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Polizei geht von Einzeltäter aus

Die Hintergründe für die Bluttat vor und im Münchner Olympia-Einkaufszentrum Freitagabend mit insgesamt zehn Toten und 16 Verletzten sind noch völlig unklar. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass es sich bei dem 18-jährigen Deutsch-Iraner um einen Einzeltäter handeln muss. Dieser tötete sich selbst. Seine Leiche wurde in der Nähe des Einkaufzentrums gefunden.

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Insgesamt waren 21 Verletzte ins Krankenhaus gebracht worden. 16 sind noch in Behandlung, drei von ihnen sind schwer verletzt. Laut Polizei befanden sich fünf Jugendliche unter den Toten, die vier anderen - abgesehen von dem 18-jährigen Täter - waren Erwachsene. Nach Angaben der kosovarischen Regierung sind unter den Münchner Todesopfern drei Bürger des Landes. Das erklärt das Außenministerium des Balkanstaates unter Berufung auf die deutschen Behörden.

US-Geheimdienste gehen nicht von Anschlag aus

Zu einem möglichen Motiv machte die Münchner Polizei bisher keine Angaben. Der Täter sei bisher noch nicht polizeilich aufgefallen, sagte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä. Während Frankreichs Präsident Francois Hollande klar von einem „terroristischen Anschlag“ spricht, hält es die deutsche Polizei für verfrüht, von einem Amoklauf oder Terroranschlag zu sprechen. Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gab es den Behörden zufolge zunächst nicht.

Karte zeigt das Olympia-Einkaufszentrum in München

Grafik: Omniscale/OSM/ORF.at

In US-Geheimdienstkreisen wurde die Tat eher nicht als Terroranschlag bewertet: „Dadurch, dass er Schiit war, ist eine Verbindung zum Islamischen Staat, Al-Kaida oder einer anderen sunnitischen Gruppierung so gut wie ausgeschlossen“, sagte ein Geheimdienstinsider der Nachrichtenagentur Reuters. Die beiden Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten sind in großen Teilen des Nahen Ostens verfeindet. Deutsche und amerikanische Geheimdienste arbeiten bei der Terrorabwehr eng zusammen.

Hausdurchsuchung Samstagfrüh

Die deutschen Behörden werten nun im Zuge der Ermittlungen alle Hinweise aus - darunter auch ein Video, das vor einer Fast-Food-Kette aufgenommen wurde. Dort sollen die ersten Schüsse gefallen sein, die dann im Einkaufszentrum fortgesetzt wurden. In diesem im Internet verbreiteten Video soll es sich laut Andrä um den Täter handeln. In einer Diskussion mit einem Augenzeugen schrie er, dass er „ein Deutscher“ sei, aus einer „Hartz-IV-Gegend“ stamme, und er gab an, in Behandlung zu sein. Im Hintergrund sind Schüsse zu hören.

Polizisten bei einer Hausdurchsuchung in München

APA/AFP/DPA/Tobias Hase

Bei der Hausdurchsuchung wurden Daten von der Polizei mitgenommen

Samstagfrüh durchsuchte die Polizei laut einem Bericht von „Bild“ (Onlineausgabe) offenbar eine Wohnung im Stadtteil Maxvorstadt. Das mehrstöckige Haus wurde weiträumig abgesperrt. Ermittler trugen dem Bericht zufolge Kartons aus dem Haus. Die Polizei wollte aber nicht bestätigen, dass der Einsatz der Wohnung des Täters oder der Wohnung von dessen Vater gegolten habe. Nachbarn beschreiben den mutmaßlichen Täter gegenüber Medien als freundlich und hilfsbereit.

Cobra-Verstärkung aus Österreich

Zu einer „massiven Verunsicherung“ in der Bevölkerung hätten Zeugenberichte und Hinweise auf weitere Schießereien und Geiselnahmen geführt, so Andrä. Zu der einstigen Annahme, dass es sich um drei mögliche Täter handeln könne, hätten Aussagen geführt, dass vom Tatort ein Auto mit hoher Geschwindigkeit davongefahren sei. Diese Berichte hätten sich aber als falsch herausgestellt. Zudem forderte die Polizei die Menschen dazu auf, keine Bilder von Opfern zu veröffentlichen.

ORF-Bericht aus München

ORF-Korrespondentin Giorgia Guillaume meldet sich aus München und erzählt vom Ausnahmezustand, der in der Nacht in München geherrscht hat.

Doch auch die Polizei hatte vor einer „akuten Terrorlage“ gewarnt. Die Stadt München hatten wegen einer „Amoklage“ den „Sonderfall“ ausgerufen. Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an. Nach Angaben der Polizei gab es am Abend und in der Nacht 2.300 Einsatzkräfte in München, darunter auch 42 Cobra-Spezialpolizisten aus Österreich.

Sondersitzung in Bayern

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ordnete nach dem Attentat für Samstag Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden an. Für Samstag berief er eine Sondersitzung seines Kabinetts ein. In Berlin tagt noch am Samstag das Bundessicherheitskabinett. Ihm gehört auch Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) an - er unterbrach bereits zum zweiten Mal in dieser Woche seinen Urlaub und kehrte aus den USA nach Berlin zurück.

Der Innenminister ordnete am Samstag bundesweite Trauerbeflaggung an. An allen Dienstgebäuden des Bundes sollten damit die Flaggen auf halbmast gesetzt werden - als „Zeichen der Anteilnahme nach der abscheulichen Gewalttat in München“, so De Maiziere. Zu Mittag will die Polizei eine weitere Pressekonferenz geben.

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