Das Ende des langen Spannungsbogens?
Shows für „Normalos“ auf der laufenden London Fashion Week, Designerstücke zum Sofortkauf nach der Laufstegpräsentation und Konsumenten, die nicht mehr automatisch zu den schweren Hochglanzheften aus Häusern wie Conde-Nast greifen, sondern sich eher an Low-Fi-Blogs orientieren. Die Modebranche steht vielleicht nicht vor dem großen Umbruch, aber doch vor einigen Orientierungsdebatten, wie auch die London Fashion Week zeigt.
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Es ereignete sich erst kürzlich in New York, als ausgerechnet eine Meldung aus London den Defilees am Hudson River die Show stahl. Burberry kündigte an, „die Lücke zwischen dem Laufsteg und der Verfügbarkeit im Einzelhandel“ verringern zu wollen.

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Smartphones als Teil der neuen Modefotografie: Verlangen verteilt sich mittlerweile nicht nur im Höchstglanzformat
Die neue Mode der Saison solle im Schaufenster und online künftig in dem Moment verfügbar sein, wenn das letzte Model den Laufsteg verlassen hat. „Women’s Wear Daily“ sah eine „Schneeflocke“ auf die Branche fallen, die eine Lawine nach sich ziehen könnte.
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Öffnung bei der Fashion Week in London
Die London Fashion Week wird überlagert von einer Systemdebatte. Schneller zu den Kreationen, die es auf den Schauen zu sehen gibt? Im Publikum der Schauen sitzen jedenfalls schon viele Bloggerinnen und Blogger aus dem Modebereich.
Tom Ford setzt auf „Ready to shop“
Ein paar Stunden nach der Nachricht aus London hatte Tom Ford die Teilnahme an der New Yorker Schau abgesagt und erklärt, seine Herbstmode erst im September zu zeigen - um sie am nächsten Tag in den Handel zu werfen. „Wir leben mit einem Modekalender und -system aus einer anderen Ära“, hatte Ford seinen Plan trocken kommentiert.

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Tom Ford liebt trockene, harte Entscheidungen: „Wir leben mit einem System aus einer anderen Ära.“ Dieses will er für sich ändern.
Designer, Einzelhändler und Redakteure stellen die Relevanz der „Big Four“, also der Modewochen von New York, London, Mailand und Paris, seit einiger Zeit infrage. Die Wartezeit von sechs Monaten scheint im Zeitalter des Onlinehandels wie eine Ewigkeit.

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Kreationen von Ashley Williams auf der aktuellen London Fashion Week: Ist bunt und muss nicht gute Laune machen, wäre aber „ready to wear“
Eine Lady mahnt zu neuen Gewohnheiten
Die belgisch-amerikanische Modedesignerin Diane von Fürstenberg, die seit Jahren im Ney Yorker Meatpacking District ihr kreatives Hauptquartier hat, sieht die großen Modeschauen ebenfalls als zumindest in ihrer bisherigen Struktur überholt. Alle anderen, nicht zuletzt die Händler, beschwerten sich über die Shows. Für die mittlerweile 70-jährige Fürstenberg haben sich die Zeiten geändert.

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Die Zeiten haben sich geändert, mahnt Diane von Fürstenberg, happy mit 70
„Irgendetwas stimmt wegen der Sozialen Medien nicht mehr, die Leute sind verwirrt“, so Fürstenberg jüngst in New York. Fürstenberg ist im Moment auch die Präsidentin des Council of Fashiondesigners of America. Verbraucher sähen auf Instagram ein Outfit, gingen mittlerweile ins Geschäft und könnten die Kleidung dann monatelang nicht kaufen, beklagte Fürstenberg, die mit ihrem eigenen New Yorker Geschäft auch die Öffnung für neue Schichten zelebriert.
Burberry positioniert sich neu
Für Burberry, das seit zwei Jahren unter neuer Führung segelt und wo man seit Jahren schon das Ende des Luxusbooms fürchtet, ist es hoch an der Zeit, die Spanne zwischen Schau und Verkauf zu verkürzen. "Man kann nicht mit einem Kunden sprechen und sagen: ‚Wir werden Dich anregen und inspirieren, aber Du kannst es für die nächsten sechs Monate nicht anfassen oder fühlen‘, sagte Burberry-Chef Christopher Bailey.

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Herbst/Winter- und Frühjahr/Sommer-Aufteilung hat für global agierende Modekonzerne immer weniger Sinn. Und Ryan Lo verkündet in London: Der Osterhase kommt diesmal im Winter 2016.
Er hat die leicht schwächelnde Marke zuletzt wieder aus der Krise geführt. Doch gerade Burberry muss mit der Umsetzung seiner eigenen Ankündigung die gesamte Vertriebsstruktur neu aufsetzen. Und entsprechend auch im Produktionsprozess für die schnellere Auslieferung vorbereitet sein.

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Ein halbes Jahr nach London warten, bis man diesen Rock von Fyodor Golan tragen kann?
Pinault lehnt neuen Trend ab
Francois-Henri Pinault steht als Chef des Kering-Konzerns, der immerhin Namen wie Bottega Veneta, Gucci und Yves Saint-Laurent in seinem Markenbouquet hat, dem neuen „See now, buy now“-Trend ablehnend gegenüber. Er sorgt sich, wie er bei seinem Auftritt in London durchblicken ließ, um die Aura der Luxusmarke. Wer lange warten muss, entwickle erst das Verlangen nach dem Produkt, lautet seine Losung. Burberry findet als globaler Konzern die Winter/Frühjahr-Aufteilung zudem obsolet. Man produziere als globaler Konzern für permanent unterschiedliche Klimazonen. Deshalb gibt es ab Herbst 2016 zweimal jährlich „saisonlose“ Kollektionen.
Fürstenberg glaubt wieder an einen neuen Trend: kleine Shows, die vorab für Händler in exklusivem Rahmen abgehalten werden - und dann die großen Shows, die mit dem Verkaufsstart zusammenfallen. Dabei wird man auf das setzen, was man in New York und London in diesem Jahr beobachten kann: die Öffnung für neue Publikumsschichten und die noch stärkere Integration der Modeblogger- und Instagram-Szene.
Gerald Heidegger, ORF.at
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