Umfragen ohne klares Bild
Hillary Clinton hat ihre krankheitsbedingte Pause beendet und ist wieder in den Wahlkampf um das US-Präsidentenamt eingestiegen. Es sei ein Geschenk gewesen, einmal eine Auszeit zu haben, sagte die 68-Jährige in Greensboro in North Carolina. Clinton hatte am Sonntag bei einem Auftritt einen Schwächeanfall erlitten und musste daraufhin zugeben, an einer Lungenentzündung erkrankt zu sein.
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„Es ist großartig, im Wahlkampf zurück zu sein“, rief sie ihrem Publikum zu. „Zwei Monate vor dem Wahltermin ist zu Hause zu sitzen das Letzte, was ich tun will.“ Ein bisschen Ruhe habe ihr aber wahrscheinlich ganz gutgetan. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin nutzte den Auftritt, um die Probleme des US-Gesundheitssystems anzuprangern. Millionen Amerikaner könnten es sich nicht leisten, krankheitsbedingt nicht zur Arbeit zu gehen, sagte sie. Viele hätten zudem noch immer keine Krankenversicherung, weil es zu teuer sei.
Nur kurzes Bad in Menge und ehrliches Eingeständnis
Ihre Rede am Donnerstag war mit 23 Minuten Dauer vergleichsweise kurz, auch nahm sich Clinton nur fünf Minuten Zeit, um Hände zu schütteln. Zuvor hatte sie oft 20 Minuten damit verbracht, ihre Anhänger zu treffen.
Die Ex-Außenministerin kündigte weitere Termine für die kommende Woche an. „Ich mache seit Jahren Politik“, sagte sie. „Das ist kein einfaches Metier.“ Sie habe aber ihre eigenen Strategien entwickelt, um mit den Schwierigkeiten fertig zu werden. Clinton räumte auch ein, nicht für den großen Auftritt geschaffen zu sein: „Was den öffentlichen Dienst angeht, war ich immer besser im Bereich Dienst als im Bereich Öffentlichkeit.“
Heißes Rennen
Auch wenn Clintons Ausfall nur wenige Tage dauerte, könnte er sich doch negativ auf ihre Kampagne auswirken. Der republikanische Kandidat Donald Trump hat in den vergangenen Wochen in den Umfragen eine Aufholjagd vollzogen, die beiden Kandidaten liegen knapp beieinander mit meist nur ein, zwei Prozentpunkten Unterschied. In manchen Umfragen liegt Trump bereits vor seiner demokratischen Konkurrentin.
Dass sie selbst ihre Erkrankung nicht früher kommunizierte, brachte Clinton Vorwürfe ein, nicht transparent gehandelt zu haben. Das Trump-Lager nährt zudem schon seit Wochen Spekulationen, Clinton sei in Wirklichkeit schwer krank. Die 68-Jährige veröffentlichte schließlich ein Attest ihrer Ärztin, das ihr bescheinigt, gesundheitlich fit für das Präsidentschaftsamt zu sein.
Trump sieht sich in „glänzender“ Verfassung
Trump gab daraufhin ebenfalls Einblick in seinen Gesundheitsakt. Wenig überraschend attestierte sein langjähriger Arzt Harold Bornstein dem 70-Jährigen, in „glänzender körperlicher Verfassung“ zu sein. Er rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilogramm bei 1,90 Meter Körpergröße ein bisschen zu dick, heißt es in dem Brief des Arztes.
Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Gesundheitsprobleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus dem Gesundheitsakt.
Gefälligkeitsgutachten für Trump sorgte für Aufsehen
Bornstein, eine schillernde Figur unter New Yorks Medizinern, hatte Trump in einem umstrittenen Brief bereits zuvor attestiert, der republikanische Kandidat sei der „gesündeste Kandidat, der jemals in das Präsidentenamt gewählt“ werde. Später räumte Bornstein ein, diesen Brief habe er in nur fünf Minuten geschrieben, während vor der Praxistür Trump-Vertraute warteten.
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