Schlanke Schönheiten
Experten sagen, dass international, aber auch in Österreich städtischer Wohnraum knapp und immer teurer wird. Platzsparende Klappmöbel kommen nicht zuletzt deshalb wieder in Mode - sondern auch, weil Flexibilität und Mobilität als schick gelten und die innovativen und kreativen Faltobjekte Spaß machen.
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Klappmöbel gab es schon immer - wenn man den Zeitraum seit der Bronzezeit als „immer“ gelten lässt. Freilich, nicht immer brachten sie ihren Besitzern ein Plus an Prestige. Im 20. Jahrhundert kannte man sie vor allem als praktische Gartenmöbel. So manche Studenten richteten sich die erste Wohnung mit Stücken aus der Gartenabteilung eines Möbeldiskonters oder Baumarktes ein - und machten damit aus der Geldnot eine Tugend.

ambivalenz.org/Malte Grieb
Malte Griebs „Fläpps“: Auch zusammengeklappt noch ein Designerstück
In den letzten Jahren kehren die Klappmöbel dorthin zurück, wo sie im Mittelalter schon einmal waren, wie Peter-Philipp Schmitt in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ schreibt. Klappsessel seien damals „Königen, Konsuln und Bischöfen“ als Teil ihrer Pontifikalien vorbehalten gewesen. Es habe sich bei den Faldistorien nicht um Notlösungen, sondern im Gegenteil um Symbole für Mobilität und damit Reichtum gehandelt: „Wer viel unterwegs war und einen bestimmten Rang hatte, wollte trotzdem stets angemessen sitzen können.“
Klappt gut für Stadtnomaden
Das ist heute wieder einer der beiden Gründe, warum Designfaltmöbel Hochkonjunktur haben. Stadtnomaden mit gut gefüllter Börse, die immer wieder von einem gentrifizierten Viertel ins nächste umziehen, die beruflich öfters längere Zeit im Ausland verbringen, können Teile ihrer Inneneinrichtung relativ unkompliziert mitnehmen. Es gibt Klappsitzmöbel, etwa Christian Desiles Bambusfaltstühle und Malte Griebs „Fläpps“, die zusammengeklappt keine drei Zentimeter dick und leicht transportfähig sind.

Manufactum
Zwei Stapelbetten von Rolf Heide. Entstapelt sind das vier Einzelbetten.
Vor allem an „Fläpps“ sieht man auch gleich den zweiten Grund, warum man sich Faltmöbel zulegt: größtmögliche Flexibilität auf kleinstmöglichem Raum. Die Sessel gibt es in bemalten Designvarianten. Hat man beispielsweise vier davon, die nur zum Einsatz kommen, wenn sich Gäste ansagen, dann werden sie als dekorative Objekte zusammengefaltet an die Wand gelehnt. Oder eben irgendwo platzsparend in einer Nische gestapelt. Selbst unter das Bett würden sie passen.
Der Trick mit dem Bettenverstecken
Apropos Bett: Auch Betten gibt es für jene, die sich stets alle Optionen offenhalten wollen. Das Stapelbett „Heide“ von Manufactum lässt sich in wenigen Handgriffen zum Doppelbett machen. Steckt man zwei Betten ineinander, ergibt das ein etwas höheres Einzelbett, stellt man sie nebeneinander, ist Platz für Zweisamkeit. Entworfen hat „Heide“ Rolf Heide, ein Möbeltischler, bereits im Jahr 1967, es gilt mittlerweile als Designklassiker.
Eher gewöhnungsbedürftig finden viele heute die Wandbetten der 60er und 70er Jahre. Man erinnert sich: Einbaumöbelwände, links und rechts Glasvitrinen für Kitsch, dazu ein paar Laden, in der Mitte das Bett - untertags komplett in die Wand eingeklappt. Heute sieht das anders aus - siehe diverse Varianten von Kinderzimmerbetten (bzw. hier), die Roberto Gil für Casa Kids entworfen hat.

www.casakids.com
Roberto Gils Wandbetten für Kinder
Wohnraum in Städten wird knapp - und vor allem in europäischen Hauptstädten teurer und teurer. Da will der Platz gut eingeteilt sein. Mitte Jänner fand in London eine Podiumsdiskussion zum Thema Wohnungseinrichtungen statt, wie die „Financial Times“ berichtete. Ein Nachhaltigkeitsbeauftragter von Ikea sagte, dass „Peak Stuff“ erreicht sei - also der Punkt, an dem die Menschen nicht immer noch mehr Zeug in ihre Wohnungen stopfen könnten.

Christian Desile
Faltsessel aus Bambus von Christian Desile
Ebenfalls Thema war dort die Wohnraumknappheit. Immer öfter würden Familien in Mietwohnungen leben und häufig umziehen, sagte Einzelhandelsexperte Andrew Hall. Anpassungsfähigkeit sei gefragt - nicht nur von den Mietern, sondern auch von den Möbeln, die jetzt kleiner und wenn möglich faltbar sein sollten. Ratna Sita, Forscherin von Euromonitor International, blies ins selbe Horn: „Wenn Konsumenten Möbel kaufen, suchen sie platzsparende, multifunktionale und tragbare Möbel, etwa Schlafsofas.“
Es wird eng
London mag ein Extrem sein, was Wohnungspreise betrifft. Aber auch in Wien, dessen kommunaler Wohnbau in vielen Bereichen als vorbildlich gilt, bekommen Mieter und Kaufinteressenten die rasant gestiegenen Preise pro Quadratmeter zu spüren. Immer mehr Menschen werden künftig in bestehenden Städten leben wollen, sagte der Autor Wolfgang Pauser im Jänner im Rahmen eines Podiumsgesprächs bei der Verleihung des Architekturpreises Superscape. Die logische Folge dieses Trends sowie der zunehmenden Knappheit von Ressourcen jeglicher Art sei die Verkleinerung des Wohnraums.
Aber gutes Design und massentaugliche Ideen, die Platz sparen, müssen einander nicht ausschließen, wie Margarete Schütte-Lihotzky in den 20er Jahren bewies. Sie beeinflusste mit ihrer Frankfurter Küche maßgeblich die moderne Einbauküche. Bereits seit Jahren berichten deutsche Möbeldesigner von einer reißenden Nachfrage nach entsprechenden Produkten.
Auch heute sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt, wie man etwa auf der Lifestyle- und Designwebsite Pinterest sehen kann, wenn man in der Kategorie Klapp- und Faltmöbel stöbert. Da gibt es Sessel, die sich zusammenrollen lassen, einen fächerartigen Blumensessel zum Ineinanderschieben, Couches, die zu Stockbetten werden, und Origami-Möbel. Manches ist günstig, vieles jedoch teuer. Aber da muss man eben flexibel sein - so wie die Möbel.
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