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Demoschluss bei MuseumsQuartier

Tausende Teilnehmer haben am Freitag an der Demonstration gegen den rechten Akademikerball in der Wiener Hofburg teilgenommen. Laut Polizei gingen rund 5.000 Personen gegen den mittlerweile von der FPÖ organisierten ehemaligen „WKR-Ball“ auf die Straße, die Organisatoren sprachen von mindestens 8.000 Teilnehmern. Gröbere Zwischenfälle blieben bisher aus, der größte Protestzug war nach 20.00 Uhr beendet.

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Gegen 17.00 Uhr hatten sich die Teilnehmer der von der „Offensive gegen Rechts“ ausgerichteten Demonstration vor der Universität beim Schottentor gesammelt. Kurz nach 18.00 Uhr startete der Protestzug seine Route durch die Innenstadt.

Zwei Identitätsfeststellungen

Laut Polizei lief die Kundgebung „ohne nennenswerte Zwischenfälle“ ab. Es gab eine Festnahme wegen aggressiven Verhaltens auf dem Museumsplatz. Nach einer Einkesselung in der Herrengasse kam es laut Polizei zu weiteren Festnahmen und Identitätsfeststellungen. Am früheren Abend hatte es bereits zwei Identitätsfeststellungen gegeben. Einige Polizisten wurden mit Eiern beworfen, vereinzelt wurden Knallkörper gezündet. Es gab keinerlei Sachbeschädigungen und keine Verletzten.

Akademikerball ohne große Zwischenfälle

Aufgrund des Akademikerballs herrschte in der Wiener Innenstadt am Freitagabend Ausnahmezustand. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot verliefen die Proteste weitgehend ruhig.

Lediglich in der Wipplingerstraße wurden „pyrotechnische Sätze“ abgefeuert. Unter besonderer Beobachtung der Exekutive stand laut Polizei eine Gruppe rund 70 vermummten Demoteilnehmern. Am Rande der Demonstration wurden auch vereinzelt Sitzblockaden abgehalten, die aber schnell wieder aufgelöst wurden.

Demos gegen rechten Akademikerball

ORF.at/Roland Winkler

Die Demonstranten zogen durch die Innenstadt

Zu Kritik unter den Demonstranten führte eine von der Polizei mittels Tretgitter errichtete, rund vier Meter breite Engstelle im Bereich des Stadtparks. Eine derartige Maßnahme verzögere die Demonstration und mache es für die Teilnehmer unangenehm, sagte eine Vertreterin der „Offensive“ gegenüber der APA. Die Demonstranten wurden dort von der Polizei mittels Kameras gefilmt, was für Kritik sorgte. Seitens der Exekutive begründete man die Einrichtung der Engstelle mit der „verkehrstechnischen Situation“.

Demonstranten auf dem Heldenplatz

Gegen 20.30 Uhr erreichte der Demonstrationszug sein Ziel beim MuseumsQuartier bei der Mariahilfer Straße und wurde offiziell beendet. Danach zogen Demonstranten noch weiter durch die Innenstadt. Auf dem Heldenplatz fanden sich unterdessen Demonstranten zur Protestkundgebung der Plattform „Jetzt Zeichen setzen!“ ein. Seit 19.00 Uhr wurde dort mit Reden und Musikbeiträge gegen den Ball in der Hofburg demonstriert.

Proteste im Zeichen der Flüchtlingskrise

Die Protestierenden stimmten sich vor dem Start des Marsches mit Reden und Slogans ein. Dass die Demonstration heuer auch im Zeichen der Flüchtlingskrise steht, war an Transparenten abzulesen. Auf den Plakaten der „Offensive“ hieß es unter anderem: „Geflüchtete willkommen! FPÖ vertreiben. Flüchtlinge bleiben“.

Demos gegen rechten Akademikerball

ORF.at/Roland Winkler

Wie angekündigt war ein großes Polizeiaufgebot an Ort und Stelle

Auch mit Sprechchören machten die Demonstranten auf ihre Anliegen aufmerksam: „Say it loud and say it clear, refugees are welcome here“, schallte es vor der Universität auf der Ringstraße. Die Organisatoren der Demo forderten in ihren Anfangsreden ein Ende des Akademikerballs in der Wiener Hofburg. „Burschenschafter raus aus der Hofburg“, lautete ein Slogan.

Die Polizei hatte sich vor Beginn der Demonstration über ein Megafon zu Wort gemeldet und mitgeteilt, dass gemäß Sicherheitspolizeigesetz Ton- und Videoaufnahmen angefertigt würden und Demonstranten ihr Gesicht nicht verbergen oder verhüllten dürften. Über der Innenstadt kreisten wie auch schon in den Jahren davor ein Polizeihubschrauber.

Strache: „Kein Verständnis“

Indes wurde der Ball in der Hofburg feierlich eröffnet. Zu den Gästen zählen unter anderen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und der freiheitliche Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer. Strache erklärte bei seinem Eintreffen bei der Hofburg gegenüber dem Privatfernsehsender Puls4, er habe kein Verständnis für die Demonstranten: „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn rot-grüne Organisationen gegen politisch Andersdenkende, in dem Fall die Freiheitliche Partei, so vorgehen und eine Tanzveranstaltung versuchen zu verhindern - und das dann teilweise zu Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten geführt hat (...) wie vor zwei Jahren, dann hab’ ich kein Verständnis.“ Jeder Veranstalter habe das Recht, einen Ball zu organisieren, „so auch wir“, so Strache.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache

APA/Michael Thaler

FPÖ-Chef Strache bei seiner Ankunft vor der Hofburg

Abfalleimer angekettet

Wegen der angekündigten Gegendemonstrationen hatte die Polizei auch heuer rund um die Hofburg ein großräumiges Platzverbot erlassen. Die Sperrzone reicht vom Ende des Stadtparks bis zum Heldenplatz. Bis zu 2.800 Polizisten sind im Einsatz, um Ballbesucher und Demonstranten zu trennen. Im innerstädtischen Bereich wurden Abfalleimer an Straßenlaternen angekettet, um Vandalismus vorzubeugen. Die Polizei demontierte an ihren Autos vorsorglich die Nummerntafeln.

Karte zur Sperrzone beim Akademikerball

Grafik: Omniscale/OSM/ORF.at; Quelle: Polizei

Die Sperrzone am Ring beginnt heuer schon bei der Johannesgasse

Der rechte Akademikerball ist der Nachfolger des von deutschnationalen Burschenschaften getragenen Balles des Wiener Korporationsrings („WKR-Ball“) und wird seit 2013 von der FPÖ unter dem neuen Namen veranstaltet. Die Polizei erwartet heuer mehr als 1.000 Gäste.

Ruhige Proteste im vergangenen Jahr

In den vergangenen Jahren zählte die Polizei bis zu 3.000 Gegendemonstranten, die Veranstalter sprachen von bis zu 9.000. Nachdem die Ausschreitungen vor zwei Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatten, verliefen die Proteste letztes Jahr bis auf eine kurzzeitige Eskalation zwischen vermummten Demonstranten und Polizisten weitgehend ruhig. Laut Polizeiangaben wurden sechs Beamte und vier Demonstranten leicht verletzt. Auch die Sachschäden hielten sich in Grenzen: Bekannt wurden einige zerstochene Autoreifen sowie zerstörte Mistkübel und Blumentöpfe.

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