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Sprengsatz in Menschenmenge gezündet

Bei einem Selbstmordanschlag vor einem Krankenhaus im pakistanischen Quetta nahe der Grenze zu Afghanistan sind am Montag mindestens 70 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Zu der grausamen Tat bekannten sich anschließend gleich zwei Gruppen, einerseits ein pakistanischer Taliban-Ableger, andererseits die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

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Der Sprecher der Taliban-Gruppe Jamaat-ur-Ahrar, Ehsanullah Ehsan, erklärte in einer E-Mail an verschiedene Medienhäuser, die Gruppe habe den Anschlag verübt. „Heute Morgen haben wir zuerst einen Angriff auf den Chef der Anwältevereinigung verübt, um ihn zur Hölle zu schicken. Später, als Anwälte (vor der Klinik) protestierten, haben wir einen Selbstmordattentäter geschickt, der mehrere Anwälte und Regierungsbeamte getötet hat“, hieß es.

IS-Kommandant soll Medien angerufen haben

Eine IS-nahe Quelle sagte unterdessen der Deutschen Presse-Agentur, dass ein Kommandant der Terrormiliz mehrere Medienhäuser angerufen und den Anschlag vor der Klinik für sich reklamiert habe. Der Sender Geo TV hatte die Nachricht für einige Minuten auf dem Bildschirmticker, löschte sie dann jedoch.

Eine offizielle Stellungnahme des IS gab es zunächst nicht. Es ist in Pakistan nicht unüblich, dass mehrere Extremistengruppen ein und denselben Anschlag verübt haben wollen. Behörden wollten sich zu beiden Bekenntnissen zunächst nicht äußern.

Karte von Pakistan

Grafik: APA/ORF.at

Angriff auf Trauerzug

Der Attentäter habe seinen Sprengsatz inmitten einer Menge von mehr als 100 Menschen gezündet, sagte der verletzte Journalist Faridullah der Nachrichtenagentur Reuters. Vor allem Anwälte und Journalisten hätten vor der Notaufnahme des Krankenhauses in Quetta auf die Freigabe des Leichnams des prominenten Rechtsanwalts Bilal Anwar Kasi gewartet, um ihm mit einem Trauerzug durch die Stadt das letzte Geleit zu geben.

Kasi war Präsident der Anwaltskammer in der Provinz und wurde nach Angaben der Polizei auf dem Weg ins Gericht getötet. Der Anschlag habe sich gezielt gegen die Trauernden gerichtet, sagte der Sprecher der Provinzregierung von Baluchistan, Anwar ul Haq Kakar. Vor Kasi waren bereits einige weitere Anwälte in Quetta ermordet worden.

Journalisten demonstrieren gegen den Anschlag in Quetta, Pakistan

APA/AFP/Rizwan Tabassum

Journalisten gedachten der toten Kollegen und protestierten gegen die Urheber des Terrorakts

Quetta gilt als Führungssitz der afghanischen Taliban

Im März tötete die Taliban-Gruppe Jamaat-ur-Ahrar bei einem Anschlag in einem Park in Lahore im März 72 Menschen, unter ihnen viele Kinder. Quetta gilt seit Langem als Sitz der Führung der afghanischen Taliban. Deren Anführer Mullah Akhtar Mansour wurde im Mai durch einen US-Drohnenangriff getötet, als er von der iranischen Grenze aus in Richtung Quetta reiste.

Der IS hatte sich 2015 in Pakistan zu zwei großen Anschlägen bekannt. Am 13. Mai 2015 hatten Kämpfer einen Bus mit Mitgliedern der Ismaeliten-Minderheit angegriffen und mindestens 45 Menschen getötet. Am 16. August 2015 hatte ein Selbstmordattentäter im Attok-Bezirk nahe der Hauptstadt Islamabad 14 Menschen in den Tod gerissen, darunter den Innenminister der Provinz Punjab, Shuja Khanzada.

Verschiedene Angaben zu IS-Präsenz

In Afghanistan soll die Organisation derzeit rund 2.500 Kämpfer haben, die meisten in der an Pakistan angrenzenden Provinz Nangarhar. Sie werden im Moment fast täglich von US-Drohnen und Jets angegriffen. Die pakistanische Regierung beharrt darauf, dass der IS keine organisierte Präsenz im Land habe. Medien melden aber immer wieder Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern. Der IS selbst sagt, er wolle unter anderem auf pakistanischem und afghanischem Staatsgebiet eine neue IS-Provinz einrichten, die Khorasan-Provinz.

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