„Man erntet oft Kritik“
Das TV-Duell am Sonntag zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen ist für die beiden Hofburg-Kandidaten zum Tiefpunkt des Stichwahlkampfs geworden. Nicht nur heimische Beobachter sahen die beiden und das Amt beschädigt. Auch die deutsche Presse urteilte hart über den Konfrontationsstil. Für Hofer und Van der Bellen ist in den letzten Tagen vor der Wahl nun Schadensbegrenzung angesagt.
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Die Möglichkeit, sich zu rechtfertigen, bekamen die beiden Hofburg-Kandidaten gleich bei ihrem ersten Zusammentreffen nach der verheerenden Diskussion. Am Dienstag hatte Ö3 den FPÖ-Kandidaten Hofer und den von den Grünen unterstützten Van der Bellen gemeinsam ins Studio gebeten, um sich den Fragen der Hörer zu stellen. Gleich die erste Frage nahm auf die aus dem Ruder gelaufene TV-Konfrontation Bezug - was ob der Form der Diskussion von Sonntag nicht verwundern durfte.

APA/Hans Punz
Van der Bellen und Hofer fehlte am Sonntagabend ein Schiedsrichter
In dem ohne Moderation geführten Privat-TV-Duell waren die beiden Kandidaten teils in einer Art aufeinander losgegangen, wie sie in diesem Wahlkampf noch nicht zu sehen gewesen war. Van der Bellen zeigte Hofer etwa die Scheibenwischergeste, der wiederum forderte seinen Kontrahenten auf, mit „einer Flasche“ zu reden - denn „die redet nicht zurück“. Immer wieder entgleiste den beiden auch ihre Wortwahl: „Frechheit“, „Nachplapperer“, „Lügner“, „Oberlehrer“ waren nur einige der gegenseitigen Zuschreibungen.
„Auch Politiker sind Menschen“
Er und Hofer seien „zwischendurch ziemlich hart aufeinandergekracht“, gestand Van der Bellen im Ö3-Gespräch ein. Allerdings: „Das war nicht ganz unerwartet. Denn was passiert, wenn man zwei Kontrahenten, die in vielen Dingen sehr unterschiedlicher Meinung sind, ohne Schiedsrichter, ohne Moderatorin zusammensperrt?“, fragte der von den Grünen unterstützte Kandidat. Hätten sich die beiden Kandidaten geweigert, bei dem „TV-Experiment“ mitzumachen, wären sie als „feig“ bezeichnet worden, so Van der Bellen. „Also wie man es macht: Man erntet oft Kritik.“

Hitradio Ö3/Martin Domkar
Hofer verspricht eine „gute Gesprächsbasis“
Hofer wiederum brachte die menschliche Komponenete ins Spiel. „Man darf nicht vergessen, dass auch Politiker Menschen sind, und wenn man eine innerliche Überzeugung hat und man diskutiert miteinander, dann kann es schon sein, dass auch Emotionen hochkommen“, so der FPÖ-Kandidat. Zumindest für die kommenden Tage bis zur Wahl gab es noch einmal eine Art Versprechen Hofers: „Ich bin mir sicher, dass wir auch eine gute Gesprächsbasis finden, die sehr sachlich ist.“
Deutsche Presse „ein bisserl humorlos“
Wenig Verständnis hatte Hofer hingegen für die Kritik in deutschen Medien. „Beide blamiert“ hatte etwa die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) getitelt. Die „Süddeutsche Zeitung“ befand Österreich überhaupt für „oberpeinlich“, während die „Welt“ von einem „verbalen Boxkampf auf Kindergartenniveau“ sprach.

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Das Urteil der deutschen Presse fiel mindestens so hart aus wie das der heimischen Medien
„Ich finde, das ist nicht gerechtfertigt“, sagte Hofer und beschwerte sich einmal mehr über die satirischen und für ihn „sehr unangenehmen Übergriffe“ aus Deutschland direkt nach dem ersten Wahlgang. „Wenn ich hier an das Schnitzel denke in Hakenkreuzform, also diese Kritik vor allem aus Deutschland bewegt mich nicht.“

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Van der Bellen sagt, ihn habe die Kritik aus Deutschland nicht kaltgelassen
Zumindest in diesem Punkt setzte sich Van der Bellen doch etwas von Hofer ab. „Naja, es bewegt mich schon“, sagte Van der Bellen. Allerdings: „Ein bissl humorlos ist das schon.“ Schließlich würden in Deutschland nie zwei Konkurrenten - „gerade nicht in einer Bundespräsidentenwahl“ - in eine solche Situation geschickt, so der ehemalige Wirtschaftsprofessor.
Kein neues - böses - Blut?
Bereits einen Tag zuvor hatte Van der Bellen vor allem die Form des Duells für die teils untergriffige Diskussion verantwortlich gemacht: Es sei „herausgekommen, was sich viele aus der Medienwelt wünschen: eine Art Gladiatorenkampf. Dann fließt eben Blut - metaphorisch gesprochen.“ Für die beiden Kandidaten dürfte es nun - um in diesem Bild zu bleiben - darum gehen, die Wunden zu lecken. Zugleich scheinen sie momentan auch nicht daran interessiert, ihrem Gegner neue zuzufügen.

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Ob die beiden Wahlkampfmanager - Lothar Lockl (l.) und Martin Glier (r.) - mit ihren Schützlingen zufrieden sind?
Auch in der restlichen Fragestunde in Ö3 war von den Untergriffen und Feindseligkeiten der TV-Diskussion nichts zu spüren. Vielmehr war das Bemühen um Sachlichkeit und emotionale Distanz beinahe mit Fingern zu greifen. Es wird sich zeigen, ob die beiden Kandidaten diese Taktik in den kommenden Tagen fortsetzen - oder dem einen oder anderen bis Sonntag doch noch ein Schlag unter die Gürtellinie auskommt.
Martin Steinmüller, ORF.at
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