Weniger Einsteiger bei Opiaten
Die Österreicher scheinen in Sachen Suchtmittelgebrauch einen Weg in Richtung Mäßigung einzuschlagen. Neueste Daten sprechen für einen Rückgang beim problematischen Alkohol-, Drogen- und Zigarettenkonsum. Weniger jugendliche Einsteiger gibt es bei den Opiaten, der Cannabisgebrauch ist stabil. Das erklärten kürzlich Experten des neuen Kompetenzzentrums Sucht der Gesundheit Österreich GmbH.
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In einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2014 gaben 38 Prozent der befragten Österreicher zwischen 15 und 24 Jahren an, zumindest einmal Cannabis benutzt zu haben. 20 Prozent berichteten von Konsum im vorangegangenen Jahr, neun Prozent von Gebrauch innerhalb der vorangegangenen 30 Tage. „Der Cannabiskonsum bleibt auf eine kurze Lebensphase beschränkt“, sagte Julian Strizek vom Kompetenzzentrum Sucht.
Die Alterskurve jener Personen, die angeben, im Jahr zuvor Cannabis verwendet zu haben, nimmt über Jahre dramatisch ab: von etwa 20 Prozent bei den 20-Jährigen auf fast null bei den 40-Jährigen. 2004 gaben 30 Prozent der Befragten an, jemals Cannabis verwendet zuhaben (drei Prozent im vorangegangenen Monat), 2015 waren es 33 Prozent und nur zwei Prozent im vorangegangenen Monat.
Weniger steigen in „problematischen“ Konsum ein
Insgesamt wird in Österreich ein Rückgang des problematischen Drogenkonsums beobachtet. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Europäische Drogenbericht 2016. Das ist speziell bei jüngeren Altersgruppen zu beobachten. 1999 hatten rund 4.500 Jugendliche bzw. junge Erwachsene gefährlichen Opioidkonsum gehabt. Ihre Zahl hatte 2004 mit rund 10.000 stark zugenommen. Mittlerweile sind es um die 4.000. Insgesamt dürften in Österreich zwischen 28.000 und 29.000 Menschen problematischen Opiatkonsum haben. 2009 waren es etwa 33.000.
„Immer weniger Jugendliche steigen in diesen problematischen Drogenkonsum ein“, bestätigt auch Martin Busch vom Kompetenzzentrum Sucht. Mit zeitlicher Verzögerung spielte sich eine ähnliche Entwicklung bei den drogenbezogenen Todesfällen ab. 85 Prozent der rund 23.000 Patienten, welche 2014 wegen ihrer Drogenproblematik in Behandlung waren, entfielen auf Personen mit Opioidkonsum im Zusammenhang mit anderen Suchtmitteln.
Substitutionstherapie nicht flächendeckend
Allerdings wurde offenbar mit einem Anteil der Opioidabhängigen in Substitutionstherapie von 60 Prozent in den vergangenen Jahren ein Plateau erreicht. „Der Hauptfaktor (für die Inanspruchnahme einer Therapie durch die Abhängigen, Anm.) ist, dass ein substituierender Arzt in der Nähe ist“, sagte Busch.
Das deutet darauf hin, dass in Österreich längst noch nicht flächendeckend eine niederschwellig erreichbare Möglichkeit für die Opiatsubstitutionstherapie vorhanden ist. Ballungszentren sind offenbar überrepräsentiert. Es sei auch die Frage, ob die gegenwärtige Substitutionstherapie immer den Bedürfnisse der Patienten entgegenkomme, meinte der Experte.
14 Prozent trinken zu viel
Eine Mäßigung sehen die Suchtexperten in Österreich auch beim Konsum von Alkohol und Zigaretten. 14 Prozent der Österreicher trinken in einem problematischen Ausmaß, so Strizek. Das sind bei Frauen längerfristig 40 Gramm reiner Alkohol pro Tag, bei Männern 60 Gramm. Das entspricht etwa drei Krügel Bier oder drei Viertel Wein. Das Problem liege aber nicht bei den Jugendlichen. Den höchsten Anteil problematischen Alkoholkonsums habe die Gruppe der 50- bis 60-Jährigen.
Bei den Jugendlichen nimmt auch der Zigarettenkonsum ab, beobachtet Suchtforscher Alfred Uhl. So hatten 2003 49 Prozent der österreichischen Jugendlichen in den vorangegangenen 30 Tagen zumindest eine Zigarette geraucht. 2015 waren es 29 Prozent. Auch bei den Verkaufszahlen für Zigaretten wurde ein Rückgang registriert.
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