Zweite Zeitumstellung binnen zehn Jahren
Wegen der akuten Stromknappheit in Venezuela will Präsident Nicolas Maduro neben der Einführung einer Viertagewoche im öffentlichen Sektor auch die Uhrzeit umstellen. „Ich werde die Zeitzone am 1. Mai ändern, um das Energiesparen im Land zu verstärken“, verkündete der Sozialist am Donnerstag bei einer Rede im Regierungspalast in Caracas.
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Derzeit ist Venezuela 6,5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) zurück - wie genau die Zeitzone geändert werden soll, will Maduro in den nächsten Tagen dekretieren. Ziel soll es sein, mehr Tageslicht nutzen zu können. Maduros Vorgänger Hugo Chavez hatte 2007 die Uhren eine halbe Stunde zurückstellen lassen - damit Kinder bei Tageslicht aufwachen können. Angeblich soll der Schritt auch deswegen gemacht worden sein, um nicht mehr in derselben Zeitzone mit den USA zu liegen.
Montag zum Urlaubstag erklärt
Zugleich erklärte Maduro den Montag zu einem Urlaubstag - er wird arbeits- und schulfrei sein. Für viele Bürger gibt es damit in der kommenden Woche nur zwei Arbeitstage: Der Dienstag ist bereits Feiertag (Tag der Unabhängigkeitserklärung). Zudem hatte der Präsident erst kürzlich alle Freitage der nächsten beiden Monate zu Feiertagen ernannt, um Strom zu sparen. Diese Regelung soll für die öffentliche Verwaltung gelten, aber auch in Privatunternehmen soll drastisch Energie gespart werden.
Frauen sollen auf Föhnen verzichten
Auch in den größten Einkaufszentren solle mit „drastischen Maßnahmen“ der Verbrauch gesenkt werden. Ziel sei es, die Energieeinsparungen zu verdoppeln. Maduro hatte auch Frauen dazu aufgerufen, auf das Föhnen zu verzichten: „Die Frauen sollten den elektrischen Föhn nur noch zu besonderen Anlässen nutzen“, appellierte der Sozialist. Er wisse, dass Frauen gern föhnen würden, aber man müsse dringend Strom sparen.
Venezuelas Bevölkerung leidet unter täglichen unvorhersehbaren Wasser- und Stromausfällen. Hauptgrund für den außergewöhnlichen Notstand ist der Wassermangel im Stausee El Guri im Süden, dessen Wasserkraftwerk Simon Bolivar über 60 Prozent des Energiebedarfs in Venezuela deckt. Strom wird dort mit einer Kapazität von über 10.000 Megawatt produziert, das entspricht der Leistung von sieben Atomkraftwerken.
Aktuell herrscht allerdings eine schwere Dürre, weswegen der Pegel des Stausees auf aktuell 242 Meter gefallen ist. Ab 240 Meter kommt es zum Kollaps, die Turbinen können dann nicht mehr arbeiten. Der Stausee verliert täglich 354 Mrd. Liter Wasser, was den Pegel um 15, 16 Zentimeter sinken lässt, wie Energieminister Luis Motta Dominguez zuletzt der Zeitung „El Nacional“ sagte.
„Meteorologisches Phänomen überwinden“
Der Regierung wird vorgeworfen, zu wenig in den Ausbau und die Wartung der Energieinfrastruktur zu investieren. Maduro macht das Klimaphänomen „El Nino“ für einen starken Temperaturanstieg verantwortlich, der den Wasserpegel im See stark sinken ließ. „Das ist eine ökologische Tragödie, und wir müssen unsere Lebensgewohnheiten daran anpassen“, sagte Maduro zuletzt.

Reuters/Carlos Garcia Rawlins
Das Wasserkraftwerk deckt etwa 60 Prozent des Energiebedarfs in Venezuela
Mit all den verfügten Maßnahmen werde man „dieses meteorologische Phänomen überwinden“, sagte er der Zeitung „El Universal“. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter verbreitet die Maduro-Partei PSUV (Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas) dazu Anregungen zum Stromsparen - über Hinweise mit dem Hashtag „#ElNinoNoEsUnJuego“ sollen die Bürger dazu angehalten werden, die Folgen von „El Nino“ ernst zu nehmen.
Opposition plant Referendum
Die Opposition, die den Sozialisten bei der Parlamentswahl im Dezember eine dramatische Niederlage zugefügt hat, will Maduro bis Herbst in einem Referendum des Amtes entheben lassen. Die jahrelange Misswirtschaft, der niedrige Ölpreis und kaum noch zu finanzierende Sozialprogramme für die unteren Schichten haben das Land dem Ruin sehr nahe gebracht - und nun gibt es die dramatische Energie- und Wasserkrise, die Maduro und seine Partei ernsthaft bedroht.
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