Irakische Flagge auf Regierungsgebäude
Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi hat die Befreiung der Stadt Falludscha im Westen des Landes aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verkündet. „Wir haben die Befreiung von Falludscha versprochen und wir haben die Stadt zurückerobert“, sagte Abadi Freitagabend in einer Fernsehansprache.
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„Im Irak gibt es keinen Platz für Daesch“, wie Abadi weiter sagte. Die nächste Schlacht werde nun in Mossul stattfinden, teilte Abadi auch via Twitter mit: Auch in der nordirakischen Großstadt und der größten IS-Hochburg des Landes werde „Daesch besiegt“.
Daesch statt IS
Daesch ist die Abkürzung der arabischen Entsprechung von „Der Islamische Staat im Irak und in der Levante“ (ISIS). Im Arabischen („Ad-daula al-islamija fil-irak wa-l-scham“) ergibt sich aus den ersten Buchstaben „DAESCH“ oder - standardsprachlich - „DAISCH“. Das Akronym wird oft negativ konnotiert verwendet, auch weil es ähnlich klingt wie das Wort „Dahes“ (etwa: jemand, der Zwietracht sät). Der IS selbst lehnt seine Benutzung ab.
Stadtzentrum unter Kontrolle
Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bestätigte, dass irakische Truppen das Zentrum eingenommen hätten. Sie arbeiteten nun daran, die Terrormiliz auch aus den restlichen Teilen zurückzudrängen
Der Leiter des Einsatzes, Generalleutnant Abdulwahab al-Saadi, sagte, 70 Prozent von Falludscha seien zurückerobert. Die irakischen Truppen konnten Freitagfrüh erstmals ins Zentrum der Stadt vorrücken und den Regierungskomplex und ein Krankenhaus einnehmen. Auf dem Sitz des Bezirksgouverneurs wurde die irakische Flagge gehisst.
Die Eroberung der Regierungsgebäude bedeute „die Wiederherstellung der staatlichen Autorität“ in Falludscha, sagte der oberste Polizeichef des Landes, Raid Schaker Dschaudat. Die Truppen hatten auf ihrem Weg ins Zentrum von Falludscha Viertel im Süden und im Osten unter ihre Kontrolle gebracht, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Im Norden seien aber noch vereinzelte Gebiete unter IS-Kontrolle.
Sprengfallen und Zivilisten als Schutzschilde
Die irakische Armee, Polizeikräfte und Milizen hatten die Offensive auf Falludscha im Mai begonnen. Die US-geführte internationale Koalition unterstützt die Operation gegen den IS mit Luftangriffen.

Reuters/Thaier Al-Sudani
Irakische Soldaten in Falludscha
Der Vormarsch der Regierungskräfte ging zuletzt deutlich langsamer voran, unter anderem weil die Extremisten Straßen und Gebäude mit zahlreichen Sprengfallen versehen haben. Zudem wurden laut Angaben aus Militärkreisen Zivilisten als Schutzschilde missbraucht.
Zündstoff für neue Konflikte
Die Offensive der Regierungskräfte verschärfte unterdessen aber auch die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten im Land. An der Operation im sunnitischen Kernland des Irak sind auch mehrere berüchtigte schiitische Milizen beteiligt. Sunnitische Politiker und Menschenrechtler warfen ihnen in den vergangenen Tagen Vergeltungsakte gegen Sunniten im Umland von Falludscha vor.
Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurden 17 Männer eines sunnitischen Stammes erschossen. Schiitische Milizen sollen demnach auch Hunderte Sunniten gefangen genommen und schwer misshandelt haben, weil sie angeblich mit dem IS zusammengearbeitet haben.
Die Sunniten sind nach den Schiiten die zweitgrößte religiöse Gruppe im Land. Bis zum Sturz des Regimes von Ex-Diktator Saddam Hussein im Jahr 2003 bildeten sie die Elite in Regierung, Verwaltung, Militär und Geheimdiensten. Das Saddam-Regime unterdrückte Schiiten mit brutaler Gewalt. Heute fühlen sich viele Sunniten von der von Schiiten dominierten Regierung diskriminiert. Eine Folge daraus ist der Zulauf für den IS.
40.000 auf der Flucht
Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seien seit Beginn der Falludscha-Offensive zudem mehr als 40.000 Menschen unter größter Lebensgefahr aus der umkämpften Stadt geflohen. Hilfsorganisationen fehlt es jedoch akut an Geld, um die notleidenden Menschen zu unterstützen. Die UNO hat 2016 nach eigenen Angaben erst 31 Prozent des Geldes erhalten, das sie für die Versorgung von mehr als sieben Millionen Irakern in Not benötigt.

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/ISW
Irakische Sicherheitskräfte nahmen nach eigenen Angaben unterdessen mehr als 500 mutmaßliche IS-Mitglieder fest. Die Verdächtigen mischten sich demnach unter Zivilisten, die in den vergangenen zwei Wochen aus Falludscha flohen. Schätzungen zufolge hielten sich zuletzt noch zwischen 1.000 und 2.500 IS-Kämpfer in Falludscha auf.
Strategisch wichtige Bedeutung
Die Stadt in der Provinz al-Anbar rund 70 Kilometer westlich von Bagdad liegt an einer wichtigen Verbindungsroute unter anderem nach Syrien und hat deshalb eine hohe strategische Bedeutung.
Falludscha war während des Irak-Kriegs Ende 2003 bis November 2004 Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen US-Truppen und Rebellen. Die Stadt am Euphrat entwickelte sich zu einer Hochburg des Widerstands gegen die Besatzung. Anfang 2014 übernahm die IS-Miliz die Kontrolle über Falludscha. Neben Mosul war sie zuletzt noch die letzte irakische Großstadt, die sich noch in der Gewalt der Dschihadisten befand.
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