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Auch sanierte Bauten zerstört

Nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien hat die Staatsanwaltschaft in den verwüsteten Regionen Ermittlungen wegen Verstößen gegen die Bauordnung aufgenommen. Vor allem die Dörfer Amatrice und Accumoli wurden schwer getroffen - in den Fokus rückt dabei, dass auch vermeintlich erdbebensichere Gebäude zerstört wurden.

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„Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden“, zitierte die Tageszeitung „La Repubblica“ am Samstag Staatsanwalt Giuseppe Saieva. Bei einigen der zerstörten Häuser sei „mit mehr Sand als Zement“ gebaut worden. Laut dem deutschen „Spiegel“ sichten vier Staatsanwälte die aus dem Rathaus von Amatrice geborgenen Bauunterlagen. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden. Bei dem Beben starben 292 Menschen.

Sanierte Schule brach zusammen

Auffallend sei, dass viele Neubauten und frisch sanierte Gebäude dem Erdbeben nicht standhalten konnten. In Amatrice fiel eine im Jahr 2012 frisch renovierte Volksschule einfach in sich zusammen. Wie die „Repubblica“ berichtet, waren für den Umbau der Schule 700.000 Euro bereitgestellt worden, 200.000 davon extra für die Erdbebensicherheit. Dieses Geld wurde nie ausgezahlt, sondern von der Kommune vorgestreckt. Gegen die Inhaber der sanierenden Baufirma wurden bereits mehrere Verfahren eröffnet.

Auch Ermittlungen in Ascoli Piceno

Auch die Staatsanwaltschaft in der Provinz Ascoli Piceno leitete Ermittlungen nach dem Erdbeben ein, dem in Arquata und Pescara del Tronto Dutzende Menschen zum Opfer gefallen sind. Untersucht werden soll unter anderem, wer für den Bau, Wiederaufbau und die Erdbebensicherung der Wohngebäude zuständig war, wie die Nachrichtenagentur ANSA meldete. Ein Teil des betroffenen Gebiets war bereits 1997 bei einem Beben in Mitleidenschaft gezogen worden.

Zerstörtes Gebäude in Amatrice

APA/AFP/Filippo Monteforte

Das Ausmaß der Schäden ist gewaltig

Der Bürgermeister von Arquata del Tronto wies Fehler beim Wiederaufbau nach dem Unglück von 1997 zurück. „Ich habe 13 Dörfer, von denen drei dem Erdboden gleichgemacht wurden. Aber die nach dem Erdbeben von 1997 wieder aufgebauten Teile sind nicht betroffen“, sagte Leandro Petrucci der ANSA. „Die nach dem Erdbeben vor 19 Jahren wieder aufgebauten Häuser haben gehalten, auch wenn sie beschädigt sind.“

Strenge Regeln nicht immer durchgesetzt

Grundsätzlich gelten im erdbebengefährdeten Italien seit den 1970er Jahren strenge Regeln zu bebensicherem Bauen, die nach Erdbeben wie jenem in L’Aquila im Jahr 2009 immer wieder nachgeschärft wurden. Diese greifen aber nicht überall. Korruption, Misswirtschaft und mangelnde Berücksichtigung der Vorschriften sind nur drei der Gründe, weswegen Gebäude nicht erdbebensicher gemacht werden.

Die bereitstehenden Fördergelder für erdbebensicheres Bauen kommen oft nicht bei den Hausbesitzern an oder decken die Kosten für einen gründlichen Umbau nicht. Zusätzlich hat Italien viele historische Stadtkerne mit alten Gebäuden aus schlechten Baumaterialien. Wie der „Spiegel“ schreibt, lande das für Erdbebensicherheit angedachte Geld auch nicht immer an der richtigen Stelle: So würden etwa Mittel, um das nun vollkommen zerstörte Rathaus von Amatrice zu stabilisieren, „anderwertig eingesetzt“.

Regierung verspricht schnellen Aufbau

Amatrice ist nach Einschätzung des Bürgermeisters nicht mehr zu retten. „Amatrice muss komplett dem Erdboden gleichgemacht werden“, sagte Sergio Pirozzi am Freitag. Im historischen Zentrum, das noch aus dem Mittelalter stammt, sei kein Gebäude mehr intakt. „Wir wollen (die Stadt) am gleichen Ort, vielleicht in gleicher Form und mit der gleichen Ästhetik aufbauen.“

Beim Wiederaufbau will sich Pirozzi an Trentino-Südtirol ein Beispiel nehmen. „Wir wollen Orte lokalisieren, an denen wir Holzhäuser nach dem Modell von Trentino-Südtirol und der Schweiz aufbauen können, die für diese Gegend angemessen sind“, meinte er. Ein wesentlicher Schritt sei der Aufbau einer mobilen Struktur, die als Schule dienen könne. Danach müsse der historische Kern der Gemeinde aufgebaut werden. Als Modell sollten die erfolgreichen Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben in Friaul 1976 dienen.

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