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Bei Einsatz verletzt

Einer der meistgesuchten Männer Europas ist verhaftet. Bei einem Polizeieinsatz im Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurden der mutmaßliche Mittäter der Pariser Anschläge, Salah Abdeslam, und vier weitere Personen verhaftet. Das bestätigte die belgische Regierung am Freitagabend.

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„Der Abend ist ein Erfolg im Kampf gegen den Terror“, sagte der belgische Premierminister Charles Michel. Abdeslam sei offiziell identifiziert worden, so der Premier. Insgesamt nahmen die Ermittler nach eigenen Angaben fünf Verdächtige fest - darunter offenbar eine Familie, die Abdeslam Zuflucht gewährte. Der Terrorverdächtige wurde bei dem Einsatz leicht am Bein verletzt und zunächst in eine Klinik gebracht.

Neben Michel äußerte sich auch Frankreichs Staatschef Francois Hollande. Der Präsident sagte, er erwarte eine rasche Auslieferung Abdeslams nach Frankreich. Die Suche nach weiteren Beteiligten der Paris-Anschläge gehe weiter. „Wir sind mit extrem großen Netzwerken konfrontiert“, sagte Hollande. Am Samstag werden der französische Verteidigungsrat und der belgische Sicherheitsrat tagen.

Explosionen und Schüsse

Die Verhaftung am Freitag wurde von einem massiver Polizeieinsatz begleitet. Augenzeugen berichteten, dass die Polizei ein Wohnhaus umstellt habe. Es sei zu Schusswechseln und mehreren Explosionen gekommen. Ein Mann dürfte sich zwischenzeitlich verschanzt haben. Aufnahmen des belgischen Fernsehens zeigten maskierte Spezialkräfte, die den Eingang zu einer Straße in Molenbeek bewachten. Unter den Verhafteten sei auch eine dreiköpfige Familie, die Abdeslam Unterschlupf gewährt haben soll, hieß es weiter.

Polizeieinsatz in Molenbeek-Saint-Jean

APA/AFP/Jan Nagels

Ein großes Aufgebot der Polizei war in Molenbeek im Einsatz

Nach Angaben von Journalisten waren nach der Verhaftung Abdeslams am Abend in Molenbeek erneut laute Explosionen zu hören. Ob sie von Spezialeinheiten der Polizei oder von Terroristen verursacht wurden, war zunächst unklar. Von der Staatsanwaltschaft gab es dazu zunächst keine Angaben. Der Einsatz wurde mittlerweile beendet. Die Polizei hob am Abend die Straßensperren wieder auf.

Hollande und Michel verließen zwischenzeitlich den in Brüssel stattfindenden EU-Gipfel, um den Einsatz zu besprechen. Hollande hatte zuvor von einem „wichtigen Polizeieinsatz“ gesprochen.

Zusammenhang mit Razzia vom Dienstag

Die Verhaftung in Molenbeek dürfte in direktem Zusammenhang mit einer Razzia im Brüsseler Vorort Forest von Anfang der Woche stehen. Belgische und französische Polizisten wollten am Dienstag im Zuge der Ermittlungen zu den Pariser Anschlägen eine Wohnung durchsuchen. Die Beamten gerieten dabei unter Beschuss. Vier Polizisten wurden verletzt, ein Verdächtiger getötet.

Die Polizisten gehen davon aus, dass es sich dabei um einen jener zwei Männer handelt, die gut zwei Monate vor den Anschlägen mit Abdeslam in Ungarn waren. Sie wurden damals auf dem Weg nach Österreich kontrolliert. Zwei Menschen konnten fliehen - unter ihnen offenbar Abdeslam. Die Polizei fand seine Fingerabdrücke auf einem Glas in der Wohnung.

Bruder von Selbstmordattentäter

Im November waren bei den Anschlägen, zu denen sich die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hat, 130 Menschen getötet worden. Abdeslam ist einer der Hauptverdächtigen und Bruder eines der Selbstmordattentäter der November-Anschläge in Paris. Er soll die Attentäter, die sich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, mit einem Auto zu dem Stadion gefahren haben. Danach floh er offenbar mit Komplizen nach Belgien.

Salah Abdeslam

APA/AFP/Dsk

Vier Monate suchte die Polizei nach Abdeslam

Eine Woche nach den Anschlägen von Paris riefen Belgiens Behörden nach konkreten Gefahrenhinweisen die höchste Terrorwarnstufe für die Hauptstadtregion Brüssel aus. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Erst nach fünf Tagen wurde die maximale Warnstufe wieder aufgehoben. In den Folgemonaten kam es immer wieder zu Anti-Terror-Einsätzen gegen mutmaßliche Islamisten in Brüssel.

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