Themenüberblick

Langjähriger Soldat setzt auf Russland

Mit dem ehemaligen Befehlshaber der bulgarischen Luftstreitkräfte, Rumen Radew, ist erstmals ein früherer Militär zum Staatsoberhaupt Bulgariens gewählt worden. In seinem Wahlkampf setzte der 53-jährige vor allem auf engere Beziehungen des traditionell russlandfreundlichen Balkan-Landes zu Moskau.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

So sprach er sich gegen die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland aus. Nach einigen unklaren Äußerungen über die Rolle Bulgariens in der NATO, die „besser ausgefüllt“ werden solle, sah sich General Radew gezwungen klarzustellen, dass Bulgariens Mitgliedschaft in der EU und der NATO „alternativlos“ sei. „Das bedeutet aber nicht, dass wir uns mit Russland künstlich Feinde schaffen“, ergänzte er in einer Fernsehdebatte.

Politische Beobachter in Bulgarien behaupten, dass Radews Nominierung bei einem Russland-Besuch der sozialistischen Parteichefin Kornelia Ninowa mit Moskau abgestimmt worden sei. Russland verfolge das Ziel, keinen all zu scharfen antirussischen Kurs Bulgariens bei einer sich verschärfenden Auseinandersetzung mit dem Westen zuzulassen.

Gemäß den Interessen der Waffenlobby?

Als Oberbefehlshaber der bulgarischen Armee sollte Radew zudem die Stationierung von NATO-Soldaten in Bulgarien möglichst abwenden. Als Kommandierender der bulgarischen Luftstreitkräfte hatte sich General Radew entschieden gegen das eventuelle Air Policing der NATO in Bulgarien ausgesprochen.

Darüber hinaus steht Bulgarien vor einer dringend notwendigen Modernisierung seiner Streitkräfte. Der gewählte Präsident solle möglichst für die Interessen der bulgarischen Waffenlobby eintreten, die mit Moskau indirekt verbunden ist, heißt es.

„Die Lieferung russischer Waffen nach Bulgarien ist ausgeschlossen, aber ein lukratives Geschäft wäre auch allein die Wartung der bereits vorhandenen Ausrüstung“, schreibt der frühere bulgarische Botschafter in Moskau, Ilian Wassilew, in seinem Blog. Ihm zufolge sucht Russland in Bulgarien eine Möglichkeit, auf die Entscheidungen in der EU und der NATO einzuwirken.

Marionette der Sozialisten?

Radew selbst, aber auch die Sozialisten, verweisen immer wieder auf seine Ausbildung an der Air University in den USA, um jegliche Zweifel an seiner NATO-Treue auszuräumen. Dennoch halten ihm viele Bürger in Bulgarien vor, er sei eine Marionette der Sozialisten, die in Bulgarien traditionell als die lange Hand Russlands gelten.

Link: