„Säuberungen“ auch unter Akademikern
Die Festnahmewelle in der Türkei nimmt kein Ende: Einen Monat nach dem vereitelten Putschversuch greift Staatschef Recep Tayyip Erdogan zunehmend in der Geschäftswelt durch. Bei der Fahndung nach mutmaßlichen Unterstützern des islamischen Predigers Fethullah Gülen durchsuchte die türkische Polizei am Donnerstag mehrere Unternehmen.
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Bei der Razzia in Istanbul und in mehreren anderen Provinzen sollten 187 Haftbefehle vollstreckt werden, wie der TV-Sender CNN Türk am Donnerstag berichtete. Etwa tausend Beamte waren laut dem Sender an dem Einsatz beteiligt. Erst Anfang August hatte Erdogan angekündigt, die „Säuberungen“ nach dem Putschversuch auch auf die Geschäftswelt auszuweiten.
Schon davor Dutzende Verhaftungen
Türkische Ermittler hatten bereits am Dienstag Dutzende Unternehmen in Istanbul durchsucht und etwa hundert Menschen in Gewahrsam genommen. Die Regierung in Ankara macht den Prediger Gülen und seine Anhänger für den versuchten Militärputsch Mitte Juli verantwortlich. Der in den USA im Exil lebende islamische Prediger bestreitet die Vorwürfe.
Zig Akademiker verhaftet
Am Freitag wurde bekannt, dass die türkische Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen 84 Akademiker wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung erlassen hat. Die Polizei habe einen Großeinsatz in 17 Provinzen gestartet und bereits 29 Akademiker festgenommen, meldete die Nachrichtenagentur Dogan am Freitag. Die meisten von ihnen stammten von der Selcük-Universität im anatolischen Konya, darunter der frühere Hochschulrektor Hakki Gökbel.
Bisher wurden nach Angaben von Regierungschef Binali Yildirim im Zuge der Ermittlungen gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger bereits mehr als 40.000 Menschen festgenommen. Die Hälfte von ihnen wurde laut den Angaben angeklagt und inhaftiert. Wegen der Überlastung der Gefängnisse kündigte Justizminister Bekir Bozdag an, rund 38.000 Gefangene auf Bewährung freizulassen. Zudem wurden mehr als 81.000 Staatsbedienstete suspendiert oder entlassen. Viele Schulen und andere Einrichtungen, denen Verbindungen zu Gülen nachgesagt werden, wurden geschlossen.
Auslieferungsgesuch für geflohene Militärs
Ankara pocht außerdem auf die Auslieferung jener acht türkischen Militärs, die am Putschabend via Hubschrauber nach Griechenland geflohen waren und dort Asyl beantragten. Ein offizielles Auslieferungsgesuch sei in Athen eingelangt, hieß es dort aus Justizkreisen. Am Freitag soll die Anhörung der ersten beiden Militärs in Athen beginnen.
Druck auf Medien wächst
Zunehmend verschärft wird auch das Vorgehen gegen Medien: Unter den Personen in U-Haft befinden sich Dutzende Journalisten. Ein Istanbuler Gericht ordnete am Dienstag die Schließung der prokurdischen Zeitung „Özgür Gündem“ („Freie Agenda“) an. Wie aus der von Aktivisten verbreiteten Entscheidung hervorgeht, wird dem Blatt Propaganda für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorgeworfen. Gegen zahlreiche Journalisten der Zeitung läuft seit Wochen ein Verfahren wegen Terrorpropaganda, von zwei Reportern wurden die Reisepässe für ungültig erklärt.
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