Wachsende Kluft zwischen Jung und Alt
Eine EU-weite Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung sieht Österreich in puncto sozialer Gerechtigkeit an sechster Stelle. Gut funktionieren demnach insbesondere Arbeitsmarkt und Gesundheitssystem. Probleme sieht die Studie in der hohen Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen und der mangelnden Bildungsgerechtigkeit: Die Kluft zwischen Jung und Alt wächst.
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Für ihren „Social Justice Index“ vergleicht die Bertelsmann-Stiftung 35 Kriterien - von der Arbeitslosigkeit bis zur Umweltpolitik. Spitzenreiter sind wie in den vergangenen Jahren die skandinavischen Länder Schweden, Dänemark und Finnland vor den Niederlanden und Tschechien. Dahinter folgt schon Österreich noch vor Deutschland. Schlusslichter sind Bulgarien, Rumänien und Griechenland. Auch die anderen Euro-Krisenländer Zypern, Spanien und Portugal liegen im unteren Drittel.
Guter Zugang zum Arbeitsmarkt
Ausschlaggebend für den guten sechsten Rang Österreichs sind nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung die guten Zugangschancen zum Arbeitsmarkt. Hier liegt Österreich auf Platz zwei hinter Dänemark. Dazu zählt die Studie etwa die niedrige Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit (1,5 bzw. 10,3 Prozent) und die wenigen befristeten Jobs (8,8 Prozent).
Zurückgeführt wird die vergleichsweise gute Entwicklung unter anderem auf Sozialpartnerschaft und Lehrlingsausbildung. Lob gibt es auch für die jüngste Gesundheitsreform, die eine bessere Koordinierung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung zur Eindämmung der Kosten bringen soll, und den niedrigen Anteil an Jugendlichen ohne Job und Ausbildungsplatz.
Mehr Kinder von Armut bedroht
Als problematisch sehen die Autoren allerdings die wachsende Kluft zwischen Jung und Alt. Probleme gebe es einerseits bei Schulen und Universitäten, wobei die Studie die mangelnden Bildungschancen für ärmere und Kinder mit Migrationshintergrund hervorhebt. Zugleich orten die Autoren Mängel bei der Armutsbekämpfung. Seit 2007 ist der Anteil der von Armut und Ausgrenzung bedrohten Kinder und Jugendlichen von 18,5 auf 23,3 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Das Risiko der Altersarmut ist dagegen von 18,6 Prozent (2009) auf 15,7 Prozent (2014) gesunken.
Europaweit stellt die Studie ein seit Ausbruch der Krise noch vertieftes Nord-Süd-Gefälle fest: So sind in Griechenland 36,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen armutsgefährdet, in Spanien 35,8 und in Portugal 31,7. Aber auch die Nicht-Euro-Länder Ungarn (41,4 Prozent) und Großbritannien (32,6 Prozent) schneiden hier schlecht ab. Gefordert werden daher Investitionen in Armutsbekämpfung, Berufsqualifikation und Lehrlingsausbildung sowie weniger selektive Schulsysteme.
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