67-Jähriger gilt als „Macher“
Dass der junge Student, der damals in Armenvierteln Lissabons Sozialarbeit verrichtete, es einmal zum Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen bringen und als solcher mit Hollywood-Stars wie Angelina Jolie zusammenarbeiten würde, hätte Ende der 1960er Jahre in der portugiesischen Hauptstadt wohl niemand vorausgesagt. Jetzt ist Antonio Guterres sogar UNO-Generalsekretär.
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Der 67 Jahre alte frühere Ministerpräsident Portugals (1995 bis 2002) ist seit jeher ein Humanist, aber auch ein Realist und ein „Macher“. Als er vor der Präsidentenwahl Anfang des Jahres in Portugal die Nominierung der Sozialistischen Partei (PS) ausschlug, sagte er in einem Interview des Fernsehsenders RTP: „Ein Staatsoberhaupt ist so etwas wie ein Schiedsrichter. Ich möchte aber Ball spielen, ich möchte auf dem Feld sein, Action haben, ständig eingreifen.“ Schon als Student habe er „eine Gesellschaft voller Ungerechtigkeiten verändern“ wollen.
Guterres will „ganze Erfahrung“ einsetzen
An der Spitze der Vereinten Nationen will der gelernte Ingenieur nun seine „ganze Erfahrung einsetzen“, wie Guterres schon vor einigen Monaten erklärte. „Ich habe in Portugal eine Revolution (die Nelkenrevolution von 1974) erlebt, ich war dann bei der Demokratisierung unseres Landes an vorderster Front, war Partei- und Regierungsmitglied und dann Regierungschef. Und dann hatte ich diese unglaubliche Chance, zehn Jahre lang (2005 bis 2015) bei der Unterstützung der Flüchtlinge zu helfen.“
Als Flüchtlingskommissar musste Guterres mit einer der schlimmsten Migrationskrisen fertigwerden. Dabei stellte er häufig die Unfähigkeit der Europäischen Union unumwunden an den Pranger. Auf der Homepage des UNO-Flüchtlingskommissariats ist im Porträt des Mannes aus dem Lissabonner Vorort Santos-o-Velho zu lesen, er habe eine „tiefgreifende Strukturreform“ vollzogen, das Personal um 20 Prozent reduziert und mit geringeren Ausgaben wirksamer gearbeitet.
„Will machen, was in meiner Macht steht“
Die Welt kann in der Tat hoffen, dass mit Guterres ein fähiger Mann nun das Steuer bei den UNO übernimmt. Das sagt schon ein schneller Blick auf den Lebenslauf des zweifachen Familienvaters, der fließend Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch spricht: Er war zum Beispiel der einzige portugiesische Ministerpräsident, der mit einer Minderheitsregierung eine volle Legislaturperiode überstand.
Guterres will „machen“, er bleibt dabei aber mit beiden Füßen fest auf dem Boden, verspricht keine Utopien. Schon 2002 sagte er: „Wenn man nicht an Megalomanie leidet, weiß man, dass man nicht versuchen kann, die Menschheit sozusagen zu retten. Ich will die Menschheit nicht retten, ich will aber all das machen, was in meiner Macht steht, um Verbesserungen zu erreichen.“
Emilio Rappold, dpa
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