„Zu Weihnachten kein Ostaleppo mehr“
Der UNO-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hat vor einer völligen Zerstörung des östlichen Teils von Aleppo im syrischen Bürgerkrieg gewarnt. Wenn das Bombardement so weitergehe wie derzeit, dann „wird es zu Weihnachten kein Ostaleppo mehr geben“, sagte De Mistura im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitag-Ausgabe).
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Er habe den Eindruck, dass die syrische Führung dort eine beschleunigte militärische Entscheidung anstrebt. Am Montag meldeten staatliche Medien, dass die Regierungstruppen das Rebellengebiet im Osten der Stadt in zwei Teile zerschlagen hätten.
Regime lehnte Waffenruhe ab
Den Regierungstruppen könne es zwar gelingen, die Rebellengebiete in Ostaleppo zu übernehmen, „wenn es fast zerstört ist“, sagte De Mistura. In diesem Fall drohe aber eine „große Tragödie für die Menschen“, und es würde „Zehntausende Flüchtlinge geben, die sich Richtung Türkei bewegen“. De Mistura hatte davor versucht, eine Waffenruhe für Ostaleppo zu erreichen, das Regime von Präsident Baschar al-Assad habe jedoch abgelehnt.

Reuters/Abdalrhman Ismail
Große Teile Ostaleppos liegen in Trümmern
Selbst wenn es der Regierung gelinge, Ostaleppo zurückzuerobern, könne der Konflikt nur durch eine politische Lösung dauerhaft beigelegt werden, so der Sondergesandte. Andernfalls befürchte er „für die nächsten Jahre einen fortgesetzten Guerillakrieg in den ländlichen Gebieten sowie Autobomben in den Städten“. „Keiner kann daran ein Interesse haben, auch nicht die russische Seite.“ De Mistura forderte Russland auf, seinen Einfluss auf die Führung in Damaskus geltend zu machen. Russland ist neben dem Iran der wichtigste Verbündete des Regimes.
Hilfsgüter müssen weiter warten
Die Rebellen stimmten unterdessen nach UNO-Angaben Plänen zur Versorgung der Bevölkerung mit Hilfsgütern zu. Noch fehle allerdings das grüne Licht Russlands und der syrischen Regierung, sagte der Leiter des UNO-Hilfseinsatzes, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf. In der Türkei und im Westteil Aleppos warteten Lastwagen mit Hilfsgütern.
Es sei ein zeitlicher Vorlauf von 72 Stunden nötig, um die „große, komplexe und gefährliche Operation“ vorzubereiten. Der Plan sieht auch vor, Kranke aus dem betroffenen Stadtgebiet in Sicherheit zu bringen. Erste Signale aus Russland seien positiv, sagte Egeland. Die letzten Lebensmittellieferungen der UNO in den Ostteil Aleppos wurden dort am 13. November verteilt. „Plan B ist in vielerlei Hinsicht, dass Menschen hungern. Das darf nicht zugelassen werden“, sagte Egeland.
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