Südtirol: Kompatscher kritisiert Strache
Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) hat den jüngsten Vorstoß von FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache für eine Wiedervereinigung Tirols kritisiert. Dabei handle es sich um eine „populistische Forderung des FPÖ-Chefs“, sagte Kompatscher in der „Tiroler Tageszeitung“ („TT“, Freitag-Ausgabe). Südtirol stehe zur Autonomie, da werde man nichts aufs Spiel setzen, ergänzte er.
Sorge über „gewisse Wertvorstellungen“ Hofers
Das Selbstbestimmungsrecht sei ein Völkerrecht, das Südtirol habe. „Aber es berechtigt uns nicht, einen eigenen Staat zu gründen“, so der Landeshauptmann zur „TT“. Mit seinen Ausführungen empfehle sich Strache nicht für höhere Weihen. „Ihm fehlen der europäische Blick und die Perspektive für Europa“, fügte er hinzu.
Kompatscher äußerte ebenfalls sein Unbehagen über einen möglichen blauen Bundespräsidenten in Österreich. „Wir werden auch mit einem Bundespräsidenten Norbert Hofer eine normale Gesprächsbasis haben. Ich sorge mich aber darüber, dass mit ihm gewisse Wertvorstellungen des FPÖ-Parteiprogramms, die ich keinesfalls teile, in die Hofburg einziehen würden“, sagte der Landeshauptmann.
Kritik auch aus Trentino
Auch vom Trentiner Landeshauptmann Ugo Rossi kam Kritik. „Straches Vorschlag droht Wunden zu öffnen, die nie ganz vernarbt sind“, sagte Rossi der römischen Tageszeitung „La Repubblica“. „Seit 1948 brauchen wir uns nicht mehr in Nationalstaaten abzuschotten. Wir können die Wirtschaft grenzüberschreitend entwickeln“, sagte Rossi.
„Hier gibt es vermischte Volksgruppen, die in Harmonie leben“, sagte Rossi, der auf die kulturelle Vielfalt und die lange Tradition des Islam in Östereich verwies. „Man sollte Strache daran erinnern.“
Der Ruf nach Grenzen sei anachronistisch. Trotz der Ängste, die durch die Flüchtlingskrise geweckt worden seien, dürfe man „keine Schritte zurück machen“, betonte der italienische Politiker. Österreichs Pläne zu Grenzkontrollen seien in dieser Phase nur „Wahlpropaganda“, so Rossi. Italien müsse allerdings seinen Teil leisten.
Strache forderte Referendum
Strache hatte sich gegenüber der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ für eine Wiedervereinigung Tirols ausgesprochen. „Ich will die bestehenden Wunden heilen und Tirol die Möglichkeit geben, sich wieder zu vereinen“, hatte der FPÖ-Chef gesagt. Südtirol solle die Möglichkeit zur Selbstbestimmung gegeben werden. Es solle frei über seine Zukunft entscheiden können.
Tirols FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger stellte sich hinter Straches Forderung. „Kompatscher hat sich im September 2013 in einem Interview für eine Wiedervereinigung Südtirols mit dem Bundesland Tirol ausgesprochen, nun scheint er aber seine damalige Position vergessen zu haben, was ja typisch für die Funktionäre der SVP ist“, meinte Abwerzger in einer Aussendung. Ob Freistaat oder Beitritt zur Republik Österreich, hätten die Südtiroler selbst zu entscheiden, fügte er hinzu.