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Über dem Rest liegt das Schleierkraut

Es war ein Jubiläum und doch ein Ball der Abschiede. Ballorganisatorin Desiree Treichl-Stürgkh nahm mit Blumen und ein paar Tränen Abschied vom Ball der Bälle in ihrer bisherigen Funktion. Und auch Bundespräsident Heinz Fischer sagte in offizieller Funktion Adieu zum Ball - und betonte einmal mehr, wie schon in der Vergangenheit, auf Nachfrage: „Lieben“ tue er nicht den Ball, sondern seine Frau. Über dem Rest des Abends liegt am Tag danach die Debatte über das Schleierkraut. Soll auch heißen: Sonst saßen die Kleider gut, und alles blieb an seinem vorgesehenen Platz - trotz rauschender Ballnacht bis in die Morgenstunden.

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„Es war eine wundervolle Zeit“, zog Treichl-Stürgkh, die dann doch die eine oder andere Träne in ein besticktes Taschentuch vergoss, sonst aber vor allem Partygirl-mäßig beschwingt ihre Aufgaben in der letzten offiziellen Ballnacht erledigt hatte, Bilanz.

Die Organisatorin trug zu ihrem letzten Ball eine aufsehenerregende Robe des bulgarischen Designers Petar Petrov in Gold mit Marabufedern am Rock und konstatierte am Schluss: Sie habe den Ball „entstaubt“ - was wohl mehr ihrer Art und weniger der Couture geschuldet sein sollte. Der Opernball, befand sie, sei „wieder cool“ geworden.

Desirée Treichl-Stürgkh

ORF.at/Christian Öser

Dame in Gold: Treichl-Stürkgh

Der Staatschef hat „genug“

Cool war auch der Bundespräsident. „Ich glaube, zwölfmal hintereinander ist einmal genug, aber man soll niemals nie sagen“, befand er zu seinem letzten Opernball.

Fischer hatte diesmal als Staatsgast seinen finnischen Amtskollegen Sauli Niinistö eingeladen. Und die beiden Staatschefs nahmen sich ein Vorbild beim Fußball: Trikots hatten die beiden Staatsoberhäupter zwar keine zu tauschen, aber dafür Schärpen. So stand Fischer mit blauer und Niinistö mit rot-weiß-roter Binde vor der Kamera.

Das war der Opernball

Der wohl festlichste Ballsaal der Welt hat am Donnerstag wieder Gäste aus dem In - und Ausland angelockt. Das künstlerische Rahmenprogramm gestalteten unter anderen Plácido Domingo und das Orchester der Wiener Staatsoper.

Die Bundesregierung war im heurigen Jahr stark vertreten. Neben zahlreichen Ministern sah man auch Bundeskanzler und Vizekanzler bei ausreichend freundlicher Gemeinsamkeit.

Die Oper, die Künstler und ein rundes Jubiläum

Jubilar des Abends war eigentlich der Ball selbst. Bei der 60. Eröffnung nach Ende des Zweiten Weltkrieges sollten neben allen Promis wieder die Künstler der Oper die Stars des Abends sein. Höhepunkt waren neben der von Vladimir Malakhov choreografierten Balletteinlage zu Johann Strauß’ „Accelerationen Walzer“ die Sangeseinlagen der russischen Sopranistin Olga Peretyatko und des spanischen Opernstars Placido Domingo, die mit dem Duett „Lippen schweigen“ aus Franz Lehars „Die lustige Witwe“ und einer Walzereinlage endeten.

Eindrücke vom Wiener Opernball

ORF.at/Roland Winkler

Domingo sang - und tanzte

Domingo erhob nicht nur die Stimme, sondern auch den Taktstock. Er dirigierte das Staatsopernorchester bei der Ouvertüre zu Gioachino Rossinis „Il Barbiere di Sivigilia“. Den größten Applaus erntete der Startenor mit „Da geh’ ich zu Maxim“ aus „Die lustige Witwe“, das er teilweise auf Spanisch zum Besten gab.

Ein Debüt wie auf dem Feuerwehrfest

Die Debütantenpaare hatten mit einem Teil der Choreografie des Wiener Tanzlehrers Roman Svabek ein wenig zu kämpfen. Man tanzte ein Potpourri mit Ausschnitten aus der „Annen-Polka“, der „Feuerfest-Polka“, dem Einzugsmarsch aus „Der Zigeunerbaron“ und dem „Radetzkymarsch“.

Eindrücke vom Wiener Opernball

ORF.at/Roland Winkler

Im Dreivierteltakt war die Welt wieder in Ordnung

Mit dem „Klipp-Klapp Galopp“ stand auch erstmals keine Polka auf dem Programm, was dann doch für ein paar kleine Holperer auf dem Parkett sorgte.

Oper oder Fußball?

Weniger stark vertreten waren hingegen die Anwärter auf die Bundespräsidentenloge. Als einziger Bundespräsidentschaftskandidat besuchte Andreas Khol (ÖVP) den Opernball. Dass sich keiner seiner Konkurrenten in der Staatsoper blicken ließ, kommentierte er launig: „Jedem Tierchen sein Plaisierchen. Ich gehe gerne zum Opernball, andere gehen gern zum Fußball.“

Schleierkraut

ORF.at/Roland Winkler

Das Schleierkraut, Gypsophila paniculata, war nicht nur Deko in derOper, sondern auch in Sozialen Medien in aller Munde

Fußballtrainer Marcel Koller wiederum sah sich in der Oper als „Opernfan“ geoutet, um leicht verlegen zu bekennen - ja, die Oper höre er manchmal durchaus auch ganz gerne.

Lotte Tobisch

ORF.at/Roland Winkler

Der Ball wurde 60, sie 90: Lotte Tobisch, die „Ikone des Balls“ (eine Zuschreibung, die sie eher gelassen bis überrascht hinnahm)

Das Selfie und „die Kraxn“

Für die Kommentatoren Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe gab es heuer eine doppelte Hürde zu bewältigen: Man lud ein, über Soziale Medien den eigenen Opernballabend vor dem Fernsehen mit der Welt zu teilen - „Sie wissen schon, Hashtag Opernball, also Opernball mit dieser Kraxn“ -, und man sollte den Überblick über das Ballgeschehen bewahren, verhedderte sich dann aber immer wieder im Angesicht des Schleierkrauts in launigen Betrachtungen über den Blumenschmuck. Dieser wirkte via TV-Bild in manchen Szenen doch sehr buschig und stand wie ein Kontrapunkt zu den vielen glatt getrimmten Hauptpartien, die es an diesem Abend wieder einmal zu bewundern gab.

Das „Nacktkleid“ und das Auge des Betrachters

Ab 21.00 Uhr waren die Tausenden Gäste in die Oper geströmt, und alle Prominenten und solche, die sich dafür hielten, gaben der Welt Einblicke in ihre Versionen zum Opernball - und mitunter auch zur Welt.

Dezent gab sich da Richard Lugners Opernballgast Brooke Shields, von manchen gar im „Nacktkleid“ gesichtet. Sie gab sich sehr zugeknöpft - was umso mehr nötig war, als sie ihren doch leicht angeheiterten Ex aus dem Hause Delon dann vor laufender Kamera antraf, sich der Baumeister in diesem Moment aber vor allem gemerkt hatte: „Sie hat Gentleman zu mir gesagt.“

Wie Lugner überhaupt feststellte, dass seine heurigen Gäste – neben Shields noch der niederländische Rapper Mr. Probz – „ganz brav“ gewesen seien.

Opernball 2016

ORF.at/Roland Winkler

Brooke Shields wusste, warum man lieber eher in der Loge blieb - auf den Gängen lauern unliebsame Bekanntschaften

Auch Pamela Anderson schien wenig Lust auf Aufregung zu haben. Schon fast ängstlich ließ sich die Schauspielerin und Tierschutzaktivistin von den Securitys in die Oper begleiten. Anderson war kurzfristig von der Unternehmerfamilie Wess aka „Botox-Boys“ in die Oper eingeladenen worden, nachdem Alain Delon abgesagt und seinen Sohn geschickt hatte.

... und Frau Schöneberger macht jetzt Sport

Schauspielerin Barbara Schöneberger, die zugab, dass sie abgenommen habe, weil sie nun Sport mache und das fad fand (was man ihrer Erscheinung anmerkte), fand den Ball toll, wollte aber keinen „Märchenprinzen“ entdeckt haben, weil sie a) ohnedies schon einen habe und b) „hauptsächlich auf die Frauen“ geschaut habe.

Barbara Schöneberger

ORF.at/Christian Öser

„Ich mache jetzt Sport, aber es macht mir keinen Spaß“, erklärt Frau Schöneberger zahlreichen Reportern

Sonst blieb es diesmal sehr gesittet. Kein angetrunkener Gast begann – wie vor zwei Jahren – vor den Logen eine Schlägerei. Keine Brust suchte sich ungewollt den Weg aus dem Kleid ihrer Trägerin. Das mag vielleicht auch den vielen hochgeschlossenen Kleidern geschuldet gewesen sein, die dieses Jahr auf dem Ball zu sehen waren.

Gerald Heidegger, Martin Steinmüller, ORF.at

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