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Bewundert, bejubelt, verspottet, verhasst

Mehr als 30 Jahre Politik, zehn Jahre FDP-Chef, vier Jahre deutscher Außenminister - Guido Westerwelle gehörte zu den prägenden Gestalten der deutschen Politik. Nun verstarb er mit nur 54 Jahren an den Folgen von Blutkrebs.

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Mit einem Buch, das er über seine Krankheit verfasste („Zwischen zwei Leben - Von Liebe, Tod und Zuversicht“), hatte Westerwelle viele Menschen gerührt. Aber die Hoffnung, sich noch einmal zu erholen, trog dann doch. Am Freitag starb der ehemalige FDP-Vorsitzende, deutsche Außenminister und Vizekanzler mit 54 Jahren an den Folgen von akuter myeloischer Leukämie, einem Blutkrebs der besonders schlimmen Art.

Zeit seines Lebens gehörte der Anwaltssohn aus Bonn zu den Leuten, über die die Meinungen auseinandergingen: bewundert, bejubelt, verspottet, verhasst. Zu Beginn der 80er Jahre fiel er zum ersten Mal auf: Als im Bonner Hofgarten Hunderttausende gegen die Nachrüstung demonstrierten, stand Westerwelle mittendrin und verteilte Flugblätter - dafür.

Im Wohnmobil durch Deutschland

Nach dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 war Westerwelle bei der Gründung des neuen rechtsbürgerlichen FDP-Nachwuchses dabei, der Jungen Liberalen. Im Jahr darauf wurde er deren Vorsitzender - der Beginn eines Lebens fast ausschließlich für die Politik. Eher nebenbei studierte er Jus, machte an der Fern-Uni Hagen seinen Doktor, wurde Anwalt.

Mit 39 wurde er FDP-Chef und machte sich daran, die Liberalen vom Mehrheitsbeschaffer zur „Partei des ganzen Volkes“ zu verwandeln. Er ließ sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen, reiste im Wohnmobil durch die deutsche Republik, stieg bei „Big Brother“ in den Container und malte sich einen gelben „18er“ als Wahlziel auf die Schuhsohle. Westerwelle lag damals im Zeitgeist, hielt im Bundestag die besten Reden. Doch zunächst blieb es bei der Oppositionsrolle.

Außen- statt Finanzministerium

Im Privaten bekannte sich der Parteivorsitzende zu seiner Homosexualität. Er präsentierte am 50. Geburtstag von Angela Merkel auch einen Partner, den Sportmanager Michael Mronz. Im dritten Versuch, 2009, gelang doch noch die Wunschkoalition mit der Union - mit einem Sensationsergebnis von 14,6 Prozent. Die Versprechen waren groß und die Erwartungen auch. Doch in der Stunde des Triumphs machte Westerwelle einen seiner größeren Fehler: Er übernahm nicht das Finanz-, sondern das Außenministerium. Viele nahmen ihm den Wandel zum Diplomaten nie ab.

Dramatische Niederlage bei Bundestagswahl 2013

Nach anderthalb Jahren verlor auch die eigene Partei die Geduld. Westerwelle musste FDP-Vorsitz und Vizekanzlerposten abgeben. Gezwungenermaßen konzentrierte er sich aufs Auswärtige Amt, wo er sich zunehmend Respekt erarbeitete. Nach der dramatischen Niederlage bei der Bundestagswahl 2013 - die FDP kam nicht einmal mehr ins Parlament - bekam er von vielen früheren Außenministerkollegen auch Einladungen für die „Zeit danach“. Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach seinem letzten Tag als Minister erfuhr Westerwelle die Diagnose Leukämie. Westerwelle hinterlässt Michael Mronz, mit dem er gut fünf Jahre auch verheiratet war.

Christoph Sator, dpa

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