Mehr als eine „undichte Toilette“
Bei Wohnungspreisen zwischen 1,5 und zehn Millionen US-Dollar (1,3 und 8,9 Mio. Euro) war die 301 Mission Street an sich als neue Vorzeigeadresse der Reichen und Prominenten in der US-Metropole San Francisco geplant. Der dort 2009 eröffnete 58 Stockwerke hohe Millennium Tower sorgt mittlerweile aber aus ganz anderen Gründen für Schlagzeilen: Das Gebäude versinkt buchstäblich im Boden.
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Seit seiner Fertigstellung ist das Hochhaus bereits um 40 Zentimeter abgesackt, wie der „San Francisco Chronicle“ bereits Anfang August mit Verweis auf Angaben der besorgten Bewohner berichtete. Diese wurden mittlerweile nicht nur bestätigt, laut „Wall Street Journal“ („WSJ“) wird das Gebäude weiter im offenbar zu sandigen Untergrund von San Franciscos Stadtteil South of Market (SoMa) versinken und sich dabei auch merklich zu Seite neigen.

Reuters/Beck Diefenbach
Zeugnis eines absinkenden Hochhauses: Risse auf dem Gehsteig vor San Franciscos Millennium Tower
Mit Verweis auf aktuelle Berechnungen könnte der in Medien bereits zum „schiefen Turm von San Francisco“ umgetaufte Millennium Tower in Summe um rund 75 Zentimeter absinken und rund 40 Zentimeter in nordwestliche Richtung „kippen“. Dennoch sieht neben Bürgermeister Edwin M. Lee auch die hinter dem Projekt stehende Firma Millennium Partners die Sicherheit des Gebäudes auch weiterhin nicht in Gefahr. Zudem habe man sich beim Bau des Hochhauses an die gültigen Bauvorschriften und Gesetze gehalten.
Schwere Vorwürfe
Ob die Sicherheit wirklich nicht in Gefahr ist, beschäftigt mittlerweile nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Justiz. Einer der Bewohner wirft der Baufirma per Klage etwa vor, das Fundament nicht wie von Experten berechnet in 70, sondern lediglich in 30 Metern verankert zu haben. Mit Vorwürfen konfrontiert ist aber auch San Franciscos Baubehörde wegen eines in unmittelbarer Nähe befindlichen Großprojektes.
Der dort im Bau befindliche neue Nahverkehrsbahnhof, konkret das für diesen ausgehobene Loch, wurde auch von Millennium Partners als mögliche Ursache für das Absinken des Hochhauses genannt. Ganz im Zeichen der Spurensuche stand erst vergangene Woche die letzte Anhörung in der Causa. Geht es nach dem Onlineportal Curbed, stand bei dieser auch ein Schreiben eines Ingenieurs der Stadtverwaltung im Zentrum, der Millennium Partners bereits 2009 vor dem im Sinken befindlichen Gebäude gewarnt haben soll.
Viele offene Fragen
Der für San Francisco in der Causa als Supervisor tätige Aaron Peskin ortet jedenfalls gleich eine Reihe offener Fragen. Die Stadt habe nicht nur die Verpflichtung, alles für die Sicherheit seiner Bewohner zu tun - geklärt werden müsse auch, was falsch gelaufen sei. Man habe es hier mit weit mehr als einer „undichten Toilette“ zu tun, wie Peskin gegenüber CBS sagte.
Beim Millennium Tower stelle sich nun etwa die Frage, inwieweit das Gebäude noch erdbebensicher sei. Geklärt werden müsse aber auch, ob sich andere Gebäude in einer „potenziell ähnlichen Situation“ befinden.
Aufgeschreckte Investoren
Angesichts der durch die Debatte aufgeschreckten Investoren sah sich Millennium Partners um Verweis auf die Nachhaltigkeit eines weiteren Vorzeigeprojekts in San Francisco bemüht. Da auf keinem aufgeschütteten Land gebaut wurde, drohe das im Bau befindliche Hochhaus 706 Mission sicherlich nicht zu versinken, wie das Unternehmen laut „San Francisco Business Times“ mitteilte.
Millennium Partners bezeichnete das 500-Millionen-Dollar-Projekt der Zeitung zufolge vielmehr als San Franciscos „nächste große Adresse“ und trifft mit dieser Ankündigung wohl bei früherer Kundschaft den falschen Nerv: Ob und zu welchem Preis sich Wohnungen in einem sinkenden Hochhaus noch verkaufen lassen, gilt derzeit selbst im aufstrebenden SoMa als höchst umstritten.
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