen Job im Jänner
Vorschusslorbeeren von Ban
„Ich habe keine Zweifel, dass er die vielen komplexen Herausforderungen mit seiner Leidenschaft und seinem Mitgefühl erfolgreich durchsteuern und die Organisation zu neuen und höheren Höhen lenken wird“, sagte Amtsinhaber Ban Ki Moon, der den Posten an der UNO-Spitze zum 1. Jänner 2017 abgibt.
Der 72-jährige Ban dankte seinem Heimatland Südkorea für dessen Unterstützung in seiner zehnjährigen Amtszeit, bevor er sich bei seiner Rede im UNO-Plenum in den sechs offiziellen UNO-Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und Arabisch verabschiedete.
Langjährige UNO-Erfahrung
Das Mandat des Portugiesen gilt zunächst für fünf Jahre. Der 67-Jährige, der von 1995 bis 2002 die Regierung in Portugal leitete, wird der erste frühere Regierungschef an der Spitze der UNO. Für ihn sprechen seine große Erfahrung bei den Vereinten Nationen und seine Bilanz als Reformer. Guterres arbeitete unter anderem zehn Jahre lang als UNO-Flüchtlingskommissar. Er wurde vom UNO-Sicherheitsrat ernannt und von der Vollversammlung bestätigt.
Nach den ungeschriebenen regionalen Verteilungsprinzipien der UNO wäre eigentlich ein Vertreter aus Osteuropa an der Reihe gewesen, viele hatten auch für eine Frau plädiert. Der UNO-Generalsekretär steht weltweit 44.000 Mitarbeitern vor.
Link: