Armeeflugzeuge ließen IS umdrehen
Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben der Vereinten Nationen (UNO) versucht, 25.000 Zivilisten als menschliche Schutzschilde in die Großstadt Mossul zu bringen. Der Konvoi der Extremisten sei im Schutz der Dunkelheit Montagfrüh in der Stadt Hammam al-Alil gestartet, sagte eine UNO-Sprecherin am Dienstag in Genf.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Die meisten der Fahrzeuge seien umgekehrt, als sie von Flugzeugen der Armee bedrängt worden seien. Ein Teil habe es allerdings in das Dorf Albu Saif geschafft, das nur zwei Kilometer vom Flughafen Mossul entfernt ist. Bereits am Freitag zwang die Miliz laut der UNO mehr als 8.000 Familien mit durchschnittlich sechs Mitgliedern dazu, in die Mossuler Innenstadt zu ziehen. Viele, die sich weigerten, seien erschossen worden.
Massaker an 40 Menschen
Die Menschen würden dazu gewungen, sich in der Nähe von Einrichtungen des IS aufzuhalten, die Ziel von militärischen Operationen werden könnten. Die Entführungen „scheinen unsere Annahme zu unterstützen, dass der IS plant, diese Menschen als menschliche Schutzschilde zu nutzen“, so die UNO-Sprecherin.
Zusätzlich würde die Zwangsumsiedelung „sicherstellen, dass die Umgebung dicht mit Zivilisten besiedelt ist, um eine Militäroperation gegen sie zu verteiteln“. Auch ein neues Massaker soll es gegeben haben. Bereits am Samstag hätten die IS-Kämpfer 40 ehemalige Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte getötet und ihre Leichen in den Fluss Tigris geworfen, sagte die Sprecherin weiter.
Armee dringt in Stadt vor
Am Dienstag drang die irakische Armee nach eigenen Angaben erstmals auf das Stadtgebiet vor. Eliteeinheiten der Armee hätten von Osten her die Stadtgrenze erreicht und diese überquert, sagte der Chef der irakischen Anti-Terror-Kräfte, Talib Schaghati, am Dienstag dem Staatssender al-Irakija. „Wir haben nun die eigentliche Befreiung Mossuls begonnen.“

Grafik: Omniscale/OSM/APA/ORF.at; Quelle: The Guardian
Dabei wurde laut einem Offizier der Anti-Terror-Einheit CTS (Counter Terrorism Service) eine TV-Station eingenommen. Laut einem BBC-Journalisten bietet der IS den vorstoßenden Truppen erbitterten Widerstand. In der mehr als eine Million Einwohner zählenden Großstadt werden 3.000 bis 5.000 IS-Kämpfer vermutet.
Berichte über heftige Straßenkämpfe
In der Früh hatte ein Angriff auf den Ort Gogdschali am östlichen Stadtrand Mossuls begonnen. Ein Reporter des kurdischen TV-Senders Rudaw berichtete, dort gebe es heftige Straßenkämpfe. Ein CTS-Offizier hatte zudem im Vorfeld Angriffe auf al-Sahra und al-Karama, Außenbezirke von Mossul, angekündigt.
Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi hatte am Montagabend bei einem Auftritt in Tarnuniform im staatlichen Fernsehen verkündet, der Ring um den IS werde von allen Seiten geschlossen. Für die Dschihadisten gebe es keinen Fluchtweg, sie müssten „sterben oder sich ergeben“.
Türkei bringt militärisches Gerät an Grenze
Die Türkei verlegte indes Panzer und Artilleriegeschütze in die Nähe der irakischen Grenze. Ein Militärkonvoi mit rund 30 Fahrzeugen ist laut türkischen Militärvertretern auf dem Weg. Der Konvoi habe am Nachmittag Ankara verlassen und sei in Richtung Silopi gefahren, hieß es weiter. Laut dem türkischen Verteidigungsminister Fikri Isik hat die Stationierung mit dem Kampf gegen den Terrorismus sowie den Entwicklungen im Irak zu tun.
Man habe allerdings „keine Verpflichtung“, hinter der Grenze zu bleiben. Die Türkei werde tun, was nötig sei, falls die verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) versuche, sich in der Sindschar-Region festzusetzen. Die türkische Armeeführung erklärte mehrfach, sich an der Mossul-Offensive beteiligen zu wollen. Die Regierung in Bagdad lehnt das ab.
Der irakische Premier Haidar al-Abadi drohte der Türkei für den Fall „rücksichtsloser Schritte“. Jede Einmischung der Türkei bleibe weiter verboten, sagte er am Dienstag mit Blick auf die Offensive gegen die IS-Hochburg Mossul. Sollte sich die Türkei einmischen, würden die Truppen „als Feinde“ behandelt.
Verbindung al-Rakka - Mossul im Visier
Nach Einschätzung des US-Militärs haben die Terroristen ihre Bewegungsfreiheit zu einem großen Teil verloren. Anhänger der Terrormiliz könnten sich nicht mehr in großen Kolonnen und in großer Zahl zwischen dem irakischen Mossul und der syrischen Stadt al-Rakka, die als Hauptstadt des vom IS ausgerufenen Kalifats gilt, bewegen, sagte US-Militärsprecher John Dorrian am Dienstag vor Journalisten im Irak.

Felipe Dana
Vor dem IS geflüchtete Menschen werden von irakischen Soldaten bewacht
Wo sie in einer größeren Zahl zusammenkämen, „werden wir sie angreifen und töten“, erklärte Dorrian. Die von den USA geführte internationale Koalition unterstützt die Offensive auf Mossul aus der Luft. US-Soldaten sind zudem am Boden als Militärberater im Einsatz. Irakische Sicherheitskräfte sind bisher vor allem von Osten her an Mossul herangerückt. Der Weg nach Westen Richtung Syrien, wo der IS noch immer große Gebiete beherrscht, ist weiterhin nicht abgeschnitten.
17.500 Menschen geflüchtet
Die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Einheiten und schiitische Milizen starteten mit Luftunterstützung durch die US-geführte Anti-IS-Koalition vor rund zwei Wochen. Im Westen der Großstadt versuchen vom Iran unterstützte schiitische Milizen die Versorgungswege des IS nach Syrien abzuschneiden. Der türkische Vizeministerpräsident Numan Kurtulmus sprach sich dafür aus, nach der Eroberung Mossuls umgehend einen Angriff auf al-Rakka zu beginnen.
„Die Schlacht um Mossul wird kein Spaziergang“, warnte der Chef der schiitischen Badr-Milizen, Hadi al-Amiri, im Vorfeld. Man sei auf monatelange Kämpfe vorbereitet. Die vom Iran unterstützen Milizen schlossen sich am Samstag den Kämpfen der irakischen Armee an. Bisher konnten nach UNO-Angaben rund 17.500 Menschen aus den Kampfgebieten im Norden Iraks fliehen. Demnach werden Menschen aber daran gehindert, Mossul zu verlassen.
Links: