Friedensnobelpreisverleihung: Preisträger im Clinch
In der norwegischen Hauptstadt Oslo wurde heute der diesjährige Friedensnobelpreis an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog überreicht. Doch die Freude ist getrübt: Zwei der vier geehrten Parteien stehen derzeit in erbittertem Streit.
Im Oktober hatten der tunesische Gewerkschaftsverband (UGTT), der Arbeitgeberverband (UTICA), die Menschenrechtsliga (LTDH) und die Anwaltskammer den Preis für ihre gemeinsamen Demokratiebemühungen in dem nordafrikanischen Land bekommen, das derzeit wieder Rückschläge erleidet.
Präsident wollte intervenieren
Grund für den Zwist zwischen UGTT und UTICA ist ein seit Wochen andauernder Tarifstreit, in dem beide Seite mit harten Bandagen gekämpft haben: Gewerkschaften forderten im Privatsektor höhere Löhne, Arbeiter streikten. Präsident Beji Caid Essebsi hatte kurz vor dem Festakt noch versucht, die Wogen zu glätten.
„Es ist inakzeptabel, dass beide Seiten nach Oslo reisen, um den Friedensnobelpreis in Empfang zu nehmen, bevor sie sich geeinigt haben“, sagte er in einer Fernsehansprache. Das Beschwören nützte nichts. Die beiden Nobelpreisträger machten sich in Unfrieden auf den Weg in die norwegische Hauptstadt.
Dennoch schlossen die Preisträger ihre Rede damit, dass man weiter für das Land arbeiten und Dialog und Konsens als einen Weg wählen werde, um Schwierigkeiten zu überwinden.