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Neun Verdächtige festgenommen

Bei den neuen Razzien in Brüssel sind am Donnerstag neun Verdächtige festgenommen worden. Sieben der Festgenommenen seien im Zusammenhang mit dem Pariser Selbstmordattentäter Bilal Hadfi festgenommen worden, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit.

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Die anderen beiden Festnahmen stünden in einem weiteren Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen vom Freitag vergangener Woche. In dem Brüsseler Bezirk Molenbeek gab es in den vergangenen Tagen bereits mehrere Polizeieinsätze in Zusammenhang mit den Pariser Attentaten. Dort hatte einer der Hauptverdächtigen der Anschläge, Salah Abdeslam, mit seinen beiden Brüdern gelebt.

Nach ihm wird gefahndet, während sich einer seiner Brüder bei den Anschlägen in die Luft sprengte. Unter den weiteren Orten der Razzien von Donnerstag waren der Staatsanwaltschaft zufolge das gutbürgerliche Viertel Uccle sowie das Zentrum der belgischen Hauptstadt. Aus Polizeikreisen hieß es, auch im Brüsseler Stadtteil Jette fänden Razzien statt.

„Verbindung“ mit Paris-Attentäter

Die Razzien standen laut Generalstaatsanwaltschaft in „Verbindung mit Hadfi“, einem der Selbstmordattentäter von Paris. Der 20-jährige Hadfi war französischer Staatsangehöriger, der in Belgien lebte, und soll sich in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft standen die Razzien nicht direkt in Zusammenhang mit den jüngsten Anschlägen in Paris. Die Untersuchung habe bereits Anfang 2015 begonnen, als Hadfi nach Syrien ausgereist war.

400 Mio. Euro für Terrorbekämpfung

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel kündigte unterdessen die Bereitstellung von 400 Millionen Euro für die Terrorismusbekämpfung an. Außerdem sollen Gesetze gegen Hassprediger verschärft, aus Syrien heimkehrende IS-Kämpfer inhaftiert und der anonyme Kauf von SIM-Karten für Handys unterbunden werden, sagte Michel in Brüssel am Donnerstag.

Der Regierungschef sprach sich zudem für schärfere Kontrollen an den Außengrenzen der Europäischen Union aus und kündigte an, dass ein belgisches Kriegsschiff den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ bei dessen Einsatz gegen den IS unterstützen werde.

Viele Vorwürfe gegen Belgien

Belgien steht im Zentrum der Ermittlungen wegen der Anschläge am Freitag in Paris. Mindestens zwei der Attentäter lebten nach bisherigen Erkenntnissen in Belgien. Bereits früher hatten die Spuren islamistischer Gewalttäter in Einwandererviertel belgischer Städte geführt. Die Verantwortlichen in Belgien mussten sich deshalb viele Vorwürfe gefallen lassen.

Zu wenige Ermittler würden Arabisch sprechen, Attentäter könnten ungehindert Waffen kaufen, und die Sicherheitsbehörden seien heillos verzweigt, so die Vorwürfe. Molenbeek sei ein Problemviertel der belgischen Hauptstadt mit hohem Anteil muslimischer Bürger, darunter einer radikalen Minderheit. Aus Molenbeek kommt der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Freitag, Abdelhamid Abaaoud.

In Molenbeek waren am Wochenende zwei Männer festgenommen worden, die seither in Haft sitzen. Sie sind verdächtig, den gesuchten Abdeslam zurück nach Belgien gebracht zu haben. Abdeslams Bruder Brahim hatte sich in Paris in die Luft gesprengt. Am Mittwoch hatte Belgiens Generalstaatsanwaltschaft eingestanden, dass beide Brüder vor den Anschlägen in Paris bereits einmal vernommen worden waren.

„Viele dieser Leute sind bekannt“

„Wir wussten, dass sie sich radikalisiert hatten“, sagte Eric van der Sypt, Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Aber es gab keine Anzeichen einer möglichen Bedrohung. Selbst wenn wir sie Frankreich gemeldet hätten, bezweifle ich, dass man sie hätte aufhalten können“, verteidigte Van der Sypt seine Behörde.

Blick ins belgische Parlament

APA/AP/Virginia Mayo

Belgiens Parlament debattiert über Vorgehen gegen islamistische Gewalttäter

„Viele dieser Leute sind in Brüssel bekannt“, sagte ein ehemaliger französischer Geheimdienstchef, Alain Chouet. Belgien habe den größten Anteil westlicher Länder an Kämpfern, die nach Syrien gehen. Das Blatt „De Morgen“ zitierte eine anonyme Quelle aus Sicherheitskreisen, die sich über das vermeintlich ungehinderte Agieren der Verdächtigen aus Belgien mokierte: „Die Mitglieder der Terrorzelle haben ungehindert Material für Sprengstoff und Waffen kaufen und Autos mieten können.“

Regierungschef Michel sagte am Donnerstag: „Ich akzeptiere die Kritik nicht, die auf eine Verunglimpfung unserer Sicherheitsdienste zielt.“ Mit Blick auf den Pariser Polizeieinsatz vom Mittwoch sagte Michel: „Gestern, in Saint-Denis, ist ein Attentat insbesondere dank den von den belgischen Teams bereitgestellten Informationen verhindert worden.“

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