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„Tief beunruhigende“ Zahlen

Um die Afrikanischen Elefanten steht es schlimmer als gedacht. Bei der ersten fast kontinentweiten Zählung der bedrohten Tiere kamen US-Forscher nur noch auf 352.271 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten. Gut vier Fünftel davon leben in Reservaten. Bisher wurde der Gesamtbestand auf 400.000 bis 630.000 Exemplare geschätzt - je nach Quelle und Methode.

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Die federführenden Ökologen Michael Chase (Elefant without borders, Botsuana) und Curt Griffin von der University of Amherst in Massachusetts veröffentlichten die Ergebnisse im Fachjournal „PeerJ“. 90 Forscher hatten zwei Jahre lang aus der Luft Herden und Skelette gezählt. Für die Studie wurden mit 81 Flugzeugen insgesamt 463.000 Kilometer zurückgelegt. „Was wir herausgefunden haben, ist tief beunruhigend“, sagte Microsoft-Mitgründer Paul Allen, der den „Great Elephant Census“ mit sieben Millionen Dollar (6,3 Mio. Euro) finanzierte.

Um acht Prozent weniger pro Jahr

Laut Untersuchung sank in den 15 Staaten mit historischen Vergleichsdaten allein zwischen 2007 und 2014 die Zahl der Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) um 30 Prozent - oder 144.000 Tiere. Im Schnitt schrumpfen die Bestände derzeit um acht Prozent pro Jahr, berechneten die Forscher. Grund dafür ist vor allem Wilderei.

Elefanten vor dem Kilimanjaro

Reuters/Goran Tomasevic

Elefantenherde zieht durch die Savanne am Fuße des Kilimandscharo

84 Prozent der untersuchten Population wurden in rechtlich geschützten Gebieten gesichtet, während sich 16 Prozent in ungeschützten Gebieten aufhielten. Dennoch wurden zahlreiche Elefantenkadaver in vielen geschützten Gebieten entdeckt, was darauf hinweist, dass Elefanten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Parks zu kämpfen haben.

Einer anderen neuen Studie zufolge leiden auch Waldelefanten (Loxodonta cyclotis) - die zweite und wesentlich seltenere Elefantenspezies in Afrika - an den Folgen der Wilderei. Das wiegt besonders schwer, weil sich Waldelefanten extrem langsam fortpflanzen. Beide Studien werden auch auf der Weltnaturschutzkonferenz (IUCN) Thema sein, die am Donnerstag in Honolulu begann. Die Versammlung will sich unter anderem für ein Binnenhandelsverbot mit Elfenbein einsetzen.

Wilderei als Hauptproblem

Bevor Europäer den afrikanischen Kontinent betraten, lebten dort Schätzungen zufolge bis zu 20 Millionen Elefanten. 1979 waren es noch etwa 1,3 Millionen. Nach dem Inkrafttreten eines internationalen Handelsverbots für Elfenbein 1989 erholten sich die Bestände vielerorts, doch seit 2005 dezimieren Wilderer sie erneut drastisch. „Die Ergebnisse des großen Elefantenzensus zeigen ganz klar, dass Wilderei immer noch in ganz Afrika Elefantenherden dezimiert“, sagte der stellvertretende Chef des UNO-Umweltprogramms (UNEP), Ibrahim Thiaw.

Elefanten

Reuters/Goran Tomasevic

Die Elefantenpopulation wurde in den letzten Jahren stark dezimiert

„So ein Tun ist auf jeder Ebene sinnlos - auf moralischer, ökonomischer und politischer“, so Thiaw weiter. „Wenn man daran denkt, wie viele Elefanten in manchen Gebieten vor zehn oder 20 Jahren noch lebten, dann ist das unglaublich entmutigend“, sagte Forscher Chase dem Sender CNN. „Früher versorgten diese Ökosysteme Tausende von Elefanten, wo wir nur Hunderte oder Dutzende zählten.“

Im Babile-Elefantenschutzgebiet in Äthiopien etwa entdeckten die Forscher noch eine einzige Elefantenherde mit 36 Mitgliedern - die letzte am gesamten Horn von Afrika. In Angola, Kamerun und Mosambik wurden besonders viele alte und jüngere Elefantenkadaver gesichtet. Auch insgesamt mehr als 200 Wildererlager entdeckten die Forscher von den Flugzeugen aus.

Elfenbeinhandel vs. Touristenattraktion

Am dichtesten mit Afrikanischen Elefanten besiedelt sind der Zählung zufolge Botsuana (130.451) und Simbabwe (82.304). Namibia, das ebenfalls über größere Bestände verfügt, hat seine privat finanzierten Zählungen dem Zensus nicht zugänglich gemacht. Zusammen mit Simbabwe möchte Namibia den Handel mit Elfenbein wieder legalisiert sehen.

Kenia hingegen, dessen Elefantenbestände (25.959) sich tendenziell erholen, setzt auf Elefantenschutz, weil er Geld im Tourismus bringt. Auch Thiaw plädiert für diesen Ansatz: „Staaten in Afrika entdecken, dass wildlebende Tiere lebendig mehr Wert bringen als tot und dass sie helfen, Einkünfte zu erzielen, um Bildung, Gesundheitssysteme und Infrastruktur zu finanzieren.“

Waldelefanten noch stärker betroffen

Noch sensibler reagieren die Waldelefanten auf die Bedrohung ihres Lebensraums und die Wilderei. Einer im „Journal of Applied Ecology“ veröffentlichten Studie der Wildlife Conservation Society (WCS, New York) zufolge sind Waldelefanten eine der sich am langsamsten fortpflanzenden Spezies.

Waldelefanten

Getty Images/USO

Waldelefanten vermehren sich langsamer als bisher angenommen

Die Bestände haben sich der Studie zufolge in Gabun, Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo zwischen 2002 und 2013 um 65 Prozent dezimiert. Schätzungen zufolge habe es einmal zwischen einer und zwei Millionen Afrikanische Waldelefanten gegeben, sagte Mitautor George Wittemyer von der Colorado State University. 1993 seien es vermutlich noch 500.000, 2013 nur noch etwa 100.000 gewesen.

Bestände erholen sich erst in 100 Jahren

Es werde ein Jahrhundert dauern, bis sich die Bestände erholt haben, sagte Andrea Turkalo, WCS-Forscher in der Zentralafrikanischen Republik. Und dabei ist die Zahl der durch Wilderer getöteten Dickhäuter nicht eingerechnet. Ein Grund sei, dass sich die Tiere viel langsamer vermehrten als angenommen, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zur Entwicklung der Waldelefantenpopulation.

Von 1990 bis 2013 beobachtete Turkalo fast täglich Waldelefanten in der Dzanga Bay (Zentralafrikanische Republik) und sammelte Daten. „Weibliche Waldelefanten in der Dzanga-Population bekommen das erste Junge erst mit 23 Jahren, das ist bemerkenswert spät“, sagte Turkalo. Die Afrikanischen Elefanten pflanzten sich bereits mit zwölf Jahren fort und zudem auch häufiger - alle drei, vier Jahre. Waldelefantenkühe seien nur alle fünf, sechs Jahre trächtig.

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