Eine Wahl für die Geschichtsbücher
Das seit Monaten innenpolitisch bestimmende Thema geht am Sonntag ins Finale und bringt damit - voraussichtlich - eine Entscheidung: Im dritten Anlauf stimmt Österreich über einen neuen Bundespräsidenten ab und muss sich damit zwischen dem von den Grünen unterstützten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer (FPÖ) entscheiden.
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Einen klaren Favoriten gibt es auch für diesen Wahldurchgang nicht. Die aufgehobene Stichwahl vom 22. Mai brachte das knappste Ergebnis aller 13 Volkswahlen seit 1951, Van der Bellen lag nur 30.863 Stimmen vor Hofer. Der FPÖ-Kandidat holte sich mit der erfolgreichen Anfechtung der Wahl vor dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) eine zweite Chance.
Die ersten Wahllokale öffneten am Sonntag schon um 6.00 Uhr, die meisten später. Auch der Wahlschluss ist wie gewöhnlich unterschiedlich. Wien und Innsbruck nützen auch bei der Wiederholung der Stichwahl die maximal vom Gesetz erlaubte Wahlzeit bis 17.00 Uhr. In allen anderen Landeshauptstädten ist bis 16.00 Uhr Zeit für die Stimmabgabe - mit Ausnahme von Bregenz. Denn Vorarlberg bleibt landesweit auch diesmal beim traditionell frühen Wahlschluss von 13.00 Uhr.
Die vielen „Firsts“
Ansonsten ist an dieser Wahl nur weniges geläufig. Nicht nur, dass die Wahl insgesamt so lange dauerte wie keine andere bisher, auch der Wahlkampf zwischen den beiden Kandidaten war mit ungewöhnlich harten gegenseitigen Angriffen und Hickhack auf Social-Media-Nebenschauplätzen gespickt. Die Wahl polarisiert wie kaum eine Bundespräsidentenwahl davor.

APA/Roland Schlager
So amikal wie auf diesem Bild waren die beiden Kandidaten während des TV-Duells am Donnerstag nicht zu sehen
Gewählt wird ja bereits seit dem 24. April, wo der erste Durchgang mit damals noch sechs Kandidaten stattfand. Hofer ging als Stimmenstärkster hervor, am 23. Mai trat er gegen Van der Bellen zur Stichwahl an, die Letzerer dank Briefwähler mit knappen Vorsprung gewann. Durch die Wahlanfechtung der FPÖ und der anschließenden Aufhebung der Stichwahl war ein weiterer Durchgang nötig gewesen, dieser hätte am 2. Oktober stattfinden sollen. „Klebergate“ verhinderte dies jedoch - ein Produktionsfehler bei den Wahlkarten machte eine Verschiebung auf den jetzigen Termin nötig.
Mehr Wähler als im Frühjahr
Aufgrund der Turbulenzen hat sich seit dem ersten Durchgang auch einiges geändert: etwa die Zahl der Wahlberechtigten. 17.065 bzw. 0,27 Prozent mehr als im ersten Wahlgang sind nun wahlberechtigt. Das liegt nicht nur daran, dass durch die Aktualisierung der Wählerverzeichnisse die Jugendlichen mit dem 16. Geburtstag zwischen 24. April und 4. Dezember einbezogen wurden, sondern auch an einem starken Anstieg bei den Auslandsösterreichern.
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Angesichts der langen Dauer zwischen erstem Wahlgang und dem verschobenen Wiederholungstermin wurde beschlossen, die Wahlberechtigten doch neu zu erfassen. Damit wurden rund 45.600 16-Jährige und ungefähr 3.400 frisch Eingebürgerte einbezogen und rund 45.000 seit dem ersten Stichtag 23. Februar Gestorbene aus den Verzeichnissen gestrichen. Stark gestiegen ist die Zahl der Auslandsösterreicher, die sich für die Wahl registrierten, nämlich um 32 Prozent auf 56.539. 6.399.572 Österreicher im In- und Ausland sind damit wahlberechtigt.
Wohl niedrigere Wahlbeteiligung
Der lange Wahlkampf hat aber mittlerweile so manchen Bürger wahlmüde gemacht - Experten rechnen mit einer sinkenden Wahlbeteiligung. Bei der Stichwahl im Mai lag sie bei 72,65 Prozent. „Dass die Wahlbeteiligung sinkt, hat primär mit dem endlosen Wahlkampf und letztlich auch mit dem Termin mitten im Advent zu tun“, sagte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Der Meinungsforscher geht deshalb „auf jeden Fall“ von einer niedrigeren Beteiligung als im Mai aus. Auch die starke Polarisierung werde sich negativ auf die Beteiligung auswirken. „Die Skepsis Richtung Politik wurde eher vergrößert als verringert“, so Bachmayer.
Wann kommt das Ergebnis?
Leicht geändert hat sich auch das Prozedere am Wahlabend, was jedoch hauptsächlich Auswirkungen auf die Abläufe im Hintergrund bei Meinungsforschern und Journalisten hat. Der VfGH hat die Weitergabe von Resultaten vor Wahlschluss um 17.00 Uhr verboten. Allzu lange werden Medienkonsumenten aber nicht auf erste Ergebnisse warten müssen. Schon kurz nach 17.00 Uhr werden in ORF.at die ersten Prognosen zu sehen sein. Beim renommierten SORA-Institut geht man davon aus, dass die Schwankungsbreite bei den Vorhersagen um diese Zeit bei einem bis 1,5 Prozent liegen wird. Wenn es besonders knapp wird, freilich eine entscheidende Größe.
TV-Hinweis
ORF2 berichtet am Sonntag ab 16.30 Uhr über die Wahl mit Liveschaltungen, Hintergrundinfos und in Diskussionen - mehr dazu in tv.ORF.at.
Bis das endgültige Ergebnis vorliegt, dauert es aber. Bei der Auszählung will man diesmal auf Nummer sicher gehen, hat der VfGH doch die Wahl wegen Schlampereien in den Wahllokalen aufgehoben. Womöglich gibt es damit erst bis zu zwei Tage nach Schließung der Wahllokale ein fixes Ergebnis, wie der zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, Matthias Vogel, gegenüber Ö1 ankündigte. Es gehe „eindeutig Qualität vor Schnelligkeit“. Das vorläufige Endergebnis wird erst veröffentlicht, wenn das letzte Ergebnis einer Wahlbehörde vorliegt.
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