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Männer fielen Taxifahrer auf

Die Attentäter am Brüsseler Flughafen Zaventem haben die Bomben nach Behördenangaben in ihren Koffern in die Abflughalle gebracht. „Sie kamen per Taxi mit ihren Koffern, darin waren die Bomben versteckt“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Zaventem, Francis Vermeiren, am Dienstag. Sie hätten die Taschen dann auf Gepäckwagen gelegt und seien in das Flughafengebäude gegangen.

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Dem Sender VRT zufolge lieferte ein Taxifahrer entsprechende Hinweise. Der Mann habe die Verdächtigen mit seinem Wagen von einer Wohnung in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek abgeholt und zum Flughafen gefahren, berichtete der Sender VRT am Dienstagabend. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten. Laut Behördenangaben wurden bei einer Razzia in Schaerbeek am Abend eine IS-Flagge, ein Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden. Die Hausdurchsuchungen in der Gemeinde dauerten in der Nacht noch an, das betroffene Gebiet war weiträumig abgesperrt.

Fahndungsbild eines mutmaßlichen Attentäters

APA/AP/Belgian Federal Police

Die Polizei sucht nach diesem Verdächtigen, der den Anschlag überlebt haben soll

Dritter Täter „in Panik geraten“?

„Die ersten beiden Bomben explodierten“, sagte Vermeiren. Der dritte Täter habe seinen Sprengsatz nicht zur Detonation gebracht. „Er muss in Panik geraten sein“, fügte der Bürgermeister hinzu. Die Bombe wurde später von Sprengstoffexperten kontrolliert gezündet. Am Tatort habe er kriegsähnliche Szenen beobachtet, berichtete Vermeiren. „Es war grausam anzusehen.“ Die Behörden gehen davon aus, dass sich zwei der Täter in die Luft sprengten.

Überwachungsbild der mutmaßlichen Attentäter

APA/AFP/Belgian Federal Police

Die beiden dunkel gekleideten Männer sollen sich selbst in die Luft gesprengt haben. Auffallend: Sie tragen beide (nur) an der linken Hand einen Handschuh

Polizei bittet Bevölkerung um Hilfe

Nach dem überlebenden Verdächtigen wird aktuell gefahndet. Die belgische Polizei veröffentlichte ein Foto, auf dem er mit Brille, heller Jacke und dunklem Hut neben zwei anderen Männern zu sehen ist. Sie schoben Gepäckwagen mit ähnlichen Taschen und trugen jeweils an der linken Hand schwarze Handschuhe. Die Behörden riefen die Bevölkerung via Internet zur Hilfe auf. Wer die Täter auf Fotos wiedererkenne oder andere Hinweise habe, solle diese an die Polizei schicken, hieß es.

30 Tote und über 200 Verletzte

Bei insgesamt drei Explosionen an zwei Orten in Brüssel gab es laut dem nationalen Krisenzentrum 30 Todesopfer. Um etwa 8.00 Uhr früh starben bei zwei Explosionen im Flughafen zehn Menschen. Kurz nach 9.00 Uhr ereignete sich auch mindestens eine Explosion in einer U-Bahn-Garnitur in der U-Bahn-Station Maelbeek, die nur einige hundert Meter von den Gebäuden der EU-Institutionen entfernt liegt.

Eine Grafik zeigt die Orte der Terroranschläge in Brüssel

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Laut offiziellen Schätzungen wurden etwa 230 Menschen verletzt, unter ihnen sollen sich mehrere US-Bürger befinden. In den Medien war zuvor von 34 Toten die Rede gewesen, davon 14 im Flughafen und 20 in der Metrostation. Die belgische Regierung verhängte eine dreitägige Staatstrauer, für Mittwochmittag wurde zu einer Schweigeminute aufgerufen.

Sanitäter und Rettungswagen vor der Brüsseler U-Bahnstation

ORF.at/Sophia Felbermair

Chaos vor der U-Bahn-Station Maelbeek

IS droht mit weiteren „schwarzen Tagen“

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Anschlägen und drohte mit weiterer Gewalt. „Soldaten des Kalifats“ hätten mit den Anschlägen auf den Brüsseler Flughafen Zaventem und eine U-Bahn-Station „den Kreuzfahrerstaat Belgien“ angegriffen, hieß es am Dienstag in einer im Internet veröffentlichten Erklärung des IS. Es werde „schwarze Tage“ geben als Vergeltung für die „Aggression“ gegen den IS, hieß es.

Premier hatte Anschlag befürchtet

Der belgische Premier Charles Michel hat die Belgier aufgerufen, nach den blutigen Terroranschlägen in Brüssel geeint zu bleiben. „Die Freiheit (...) ist in ihrem Herz getroffen worden“, sagte Michel am Dienstagabend in Brüssel. Die Behörden würden alles unternehmen, um die Freiheit zu verteidigen. Michel sagte auch, dass die Behörden einen Terrorangriff befürchtet hatten. Erst am Freitag war Salah Abdeslam im Brüsseler Problembezirk Molenbeek gefasst worden, der seit den Anschlägen in der französischen Hauptstadt als Mittäter gesucht wurde.

Frau schreibt "Together we stand, devided we fall" sowie "Fear can't win" auf eine Wand

APA/AFP/Emmanuel Dunand

Solidaritätsbekundungen gegen Terrorismus

Der belgische König Philippe verurteilte die blutigen Anschläge am Abend als „feige und widerlich“. In einer kurzen Ansprache an die Nation rief er dazu auf, auf die terroristische Bedrohung „mit Entschlossenheit, Ruhe und Würde“ zu antworten. „Behalten wir Vertrauen in uns selbst“, sagte der Monarch. „Dieses Vertrauen ist unsere Kraft.“ In Belgien ist es ausgesprochen selten, dass sich der König nach aktuellen Ereignissen direkt an die Bevölkerung wendet.

„Das ist Krieg, das ist unbeschreiblich“

Augenzeugen sowie Einsatzkräfte schilderten dramatische Szenen. Der Sprecher der Brüsseler Feuerwehr, Pierre Meys, sagte gegenüber den Zeitungen „Le Soir“ und „La Derniere Heure“ (Onlineausgaben): „Das ist Krieg, das ist unbeschreiblich. Alles ist zerstört und liegt in Stücken.“ Er habe in 40 Jahren Berufsleben „noch nie so etwas Schreckliches gesehen. Das ist sehr schwierig.“ Die Verletzungen seien „Kriegsverletzungen“. Die Explosion in der Metro selbst habe sich in einem Waggon etwa in der Mitte des Zuges ereignet und sei extrem stark gewesen, sagte Meys.

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Bild der Zerstörung

Die Abflughalle des Brüssler Flughafens wurde bei den Explosionen schwer beschädigt. Der Flughafen wurde evakuiert.

„Es lagen reglose Körper auf dem Trottoir, die von Mänteln von Passanten abgedeckt wurden. Die Ambulanz kam erst nach einer halben Stunde“, schilderte Christoph Schiltz, Korrespondent der Zeitung „Die Welt“, gegenüber ORF.at. In der Lobby eines nahe gelegenen Hotels sei ein „Notlazarett“ eingerichtet worden, wo nach und nach die Schwerverletzten hingebracht wurden. „Der Raum füllte sich immer mehr und war dann so voll, dass auch auf angrenzende Räume ausgewichen werden musste. Gleichzeitig saßen in der Lobby auch Mittelschwerverletzte, teilweise mit Kopfwunden, die aber gar nicht sofort verarztet werden konnten.“

Langsame Normalisierung in Brüssel

In Brüssel selbst normalisierte sich die Lage am späten Nachmittag etwas. Das Krisenzentrum hob die Empfehlung, an den Arbeitsplätzen und in den Schulen zu bleiben, auf. Teilweise waren die Straßen aber noch immer menschenleer. Der am Vormittag völlig eingestellte öffentliche Verkehr nahm teilweise wieder den Betrieb auf, Züge fuhren großteils wieder. Am Mittwoch sollen Schulen geöffnet sein. Der Flughafen Zaventem bleibt aber noch geschlossen. Die ankommenden Flüge würden über die Regionalflughäfen in Charleroi, Liege (Lüttich) und Ostende umgeleitet. Die AUA muss auch am Mittwoch alle ihre Flüge in die belgische Hauptstadt streichen.

Schaltung zum Brüsseler Flughafen und in die City

Die ORF-Korrespondenten Cornelia Primosch und Tim Cupal berichten über die Lage auf dem Flughafen Zaventem und über die Stimmung in der Brüsseler Innenstadt.

Der Nahverkehr soll besser geschützt werden. Die Nahverkehrsgesellschaft STIB teilte am Dienstagabend mit, man arbeite an einem „ultragesicherten Netz“. Genauere Details sollten am Mittwoch mitgeteilt werden.

Spontane Trauerfeier

Am Abend gedachten mehrere hundert Menschen in der Stadt der Toten und Verletzten der Terroranschläge. In der Innenstadt vor der Börse legten sie bis zum späten Abend Blumen nieder, stellten Teelichter zu einem Kerzenmeer zusammen und hielten sich in den Armen. Auf Plakaten war - auf Französisch - zu lesen: „Vereint gegen den Hass“ und „22/3/2016, keine Sterne funkeln mehr über dem Himmel von Brüssel“.

Belgische Flagge auf EU-Kommissionsgebäude projiziert

ORF.at/Sophia Felbermair

Brüssel-Flagge auf dem Kommissionsgebäude

Aus Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge wurden markante Wahrzeichen europäischer Hauptstädte in den belgischen Nationalfarben angeleuchtet. Der Pariser Eiffelturm, das Brandenburger Tor in Berlin und der Sitz der EU-Kommission in Brüssel erstrahlten in einem schwarz-gelb-roten Farbenmeer.

Erhöhte Terrorwarnstufe seit Paris

In Brüssel galt bereits seit den Pariser Anschlägen im November eine erhöhte Terrorwarnstufe. Mehrere der islamistischen Attentäter stammten aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek, der seitdem im Visier der Ermittler steht. Abdeslam wurde am Freitag in Brüssel gefasst, nach ihm war seit den Anschlägen, bei denen er als Mittäter gilt, gesucht worden. Er soll mit mehreren Komplizen weitere Attentate in Brüssel geplant haben. Aus diesem Umfeld werden noch zwei Männer dringend gesucht: Najim Laachraoui und Mohammed Abrini. Der 24-jährige Laachraoui war am 9. September unter dem falschen Namen Soufiane Kayal in einem Auto mit Abdeslam und Mohammed Belkaid an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert worden.

Keine Meldungen über Opfer aus Österreich

Unter den Opfern der Terroranschläge befinden sich nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Österreicher. Dennoch wurden Krisenstäbe im Außenministerium in Wien sowie an der österreichischen Botschaft in Brüssel eingerichtet, wie der Sprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll, am Dienstag auf APA-Anfrage mitteilte.

Hotlines für Angehörige

Für besorgte Bürger und Angehörige hat das Außenministerium eine Hotline (für Österreicher in Belgien: +43 1 901154411; in Österreich: 050 11504411) eingerichtet. Auch das belgische Krisenzentrum hat unter +32 78151771 eine Hotline eingerichtet.

Das Innenministerium erklärte, dass „aktuell kein Österreich-Bezug erkennbar“ sei. Routinemäßig seien aber auch in Österreich die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden, teilte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck mit. So sei die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum, insbesondere auf den Flughäfen sowie im öffentlichen Verkehr, verstärkt worden. Die österreichischen Behörden seien derzeit laufend in Kontakt mit den belgischen Kollegen, so Grundböck.

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