Mögliche „logistische Unterstützung“
Eineinhalb Wochen nach dem Anschlag von Nizza hat die Polizei zwei weitere Verdächtige festgenommen. Bei der Suche nach Helfern des Angreifers Mohamed Lahouaiej Bouhlel seien zwei Männer in Polizeigewahrsam genommen worden, verlautete am Dienstag aus Ermittlerkreisen. Es gehe um die Frage einer möglichen „logistischen Unterstützung“ des frankotunesischen Attentäters.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Die Behörden versuchten weiterhin, mögliche logistische Unterstützer des Angreifers ausfindig zu machen und herauszufinden, ob er weitere Komplizen hatte, hieß es. Nach dem Anschlag am 14. Juli mit 84 Toten waren bereits Ermittlungsverfahren gegen vier Männer und eine Frau eingeleitet worden, die Verdächtigen befinden sich in Untersuchungshaft.
Ihnen wird unter anderem Beihilfe zu terroristischen Morden zur Last gelegt. Einige von ihnen sollen Lahouaiej Bouhlel dabei geholfen haben, sich eine Pistole zu besorgen. Der 31-Jährige war am Abend des französischen Nationalfeiertags auf einer Strandpromenade in Nizza mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Bei einer anschließenden Schießerei mit der Polizei wurde er erschossen.
Kritik an Innenministerium
In der Folge war Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve in die Kritik geraten. Cazeneuve wurde vorgeworfen, falsche Angaben zu den Sicherheitsmaßnahmen in Nizza gemacht zu haben. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie gut der Uferboulevard Promenade des Anglais gesichert war, auf dem der Angreifer in eine Menschenmenge fuhr.
An einem ersten Kontrollpunkt waren offenbar nur leicht bewaffnete städtische Polizisten, nicht aber Angehörige der nationalen Polizei postiert. Der Streit spitzte sich am Sonntag zu: In einem Zeitungsinterview warf die Leiterin der Videoüberwachung bei der städtischen Polizei von Nizza dem Innenministerium vor, beim Verfassen eines Berichts zu dem Anschlag Druck auf sie ausgeübt und sie zum Löschen von Aufnahmen gezwungen zu haben.
Premier nimmt Minister in Schutz
Cazeneuve wies die Vorwürfe zurück und kündigte eine Anzeige wegen Verleumdung gegen die Frau an. Am Sonntagabend sprach der Innenminister im Sender France 2 von einer „niederträchtigen Kampagne“ gegen ihn. Er sei davon „zutiefst angewidert“.
Am Montag nahm auch Premier Manuel Valls seinen Innenminister in Schutz. Die Vorwürfe gegen den Minister seien Teil einer „politischen Polemik“, mit der die Regierung „destabilisiert“ werden solle, sagte Valls am Montag im Sender RMC. Cazeneuve sei ein „ehrenhafter Mann, ein Staatsmann, ein großartiger Innenminister“. Frankreichs Staatschef Francois Hollande mahnte am Montag bei einem Besuch von Soldaten nahe Paris, es sei Aufgabe der Justiz „und von niemand anderem“, die Wahrheit aufzudecken. Er versprach erneut umfassende „Transparenz“.
Links: