Themenüberblick

Heißes Eisen Genveränderung

Die Zukunft der weltweiten Lebensmittelversorgung ist laut einer Studie der Unternehmungsberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) sehr ungewiss. PwC hält für das Jahr 2050 sowohl ein ausreichendes Nahrungsmittelangebot als auch Knappheit und steigende Preise für denkbar - abhängig vor allem davon, wie Regierungen und Lebensmittelindustrie auf die Herausforderungen der wachsenden Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung reagieren.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die europäischen Regierungen müssten sich mehr anstrengen, um für den technologischen Wandel in der Landwirtschaft günstige Voraussetzungen zu schaffen, heißt es in dem Papier von Dezember 2016 - ein heißes Eisen, da „technologische Innovation“ in der Landwirtschaft den in Europa höchst umstrittenen Einsatz genveränderten Saatguts bedeutet.

„Smarte“ Zuchtmethoden, Genomeditierung und genetische Veränderung könnten in der Lage sein, „dürre- und hitzebeständiges Anbaugut zu produzieren und die Folgen der globalen Erwärmung abzumildern“, heißt es in dem Papier.

700 Millionen Hennen mehr?

Die Autoren gehen von ähnlichen Grundannahmen aus, wie sie die Welternährungsorganisation FAO aufgestellt hat: Ein Wachstum der Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 würde bedeuten, dass die Lebensmittelproduktion bis dahin um 70 Prozent gesteigert werden müsste.

Stellt die Bevölkerung in Entwicklungsländern ihre Ernährung auf westliche Gewohnheiten um, müssten die Produktion von Fleisch, Eiern und Milchprodukten stark steigen. Als Rechenbeispiel nennt PwC Indien: Würden die Inder pro Kopf ebenso viele Eier verzehren wie die Deutschen, müssten dann knapp 700 Millionen zusätzliche Legehennen gehalten werden, nur um den Bedarf in dem südasiatischen Land zu decken.

Vier Zukunftsszenarien

Die Unternehmensberater stellen vier Szenarien für die Welternährung auf: Die optimistische Einschätzung geht davon aus, dass trotz wachsender Weltbevölkerung und globaler Erwärmung dank technologischen Fortschritts und genveränderten Saatguts genug Lebensmittel produziert werden können und die Lebensmittelpreise niedrig bleiben. Eine Voraussetzung wäre allerdings, dass die Liberalisierung des Welthandels fortschreitet.

„Unsicherheit fördert Protektionismus“

Am anderen Ende der Skala steht eine pessimistische Einschätzung: Auch die Technologisierung der Landwirtschaft könnte demnach nicht verhindern, dass die globale Lebensmittelproduktion wegen der globalen Erwärmung sinkt. Die Nahrungsmittelversorgung würde volatil.

„Lebensmittel sind teuer und manchmal von schlechter Qualität“, nehmen die PwC-Agrarfachleute für diesen Fall an. Die Unsicherheit würde den Protektionismus mit Handelsbeschränkungen und Einfuhrzöllen fördern. Demnach könnte die Lebensmittelversorgung in ärmeren Ländern verstaatlicht werden, in anderen Staaten „in die Hand einiger weniger mächtiger Konglomerate“ fallen.

Doch bald zehn Milliarden Menschen?

Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf 9,9 Milliarden Menschen anwachsen. Das ist ausgehend von derzeit 7,4 Milliarden Menschen ein Anstieg um ein Drittel, teilte das Population Reference Bureau (PRB) in Washington in einem Report Ende August 2016 mit. Die Prognosen des Instituts für das Jahr 2050 lagen damit höher als die Einschätzungen der UNO bzw. der FAO, die von rund neun Milliarden Menschen ausgeht. Die Zehn-Milliarden-Marke wird demnach im Jahr 2053 geknackt. Österreich soll Mitte der 2050er Jahre rund 9,7 Millionen Einwohner erreichen.

Die regionalen Unterschiede würden bestehen bleiben, erläuterte PRB-Chef Jeffrey Jordan. „In Europa wird es beispielsweise aufgrund sehr niedriger Geburtenraten einen Bevölkerungsrückgang geben, während in Afrika eine Verdoppelung der Bevölkerung erwartet wird.“

Die meisten Menschen leben in Asien

Die Experten rechnen auf dem afrikanischen Kontinent Mitte des Jahrhunderts mit zweieinhalb Milliarden Einwohnern. In Nord- und Südamerika soll die Bevölkerung um 223 Millionen auf 1,2 Milliarden Menschen anwachsen, in Asien um 900 Millionen auf 5,3 Milliarden Einwohner. Auch im Raum Ozeanien mit Australien und Neuseeland wird ein starker Anstieg von 40 auf 66 Millionen Menschen erwartet. 728 Millionen Europäer soll es im Jahr 2050 geben, statt derzeit 740 Millionen.

33 Länder in Europa und Asien haben jetzt bereits mehr Einwohner im Alter von über 65 Jahren als unter 15-Jährige. Auch Österreich zählt laut PRB mit 18 Prozent Seniorenanteil an der Gesamtbevölkerung und 14 Prozent jungen Menschen dazu. Weltweit ist dagegen mehr als ein Viertel der Menschen jünger als 15 Jahre.

Links: