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Wahre Helden zeigen Schwäche

Die Körper von Superhelden in Film und Fernsehen spiegeln die Schönheitsideale der jeweiligen Generation wider. Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich so die Figur der Leinwandheroen von athletisch über durchschnittlich bis hin zu ausgemergelt - ehe sich in der Ära der großen Comic-Verfilmungen der Trend zum Muskelpaket verfestigte.

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Ein anschauliches Beispiel dafür, wie der Körper eines Superhelden im Jahr 2016 beschaffen sein muss, lieferte „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Nicht nur Superman sieht darin aus wie ein Halbgott, auch Ben Affleck legte für seine Rolle als Milliardär Bruce Wayne, der nachts in Gotham City auf Verbrecherjagd geht, ordentlich an Muskelmasse zu.

„Superman war immer schon massig - aber bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt in Hollywood sieht Batman körperlich überlegen aus“, kommentierte der „Economist“, der kürzlich die körperliche Entwicklung Batmans in den vergangenen 50 Jahren unter die Lupe nahm.

Durchschnittskörper in Strumpfhosen

Batman tauchte erstmals 1939 in einem Comic auf. Die Schöpfer der Figur, Bob Kane und Bill Finger, beschrieben ihn als 1,88 Meter groß und stattliche 95 Kilogramm schwer. Erstmals verfilmt wurde der Stoff bereits 1943. Der damalige Hauptdarsteller Lewis Wilson erinnerte eher an ein Mitglied eines universitären Ringerteams, muskulös und männlich, war aber bei Weitem nicht so auftrainiert wie Afflecks Version.

Adam West als Batman und Burt Ward als Robin

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Batman und sein treuer Begleiter Robin in der TV-Serie aus den 1960ern

In den 1960er Jahren übernahm Adam West die Rolle des Batman in der legendären TV-Serie. Körperlich kam er mit einer Größe von 1,88 Metern und 91 Kilogramm dem „Ur-Batman“ aus den Comics von allen bisherigen Darstellern am nächsten. West hatte allerdings so gut wie nichts Athletisches an sich, was dem Serien-Batman in seinem grauen Ganzkörperstrumpf eine unfreiwillig komische Note gab.

In den 1970er und 1980er Jahren wurden mit Michael Keaton, Val Kilmer und George Clooney wieder etwas kleinere Darsteller gecastet. Mit 1,78 Metern Größe und 72 Kilogramm Gewicht war Keaton - abgesehen vom Lego-Batman 2014 - der bisher schmächtigste Verbrechensbekämpfer mit schwarzem Cape. Den Wandel zum Muskelpaket vollzog Batman schließlich, als Christian Bale die Rolle 2005 übernahm.

Spandex-Träger im Fitnessstudio

Eine ähnliche Wandlung lässt sich auch bei Superman beobachten. George Reeves, der den mit Superkräften ausgestatteten Mann vom Planeten Krypton in den 1950ern spielte, überzeugte weniger durch seine Muskeln, sondern mehr durch seine „John-Wayne-artige Männlichkeit“, wie das Magazin „The Atlantic“ schrieb.

George Reeves als Superman

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George Reeves als Superman

Zum „Mann aus Stahl“ wurde Superman erst in den 1970er und 1980er Jahren. Damals boomten Materialien aus Polyester und Spandex, in denen Muskeln schön zur Geltung kamen. Gleichzeitig erreichte die Fitnesswelle einen ersten Höhepunkt. Christopher Reeves Superman-Darstellung von 1978 vereint beide Strömungen. Der schlaksige Reeve habe sich geweigert, sein Kostüm mit künstlichen Muskeln auszustaffieren und stattdessen 13 Kilogramm Muskelmasse zugelegt, schrieb das US-Magazin.

Zu Beginn der 1990er Jahre kam es, u. a. ausgehend vom Aufkommen des Grunge, zur Gegenbewegung. Der Film „The Crow“ zeigte einen ausgemergelten Helden, dessen Aussehen dem Heroinchic und der Gruftibewegung Rechnung trug und die Geschlechtergrenzen verwischte. „The Crow“ gilt heute als Kultfilm. Hauptdarsteller Brandon Lee kam während der Dreharbeiten ums Leben.

„Holzschnittartige“ Muskelmänner

Nach einer kurzen Phase Anfang des 21. Jahrhunderts, in der zahlreiche Körpertypen koexistierten, brach in dieser Dekade die Ära der Superfitten an. Marvels Avengers - u. a. Captain America (Chris Evans), Ironman (Robert Downey jr.) und Thor (Chris Hemsworth) - seien eine „Flotte holzschnittartiger Muskelmänner“, bemerkte „The Atlantic“.

Die Tage eines Adam West seien schon lange vorbei, sagte Batman-Darsteller Affleck bereits anlässlich des Starts des Batman-Superman-Films: „Du kannst nicht einfach aus dem Bett rollen und das Kostüm anziehen. Das Publikum erwartet von dir, wie ein Superheld auszusehen.“

Konkret bedeutet das: breite Schultern, schmale Taille, mächtiger Bizeps und natürlich Waschbrettbauch. Diesem Trend können sich auch komödiantische Außenseiter des Superheldenuniversums nicht verschließen. Ryan Reynolds ist in „Deadpool“ mit Sixpack zu bewundern, ebenso Chris Pratt als Peter Quill in „Guardians of the Galaxy“.

Noch mehr Sixpacks auf der Leinwand

Mit dem Avengers-Spin-off „The First Avenger: Civil War“ erhöht sich die Sixpack-Dichte auf der Leinwand weiter. Selbiges gilt für das geplante Batman-Superman-Sequel „Justice League“, mit der Marvel-Konkurrent DC sein Comic-Heldenuniversum auf der Kinoleinwand ausrollen will.

Der Wahn, Superhelden als physisch perfekt darzustellen, führe Hollywood gefährlich nahe heran an ein „unheimliches Tal“, das von „künstlich erzeugten“ Menschen bewohnt werde, kritisierte „The Atlantic“. Das in den Filmen transportierte Körperideal habe zur Folge, dass das Publikum die Verbindung zu den Charakteren verliere.

Durch die gottgleichen Körper verschwinde auch das Menschliche und Verletzliche an den Helden, so das Magazin. Und letztlich sei es genau das, was Superhelden für das Publikum attraktiv mache. Denn, wie es „The Atlantic“ ausdrückt: „Ohne Verwundbarkeit kein Heldentum.“

Philip Pfleger, ORF.at

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