Flughafen Hahn und Inter Mailand
Chinesische Firmen sind in Europa weiter auf Einkaufstour. Zuletzt sorgte der Verkauf des deutschen Flughafens Frankfurt-Hahn und des italienischen Traditionsfußballvereins Inter Mailand für Schlagzeilen. Als Nächstes könnte der deutsche Roboterbauer Kuka folgen.
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Der Verkauf des vor allem von der Billigfluglinie Ryanair genutzten Flughafens Frankfurt-Hahn wurde erst vergangene Woche vom deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz bekanntgegeben. Die Firma Shanghai Yiqian Trading werde den bisher von Rheinland-Pfalz gehaltenen Anteil von 82,5 Prozent für einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag übernehmen.
Hahn ist einer der ehemaligen Militärflughäfen in Deutschland, die kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden haben. Rheinland-Pfalz musste wiederholt Geld nachschießen. Das deutsche Bundesland sei auch nach dem Verkauf bereit, Betriebs- und Investitionsbeihilfen zu gewähren, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz.
Auch Hessen verhandelt über Verkauf
Der rheinland-pfälzische Landtag muss dem Anteilsverkauf noch zustimmen. Unterdessen könnte Shanghai Yigian Trading bald 100 Prozent übernehmen. Die vom deutschen Bundesland Hessen gehaltenen 17,5 Prozent sind laut Agenturberichten bereits Gegenstand von Verhandlungen. Der Flughafen wird voraussichtlich weiter mit Steuergeld unterstützt. In Absprache mit der EU-Kommission und dem Käufer könnten nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums bis zum Jahr 2024 Betriebsbeihilfen von bis zu 25,3 Mio. Euro fließen.
Auch Kuka bald chinesisch?
Heftig umworben ist unterdessen auch der deutsche Roboterhersteller Kuka. Zuletzt versuchte Kuka-Chef Till Reuter Bedenken gegen die mögliche Übernahme durch chinesische Investoren zu zerstreuen. Gleichzeitig zeigte er sich offen für alternative Angebote. Wenn sich neue Optionen ergeben sollten, werde Kuka diese genauso ergebnisoffen prüfen wie das Angebot von Midea, sagte der Manager der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“).
Die geplante Übernahme von Kuka durch den chinesischen Klimaanlagen- und Hausgerätehersteller Midea, der bereits bei Kuka beteiligt ist, sorgt seit Wochen für heftige Kontroversen. Die deutsche Regierung sieht eine Verlagerung wichtiger Technologien ins Ausland generell kritisch.
Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte zuletzt gesagt, die Regierung greife nicht aktiv in unternehmerische Entscheidungen ein. Es sei aber klar, dass die Regierung aufmerksam beobachte, wenn es gezielte Beteiligungs- oder Übernahmeangebote für wichtige deutsche Know-how-Träger der Industrie gebe.
Einzelhändler übernimmt Inter Mailand
Für Schlagzeilen sorgte zuletzt eine in Italien getätigte chinesische Investition. Der Einzelhandelsriese Suning Commerce übernimmt dort den italienischen Fußballclub Inter Mailand. Suning bezahle für einen Anteil von knapp 70 Prozent rund 270 Millionen Euro, hieß es in einer Erklärung.
Der frühere Inter-Präsident Massimo Moratti wird sich Insidern zufolge auch als Eigner zurückziehen, während der aktuelle Clubchef Erick Thohir den Minderheitenanteil der restlichen gut 30 Prozent behalten werde. Inter Mailand, das 2010 die Champions League gewonnen hat, ist der bisher bekannteste europäische Fußballclub, der mehrheitlich in chinesische Hände übergeht. Vorgänger sind Espanyol Barcelona und Aston Villa. Minderheitsbeteiligungen halten chinesische Investoren an Manchester City und Atletico Madrid. Auch Inters Lokalrivale AC Milan wird von Interessenten aus der Volksrepublik umworben.
„Es geht um den Weltmarkt“
Es handelt sich nur um drei Beispiele einer „ganz beachtlichen Liste aus Firmen ganz verschiedener Branchen, die Ziel chinesischer Interessenten geworden sind oder vermutlich bald werden“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in einem anderen Artikel. Für jede dieser Übernahmen gebe es zwar „ganz spezielle Gründe“, dahinter stecke „aber auch System“. Chinas Führung rege chinesische Unternehmen schon länger an, international zu expandieren. Besonders für chinesische Staatskonzerne stehe im Fokus, „gezielt große Global Player“ zu schaffen.
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