Jubel in Sofiensälen
Erwartet wurde ein enges Rennen - aber bereits kurz nach 17.00 Uhr ist festgestanden, dass Alexander Van der Bellen das wohl beispiellose Rennen um die Hofburg gewonnen hat. Schon die erste Hochrechnung zeigte einen uneinholbaren Vorsprung Van der Bellens auf den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. Wenig später gestand dieser seine Niederlage ein.
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„Man rechnet nicht, man hofft“, sagte Van der Bellen in einer ersten Reaktion nach der geschlagenen Wahl. Spätestens bis zum Amtsende möchte er zu einem Präsidenten werden, den die Österreicher als „unseren“ Präsidenten und nicht „den“ Präsidenten sehen.

ORF.at/Roland Winkler
Hofer gratuliert Van der Bellen: Das wohl beispiellose Rennen um die Hofburg ist entschieden
Weit euphorischer wurde zu diesem Zeitpunk bereits in den Wiener Sofiensälen gefeiert, wo die Wahlparty des von den Grünen unterstützten Van der Bellen stattfindet. Wie Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl in einer ersten Reaktion sagte, sei das Ergebnis noch klarer als im Mai. Dem Mitbewerber Hofer zolle er „Respekt“.
Van der Bellen dankt für breite Unterstützung
Van der Bellen sagte in einer ersten Reaktion, dass das Engagement von Zehntausenden Menschen unabhängig von seinem Wahlkampfteam wesentlich zum Wahlergebnis beigetragen habe.
Hofer „unendlich traurig“
Hofer sagte, er wolle die Erfahrung der Präsidentschaftskandidatur trotz seiner Niederlage nicht missen. „Ich bin nicht böse, in einer Demokratie hat der Wähler immer recht“, sagte er in der Hofburg. Hofer meinte, dass die Wahlempfehlung von ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner den Ausschlag für Van der Bellen gegeben haben könnte.
Hofer bat „alle Menschen, die mich unterstützt haben, anzuerkennen, dass es einen Sieger gibt“. Der FPÖ-Kandidat sagte zugleich, dass sein nächstes Ziel die Nationalratswahl sei. Er werde hinter FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf der Liste kandidieren. 2022 will Hofer wieder bei der Bundespräsidentschaftswahl antreten.
Hofer nimmt Wahlergebnis zur Kenntnis
Hofer nahm das Wahlergebnis in seiner ersten Reaktion zur Kenntnis. Die Hofburg hat Hofer allerdings noch nicht abgeschrieben - in sechs Jahren will er einen neuen Anlauf machen.
„Ich bin unendlich traurig, dass es nicht geklappt hat. Ich hätte gerne auf unser Österreich aufgepasst“, schrieb Hofer am Sonntagabend auf Facebook. Er gratulierte seinem Mitbewerber Van der Bellen zu dessen Sieg.
Deutlicher Vorsprung
Laut dem kurz vor 20.00 veröffentlichten Ergebnis der Urnenwahl liegt Van der Bellen mit 51,68 Prozent in Führung, Hofer erreicht 48,32 Prozent. Zum Vergleich: Die letzte SORA-Hochrechnung, die Briefwähler bereits berücksichtigt, ergibt 53,3 zu 46,7 Prozent bei einer Schwankungsbreite von nur noch 0,4 Prozent.

SORA/ORF
Ein Endergebnis wird es frühestens am Montag nach der Auszählung der Briefwahlstimmen geben. Auch wenn sowohl Van der Bellen als auch Hofer eine neuerliche Wahlanfechtung während des turbulent verlaufenen Wahlkampfs ausschlossen, wird man dennoch erst zu Weihnachten auch endgültig wissen, ob das Ergebnis hält: Die Frist für eine weitere Wahlanfechtung läuft bis 22. Dezember.
„Wird sehr, sehr lange dauern“
Van der Bellen will der Präsident aller Österreicher sein, laut ORF-Innenpolitik-Ressortleiter Hans Bürger wird es allerdings „sehr, sehr lange dauern“, bis er auch die Hofer-Wähler davon überzeugen kann.
Historische Wahl
In jedem Fall brachte die Wahl ein historisches Ergebnis: Nicht nur war es die erste bundesweite Wahlwiederholung. Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik wurde auch kein Vertreter der ehemaligen Großparteien zum Bundespräsidenten gewählt. SPÖ und ÖVP waren mit ihren Kandidaten schon im ersten Wahlgang klar ausgeschieden. In der SPÖ kam es unter anderem deshalb zum Wechsel an der Parteispitze, der ÖVP könnten solche Diskussionen noch bevorstehen.
Angesichts der erst für 26. Jänner anberaumten Angelobung wird es heuer keine Neujahrsansprache geben. Van der Bellen wird mit 73 Jahren als zweitältester Präsident in die Hofburg einziehen. Nur Theodor Körner war mit 78 Jahren älter. Zu Beginn der zweiten Amtszeit war Adolf Schärf (73) um zwei Wochen älter als Van der Bellen es am 26. Jänner 2017 ist.
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Großes Medieninteresse
Dutzende TV-Teams und Journalisten reisten aus dem Ausland an, um über die Wahl zu berichten. Es war seit der Wahl von Kurt Waldheim wohl jene Hofburg-Wahl mit der größten internationalen Resonanz.
Kandidaten wählten am Vormittag
Begleitet von einem für eine österreichische Präsidentschaftswahl ungewohnt großen Medieninteresse gaben Hofer und Van der Bellen am Vormittag ihre Stimme ab. Beide zeigten sich im Anschluss optimistisch - vor dem Wahllokal allerdings, da Medien nach dem Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) diesmal der Zutritt zu den Wahllokalen verwehrt war. „Ich bin ruhig und zuversichtlich“, sagte Hofer in seinem Heimatort Pinkafeld im Burgenland. Er kam mit seiner Frau Verena zum Wahllokal - mehr dazu in burgenland.ORF.at

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Hofer wurde in Pinkafeld vor und nach der Stimmabgabe von Journalisten umringt
Van der Bellen gab in einer Schule in Wien-Mariahilf seine Stimme ab. Lächelnd und bei strahlendem Sonnenschein traf er mit Ehefrau Doris Schmidauer gegen 11.00 Uhr ein - mehr dazu in wien.ORF.at.

APA/Roland Schlager
Van der Bellen erging es vor seinem Wahllokal in Wien nicht anders
Fischer: „Das wird eine perfekte Wahl“
Bereits zeitig um 8.15 Uhr und in Begleitung seiner Frau Margit kam Heinz Fischer in sein Wahllokal in Wien-Josefstadt. Nach zwölf Jahren als Staatsoberhaupt wählte Fischer erstmals wieder als einfacher Bürger. „Das wird eine perfekte Wahl“, sagte der Altbundespräsident und zeigte sich optimistisch, dass es keine weitere Wahlanfechtung mehr geben wird und Van der Bellen die Wahl gewinnt.

APA/Herbert Neubauer
Das Ehepaar Fischer auf dem Weg zur ersten Post-Hofburg-Stimmabgabe
Auch SPÖ-Kanzler Christian Kern gab in Wien seine Stimme ab - ebenso wie FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

APA/Georg Hochmuth
Kanzler Christian Kern mit Ehefrau Eveline Steinberger-Kern
Mehr Wahlberechtigte als im Frühjahr
Seit dem ersten Wahlgang am 22. Mai hat sich bei der nun wiederholten Hofburg-Stichwahl, etwa bei der Zahl der Wahlberechtigten, einiges geändert. Der Hintergrund: Angesichts der langen Dauer zwischen dem ersten Wahlgang und dem verschobenen Wiederholungstermin wurde beschlossen, die Wahlberechtigten doch neu zu erfassen. Damit wurden rund 45.600 16-Jährige und ungefähr 3.400 frisch Eingebürgerte einbezogen und rund 45.000 seit dem ersten Stichtag 23. Februar Gestorbene aus den Verzeichnissen gestrichen.
Stark stieg auch die Zahl der Auslandsösterreicher, die sich für die Wahl registrierten, nämlich um 32 Prozent auf 56.539. 6.399.572 Österreicherinnen und Österreicher im In- und Ausland waren damit wahlberechtigt.
„Qualität vor Schnelligkeit“
Leicht geändert hat sich auch das Prozedere am Wahlabend, was jedoch hauptsächlich Auswirkungen auf die Abläufe im Hintergrund bei Meinungsforschern und Journalisten hatte. Der VfGH hatte die Weitergabe von Resultaten vor Wahlschluss um 17.00 Uhr verboten - kurz darauf folgten dann die ersten Hochrechnungen. Für die Wiederholung der Stichwahl wurden 708.185 Wahlkarten angefordert. Das waren deutlich weniger als bei der annullierten Stichwahl am 22. Mai, bei der es noch 885.437 Wahlkarten waren - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Grafik: ORF.at; Quelle: APA
Was die Wahlkarten betrifft, will man diesmal auf Nummer sicher gehen, hat der VfGH doch die Stichwahl im Mai wegen Schlampereien aufgehoben. Womöglich gibt es damit erst bis zu zwei Tage nach Schließung der Wahllokale ein fixes Ergebnis, wie der zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, Matthias Vogel, gegenüber Ö1 ankündigte. Es gehe „eindeutig Qualität vor Schnelligkeit“. Das vorläufige Endergebnis wird erst veröffentlicht, wenn das letzte Ergebnis einer Wahlbehörde vorliegt.
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