Konkurrent Musk gratuliert grummelnd
Amazon-Chef Jeff Bezos hat als angehender Raumfahrtunternehmer eine wichtige Hürde genommen. Seiner Firma Blue Origin gelang es bei einem Testflug, eine unbemannte Raumkapsel und die wiederverwendbare Trägerrakete sicher zur Erde zurückzubringen. Als Beleg ließ der bekennende „Weltraumnarr“ am Dienstag einen Videomitschnitt veröffentlichen.
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„Eine kontrollierte Landung ist nicht einfach - aber kann leicht aussehen, wenn sie richtig gemacht wird“, kommentierte Bezos bei Twitter die Aufnahme. Er ist einer von mehreren Milliardären, die große Pläne für private Weltraumflüge haben. Als Erstem gelang es ihm nun, eine Rakete aus einer Höhe von 100 Kilometern im - bis auf 7,08 km/h heruntgebremsten - senkrechten Flug heil auf ein Landepad in der Wüste des US-Bundesstaates Texas zurückzubringen.
„Die seltenste Spezies überhaupt“
Bezos ist damit gelungen, woran seine anderen Milliardärskollegen mit Weltraumspleen scheiterten: Der Chef des Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, setzt ebenfalls auf eine wiederverwendbare Rakete, ihre Landungen schlugen zuletzt jedoch immer wieder fehl. Die Technik mehrfach nutzen zu können soll die Kosten senken. Bei Virgin Galactic von Richard Branson startet das Raumschiff von einem Trägerflugzeug aus, das danach landet. Ein Absturz im vergangenen Herbst warf das Projekt aber zurück.

Blue Origin
Die Landung wurde zugleich aus verschiedenen Perspektiven gefilmt
Zum Unterschied von Branson und Musk, der Bezos zu dem Erfolg gratulierte, ließ Bezos wie schon bisher auch den nunmehrigen Test im Geheimen durchführen und veröffentlichte danach ohne weiteres Aufheben das Video auf der Website seiner Firma, wenn auch mit merkbarem Stolz: „Raketen waren immer zum Verbrauch bestimmt. Bis jetzt. Jetzt gibt es, sicher auf unserer Plattform in West Texas verstaut, die seltenste Spezies überhaupt, eine gebrauchte Rakete.“
„Ich bin einfach verzückt“
Laut Bezos fand der insgesamt achtminütige Test am Montag statt. Die Rakete erreichte mit einer Höhe von 100 Kilometern Höhe die Grenze der Atmosphäre. Das könne man zwar schon als „Weltraum“ bezeichnen, aber nicht als „Orbit“, fügte Konkurrent Musk seiner Gratulation einigermaßen säuerlich hinzu. Tatsächlich sind bei der Rückkehr einer Rakete aus dieser Höhe - zum Unterschied etwa von Musks Plänen - vor allem ballistische Gesetze zu beachten.
Bezos’ Rakete brauchte damit auch nur ungefähr ein Dreißigstel der Geschwindigkeit einer Rakete, die die Erdumlaufbahn erreichen soll. Die bis auf 1,4 Meter genaue Punktlandung nach dem Zünden der Landemotoren bei 622 km/h in 1,5 Kilometern Höhe reicht trotzdem für Begeisterung bei Eric Stallmer, dem Präsident der Vereinigung kommerzieller Raumfahrtunternehmen: „Ich bin einfach verzückt, dass sie es hingekriegt haben“, meinte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Vier Minuten Astronautengefühl
Blue Origin sieht sich mit dem geglückten Test seinen Plänen näher gekommen, pro Flug sechs Weltraumtouristen vier Minuten lang die Schwerelosigkeit spüren zu lassen. Sie werden „altmodisch“ in einer Kapsel transportiert, die sich auf dem höchsten Punkt der Reise vom Flugkörper löst und dann, mit Fallschirmen gebremst, von der Rakete getrennt zur Erde zurückkehrt. Schon jetzt kann man sich für Flüge voranmelden.

Blue Origin
Blue Origin feiert die geglückte Landung der Rakete (im Hintergrund)
Weltraumtourismus ist für Bezos aber nur ein Schritt. Zwar ist bei dem Milliardär ein gehöriges Maß an Liebhaberei dabei, wie sich etwa durch den Aufkauf von Raumfahrtartefakten oder gleich der halben NASA-Infrastruktur in Cape Canaveral belegen lässt - dennoch hat auch er den Gewinn im Blick, konkret den Transport von Satelliten und anderer Fracht in den Weltraum. Laut Aussagen von Bezos arbeitet Blue Origin auch an der Konstruktion eigener Raumfähren.
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