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Österreich bei Wahlbeteiligung dreigeteilt

Nach der ersten Runde zur Bundespräsidentschaftswahl eint zumindest die Überraschtheit alle. Weder die Stichwahlteilnehmer Norbert Hofer (FPÖ) und der von den Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen noch die anderen Kandidaten und Parteien sahen das Resultat voraus, und das mit gutem Grund: Das Wahlverhalten stellt vieles, was in Österreich bisher als sicher galt, auf den Kopf.

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Die politische Ost-West-Teilung Österreichs, ein verlässlicher Unterschied zwischen Stadt und Land, das Wahlverhalten von Protestwählern - das alles und mehr ist nach dem Wahlsonntag zumindest fürs Erste hinfällig. So liegen etwa Vorarlberg und Wien im Wahlverhalten näher beieinander als einzelne Bundesländer in sich. Das lässt sich auch aus einer grafischen Sonderauswertung der Wahldaten von ORF.at vom Montag ablesen.

Unterschied zu NR-Wahl

Geografische Auswertungen des Wahlergebnisses müssen auf die Einbeziehung der Briefwahlstimmen verzichten, da diese - anders als bei der Nationalratswahl - keinem bestimmten Wahlkreis zugeordnet werden können.

Die Karte zeigt den Abstand der beiden Stichwahlteilnehmer zueinander: Je dunkler, desto weiter liegt Hofer nach dem ersten Wahlgang vor Van der Bellen, und umgekehrt: Je heller, desto größer ist Van der Bellens Abstand auf Hofer in den jeweils anderen Wahlbezirken. Wenn sich eine neue geografische Bruchlinie politischer Präferenzen festmachen lässt, dann von Osttirol bis nach Wien ostnordöstlicher Richtung.

Politische Positionen weiter auseinander denn je

Eine recht klare Teilung entlang von Nord-Süd-Linien gibt es nur bei der Wahlbeteiligung: Der Westen liegt deutlich unter dem Durchschnitt, der Osten deutlich darüber und die Mitte meist nah am österreichweiten Schnitt. Erstaunlich dabei: Die Tradition, dass eine niedrige Wahlbeteiligung Protestwähler begünstigt, ist gebrochen: Wahlbezirke mit dem stärksten Zuspruch für Hofer sind sehr oft auch jene mit deutlich überdurchschnittlicher Wahlbeteiligung - mehr dazu in wahl.ORF.at.

Detailauswertungen zur politischen Karte auf der Website Drawingdata.net zeigen aber ohnehin, dass es den einen Kamm, über den man politische Präferenzen scheren kann, nicht mehr gibt: Ganze zehn Gemeinden im Nordosten Österreichs bewegen sich mit ihrem Wahlverhalten im Durchschnitt des Gesamtwahlergebnisses. In anderen Worten: Die politischen Positionen liegen weiter auseinander denn je. Das untypischste Wahlverhalten ist dabei bundesweit einmal mehr in Vorarlberg konzentriert.

Bekannte Trends noch zusätzlich verstärkt

Berechenbarkeit im Wahlverhalten gibt es höchstens abseits der Geografie. Bekannte Trends wie die Faktoren Einkommen, Bildung und Alter beschleunigen sich jedoch allem Anschein nach drastisch: Wie etwa die Motivanalyse von SORA/ORF zum Wahlverhalten zeigt, können SPÖ und ÖVP junge Wählerinnen und Wähler offenbar immer schlechter erreichen. Hätten etwa am Sonntag nur Männer unter 29 Jahren ihre Stimme abgegeben, hätte es gar keine Stichwahl gegeben und Hofer wäre Bundespräsident.

Hofer und Van der Bellen müssen nun zwischen diesen weit auseinanderliegenden Polen jene gewinnen, die im ersten Wahldurchgang keinen von beiden gewählt haben. Dabei zeigt sich, dass Van der Bellen im Süden Österreichs wohl Wahlkampfenergie vergeuden würde, ebenso wie Hofer im überwiegenden Teil von Vorarlberg: Dort haben Hofer bzw. Van der Bellen ihre „Hochburgen“ mit schon jetzt sicheren Mehrheiten. Umgekehrt gibt es reichlich Gegenden mit Stimmen, die nun wieder zu haben sind.

Eine weitere neue ORF.at-Detailauswertung zur Wahl zeigt nur den Anteil von Stimmen, die beim ersten Wahlgang weder Hofer noch Van der Bellen wählten: Je dunkler, desto mehr Stimmen sind in der Stichwahl noch zu haben - je heller, desto entschiedener sind die Wahlbezirke jetzt schon für einen der beiden Stichwahlteilnehmer. Angesichts der wahlentscheidenden Zahl von Wählerinnen und Wählern, die noch überzeugt werden wollen, verwundert die Eile der beiden Wahlkampfteams nicht.

Am Dienstagvormittag startet die FPÖ per Bundesparteivorstand in die zweite Wahlkampfrunde. Danach ist eine Pressekonferenz von Hofer mit Parteichef Heinz-Christian Strache angesetzt. Zugleich steckt Hofers Wahlkampfteam unter der Führung von FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl die Wahlkampflinie für Runde zwei ab. Van der Bellen wiederum präsentiert am Dienstagvormittag in Wien bereits die ersten Plakatsujets für die Stichwahl am 22. Mai.

Lukas Zimmer (Text) und Günter Hack (Datengrafiken), ORF.at

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